Beim Blick auf die Spirale schwillt das Gesicht an

  18.06.2007 | 15:32 Uhr

Von Zerrspiegeln über einen schwebenden Globus, bis hin zu einer "echten" Fata Morgana. Der Betreiber des Museums der Illusionen, Gilles Petermann, hat einige erstaunliche Täuschungen zusammengetragen und verzaubert Groß und Klein.

Beim Blick auf die Spirale schwillt das Gesicht an

Das "Musée des Illusions" in Beyren-lès-Sierck verzaubert mit Sinnestäuschungen

Von Zerrspiegeln über einen schwebenden Globus, bis hin zu einer "echten" Fata Morgana. Der Betreiber des Museums der Illusionen, Gilles Petermann, hat einige erstaunliche Täuschungen zusammengetragen und verzaubert Groß und Klein.

Kaum haben sie einen Fuß in dieses etwas andere Museum gesetzt, sind die Kleinsten völlig aus dem Häuschen: Zwei Zerrspiegel sorgen gleich am Eingang für lautes Gelächter. Der eine zeigt die Besucher als seltsam deformierte Striche in der Landschaft, im anderen sieht sich jedes Kind plötzlich aufgedunsen und rund wie eine Kugel. Gilles Petermann lässt sie in Gruppen vor die Spiegel treten, animiert sie zum Hochreißen der Arme, zum Faxenmachen – und erklärt, wie derlei optische Phänomene zustande kommen.

Weiter geht es zu bewegten Objekten, die je nach Standort unterschiedliche Effekte erzeugen, zu einem schwebenden Globus oder zu einem Hologramm, das den Blick in ein Mikroskop vortäuscht. Gilles Petermann hat mehr als 120 kuriose Apparate, Objekte und Bilder gesammelt, gezeichnet oder selbst gebaut. Seine Faszination will er den Kindern weitergeben – und die lassen sich gebannt alles zeigen, was ihnen der wissenschaftsbegeisterte Sammler vorführt.

Zauberei im Bauernhof

In seinem umgebauten Bauernhof hat Gilles Petermann eine Welt geschaffen, in der sich Wissenschaft und Magie perfekt ergänzen. Das Interesse daran liegt ihm im Blut: Petermann ist gelernter Elektrotechniker. Der 53-Jährige geht wochentags seinem Beruf nach; an Samstagen und Sonntagen verblüfft er seine kleinen und großen Besucher mit optischen Täuschungen, überraschenden Effekten und Zaubertricks.

Ihn selbst haben wissenschaftliche Experimente von Kindheit an beeindruckt, "weil Wissenschaft voller Magie ist". Und damit auch die Kleinsten schon diesen Zauber spüren, dürfen Kinder in diesem Museum nicht nur zuhören, sondern auch alles anfassen. Mehr noch: Sie sind sogar ausdrücklich dazu aufgefordert, ihre Hände zu gebrauchen. Zum Beispiel, um einer Fata Morgana auf die Spur zu kommen. In einer Ecke des Museums nämlich steht eine rote Blechkanne mit einer blühenden Pflanze. Doch die gelben Blüten sind nur eine Illusion. Der dreidimensionale Effekt verflüchtigt sich, sobald die kleinen Besucher ihre Finger nach ihnen ausstrecken.

Ein Objekt sehen zu können, das es gar nicht gibt: die Fata Morgana-Projektion ist Gilles Petermanns persönliches Lieblingsstück im Museum. Ihn, den technikbegeisterten großen Jungen, überrascht heute natürlich nichts mehr. Zu lange schon beschäftigt er sich mit den kleinen Wundern der Physik, der Chemie und der Physiologie.

Früh übt sich

Als 13-Jähriger saß Gilles Petermann gebannt vor dem Fernsehschirm, wenn La piste aux étoiles ausgestrahlt wurde, eine Sendung über die Welt des Zirkus und der Zauberkünstler. Mit 15 gab er seine erste Vorstellung in einem Seniorenheim. Immer wieder besuchte er die Zirkel der Zauberkünstler und eignete sich neue Tricks an. Im Jahr 2000 war es soweit: Petermanns Illusions-Museum öffnete seine Pforten. Vier Jahre lang hatten seine Frau Marie-José und er auf Urlaub verzichtet, um den ehemaligen Pferdestall zu einem Museum mit Vorführraum umzubauen.

Es sind überwiegend Kinder, die sich in seine Welt der Magie und der Illusionen entführen lassen. Doch das Museum ist offen für alle. "80-Jährige können sich dafür genauso begeistern wie Fünf- bis Zwölfjährige", hat Petermann festgestellt. Alles nur eine Frage der Zeit: Während er den Kindern eine Stunde lang die Wunder seines Kuriositätenkabinetts zeigt, sind manche Erwachsene schon mal einen halben Tag damit beschäftigt, die Täuschungsmöglichkeiten des Auges auszuloten oder eine paradox erscheinende mathematische Aufgabe zu lösen.

Da staunt noch jeder

Ganze Gruppen von Kinderärzten, Optikern und Lehrern haben sich schon der gezielten Irritation ausgesetzt. Hier hat bisher noch jeder etwas Neues entdeckt: Da wirft etwa einer ein Rad mit einer aufgedruckten Spirale an, fixiert das Bild eine halbe Minute lang und schaut dann ins Gesicht seines Begleiters. Und das, oh Schreck, schwillt plötzlich an, als wollte das Fleisch unter der Haut hervorquellen! Was ist es bloß, das unsere Augen da buchstäblich an der Nase herumführt?

"Im Museum dürft ihr alles fragen, aber während der Vorstellung werden keine Fragen mehr gestellt. Das sind die Spielregeln!" Nach dem Rundgang streift Gilles Petermann den geduldigen Pädagogen ab und leitet über zum zweiten Teil des Besuchs. Gleich wird er selbst in die Trickkiste greifen. Gespannt sitzen die Kinder in den Stuhlreihen, lauschen verzückt einem singenden Fisch neben dem Bühnenvorhang. Dann beginnt die Zaubervorstellung. Anderthalb Stunden wird sie dauern; fast ein bisschen lang für die kleinen Zuschauer. Doch Petermann ist kein Alleinunterhalter. Zu seinen Spielregeln gehört auch, dass die Kinder neben ihm auf der Bühne selbst zu zaubern versuchen. Da werden bunte Tücher auf wundersame Weise vermehrt und Blumen aus dem Ärmel geschüttelt. Auch das weiße Kaninchen aus dem Zylinder darf nicht fehlen.

Kindergeburtstag im Zaubermuseum

Manche Kinder haben mit ihrer Begeisterung die ganze Familie angesteckt und so die gesamte Verwandtschaft – bis hin zur Großmutter – zu weiteren Besuchen ins Musée des Illusions gelockt. Großer Beliebtheit erfreut sich auch Petermanns Idee, samstags Kindergeburtstage im Museum zu organisieren. Nach Besichtigung und Zaubervorstellung gibt es dann Saft und Kuchen für die kleinen Gäste.

Das Musée des Illusions ist jeden Samstag und Sonntag geöffnet. Seine Zaubervorstellung gibt Gilles Petermann allerdings nur, wenn mindestens acht Zuschauer anwesend sind. Der Eintritt ist frei; die Besucher können selbst bestimmen, mit welchem Betrag sie das rein privat betriebene Museum unterstützen wollen.

"Eigentlich mag ich Museen nicht, aber in dieses würde ich immer wieder kommen!", hat ein Kind ins Gästebuch geschrieben. Ein großes Kompliment für Gilles Petermann. Kein Wunder: In diesem Museum dürfen Kinder mehr als irgendwo sonst. Und vor allem: Staunen, staunen, staunen!

Ein Beitrag von Andrea Weber

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