Im Wilden Westen der Pfalz

  12.05.2005 | 15:15 Uhr

Vor gut 250 Jahren brach aus dem pfälzischen Edenkoben ein Mann in die Neue Welt auf und wurde dort zum Waldläufer. Als Lederstrumpf zog er in die Literatur ein. In Edenkoben kann man heute auf seinen ideellen Spuren wandeln.

Im wilden Westen der Pfalz

Mit Lederstrumpf in Edenkoben
Ein Beitrag von Stephan Deppen

Wein, Wald und Kultur - mit diesem Motto wirbt der staatlich anerkannte Luftkurort Edenkoben in der Pfalz für sein touristisches Angebot. Das Edenkobener Tal als Tor zum Pfälzerwald. Ein idyllischer Flecken - doch das war nicht immer so.

Von Edenkoben ins Mohawtal

1764. Es waren unruhige Zeiten, den einfachen Leuten, den Weinbauern und Handwerkern, ging es wirtschaftlich nicht gut. Manch einer suchte sein Heil in der Auswanderung nach Amerika. In manchen Regionen, so zum Beispiel im Einflussbereich des Fürsten Wilhelm-Heinrich zu Nassau-Saarbrücken, wurden befristete Auswanderungsverbote erlassen. Andernorts bestand die Möglichkeit, sich die Erlaubnis zur Auswanderung zu erkaufen. Am 10. November des Jahres 1764 lief ein Schiff aus der alten Welt in den Hafen von Boston ein. Unter den Einwanderern war auch ein gewisser Hans Adam Hartmann aus Edenkoben. Hans Adam Hartmann lebte die nächsten Jahre im oberen Mohawktal als Waldläufer.

Lederstrumpf kommt aus Edenkoben

Verdienste erwarb er sich durch seine Teilnahme am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ab 1775. Eine wichtige Schlacht dieses Krieges fand 1777 nahe der Stadt Oriskany statt - auch an dieser hat der Edenkobener teilgenommen. Die Ereignisse Ende des 18. Jahrhunderts hat der berühmte amerikanische Schriftsteller James Fenimore Cooper Jahre später in seinen Erzählungen aufgearbeitet. Die berühmteste Geschichte ist die des Lederstrumpf - und als Vorlage für diese Figur dienten Cooper die Erinnerungen des Edenkobener Waldläufers Hartmann.

Edenkoben entdeckt seinen berühmten Sohn

Erst in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts ist man in Edenkoben auf diesen Zusammenhang aufmerksam geworden - 1952 wurde dann in Edenkoben am Rathaus eine Gedenktafel angebracht, 1990 stiftete die örtliche Sparkasse den Lederstrumpf-Brunnen. Diesen zieren neben dem Lederstrumpf auch der Indianer Chingachgook und der impressionistische Maler Slevogt. Er gilt als der bedeutendste Lederstrumpf-Illustrator. Eine große Slevogt-Sammlung ist übrigens im Schloss Villa Ludwigshöhe in Edenkoben zu besichtigen.

Mit dem Planwagen in die Weinberge

Als neue Attraktion bietet Edenkoben eine Lederstrumpf-Erlebnis-Tour an. Los geht's im Museum für Weinbau- und Stadtgeschichte, es folgt ein kleiner Rundgang durch den Ort, hin zu Lederstrumpf-Gedenktafel und -Brunnen. Dann fährt man im Planwagen in die Weinberge oder die Wälder der Umgebung - je nach Wunsch der Gäste.

Mit dabei ist auf jeden Fall der Lederstrumpf-Darsteller Bernd Mosebach. Er präsentiert sich originalgetreu. Von Kopf bis Fuß ist er in braunes Leder gehüllt: hoch geschnürte leichte Mokassins, Lederhose und -hemd, mit Fransen besetzt, die dazu dienen, die Konturen der Figur beim Betrachten aus der Ferne zu verwischen, auf dem Kopf eine Mütze aus Biberfell. Komplettiert wird die detailgetreue Kluft durch ein großes Messer, das am Gürtel hängt und einen alten Vorderlader.

Mit Lederstrumpf die Natur entdecken

Bernd Mosebach möchte an den Waldläufer erinnern, vor allem den jüngeren Gästen die Landschaft, die Pflanzen und Tiere näher bringen und vermitteln, dass der Wald „lebt“.

Ein Ausflug in den Wald einmal ohne das Ziel Pommes-Bude. Stattdessen möchte Mosebach seinen Begleitern etwas von der Lederstrumpf'schen Atmosphäre vermitteln: dass nicht nur Hirsche im Wald herumlaufen, sondern dass man auch Hasen- oder Eichhörnchenspuren entdecken kann, wenn man weiß, woran man sie erkennt, dass das Wissen um das Leben im Wald damals (überlebens-) wichtig war.

Anschließend können die Teilnehmer ein so genanntes Waldläufer-Diplom erwerben - ein Erinnerungsfoto mit Lederstrumpf gehört natürlich auch dazu. Je nach Wunsch der Teilnehmer endet die Tour mit oder ohne zünftige Vesper - ein Hauch von Freiheit und Abenteuer in der Pfalz.

Ein Beitrag von Stephan Deppen

Preise

Eintrittspreise

- ohne Planwagenfahrt: 9 EUR pro Person
- mit Planwagenfahrt: für zehn Personen: 375 EUR
- mit Planwagenfahrt und Rast und Vesper: für zehn Personen 486 EUR

Anfahrt

Von Saarbrücken Autobahn 6 bis Abzweigung Autobahn 8, Richtung Pirmasens B 10 Richtung Landau. Ab Landau B 38 oder A 65 Richtung Edenkoben / Neustadt.

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