Foto: SR/Florian Mayer

Wer wird neues Oberhaupt der Landeshauptstadt?

Podiumsdiskussion zur OB-Wahl in Saarbrücken

Florian Mayer   07.05.2019 | 06:39 Uhr

Am 26. Mai geht es nicht nur um viele Kommunalparlamente, die Europawahl und diverse Bürgermeisterposten im Saarland. Es steht auch das Oberbürgermeisteramt der saarländischen Hauptstadt zur Wahl. Acht Kandidaten bewerben sich für den Chef-Posten im Saarbrücker Rathaus. Am Montagabend stellten sie sich auf einer Podiumsdiskussion von SR und der Saarbrücker Zeitung in Burbach den Fragen von Bürgern.

OB-Wahl: Verkehrspolitik als Top-Thema
Audio [SR 3, (c) Florian Mayer, 07.05.2019, Länge: 02:11 Min.]
OB-Wahl: Verkehrspolitik als Top-Thema

Rund 400 Zuschauer waren in das Bürgerhaus in Burbach gekommen. Und sie hatten jede Menge Fragen mitgebracht: Was wird gegen das hohe Verkehrsaufkommen getan? Warum plant die Stadt ein Messekonzept mitten in der City? Wie steht es um die Sicherheit? Am Ende drehte sich aber der Großteil der eineinhalbstündigen Diskussion um die Verkehrs- und Wohnungspolitik. Alle Kandidaten sprachen sich für eine dringend notwendige Verbesserung des ÖPNV aus. Vorgeschlagen wurde beispielsweise ein Ausbau der Saarbahn bis nach Dudweiler und Völklingen.

Einigkeit in Sachen Wohnungsbau

Auch beim Wohnungsbau herrschte weitestgehend Einigkeit unter den Kandidaten: Saarbrücken brauche weniger Luxusbauten, dafür mehr bezahlbare Sozialwohnungen. Wie sehr diese Themen den Saarbrückern unter den Nägeln brennen, wurde auch immer wieder durch teils lautstarke Zwischenrufe deutlich. Für Frust sorgte laut vielen Zuschauern auch die aus ihrer Sicht unfair aufgeteilte Redezeit unter den acht Kandidaten.

Audios

Podiumsdiskussion: Sehr emotional und aufgeheizt
[SR 1, (c) Christian Balser und Kerstin Mark, 07.05.2019, Länge: 02:37 Min.]
Podiumsdiskussion: Sehr emotional und aufgeheizt

"Kein lockerer und gelöster Abend in Burbach"
[SR 2, Holger Büchner / Florian Mayer, 07.05.2019, Länge: 03:49 Min.]
"Kein lockerer und gelöster Abend in Burbach"

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle, in "Balser und Mark. Dein Morgen" auf SR 1 und in "Der Morgen" auf SR 2 Kulturradio am 07.05.2019 berichtet.


Die Kandidaten


Charlotte Britz (SPD) (Foto: Iris Maurer)

Charlotte Britz (SPD)

Seit 2004 ist Charlotte Britz amtierende Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt. Wird sie es schaffen, eine dritte Amtszeit an der Spitze der Landeshauptstadt zu stehen? Britz möchte den Weg, den sie mit der rot-rot-grünen Koalition eingeschlagen hat, weitergehen. Sozial und ökologisch, sicher, sauber und weltoffen, dazu als wirtschaftlicher Motor des Saarlandes - so stellt sich die SPD die weitere Entwicklung der Landeshauptstadt vor. Dazu zählen z.B. neue Wohngebiete und alternative Mobilitätskonzepte.


Uwe Conradt, CDU (Foto: Carsten Simon/CDU)

Uwe Conradt (CDU)

Größter Herausforderer ist Uwe Conradt von der CDU, der Geschäftsführer der Landesmedienanstalt und CDU-Fraktionsvorsitzende im Saarbrücker Stadtrat. Er will mit der Niederlagen-Serie der CDU-Kandidaten in Saarbrücken brechen und verspricht im Zeitungsinterview den Saarbrückern: „Ihr braucht keine Angst mehr zu haben“. Angst vor Fehlern und Angst vor der Chefetage bei Misserfolgen. Conradt geht vieles in der Stadt zu langsam voran. Die Furcht, eine falsche Entscheidung zu treffen, lähme die Stadt.


Dr. Gerald Kallenborn (Foto: Andreas Schlichter)

Dr. Gerald Kallenborn (parteiloser Kandidat für die FDP)

Die FDP hat den Anwalt Gerald Kallenborn als Kandidaten gewinnen können. Kallenborg ist parteilos und setzt auf einen Interessenausgleich zwischen den verschiedenen Bedürfnissen der Saarbrücker Bürger: Ob Anlieger, Gastronomen, Auto- und Radfahrer. Mehr Beleuchtung, mobile Wachen, aber keine Videoüberwachung sind seine Stichworte zur Sicherheit in Saarbrücken. Und die Saarbahn soll Richtung Uni ausgebaut werden.


Markus Lein, Die Linke (Foto: Pasquale D'Aniolillo)

Markus Lein (parteiloser Kandidat für Die Linke)

Markus Lein tritt ebenfalls als parteiloser Kandidat an – allerdings hat ihn die Partei Die Linke aufgestellt und von daher setzt er andere Schwerpunkte als Kallenborn. Der Musiklehrer will vor allem die Verkehrsbelastung an zentralen Stellen verringern, auch eine City-Maut kann er sich vorstellen. Und die Stadtteile will er zu neuer Blüte führen, Dudweiler zum Beispiel. Sozialen Problemen will er sich besonders annehmen - etwa indem er ein Jahr lang die Hälfte seines OB-Einkommens in einen Fonds für Obdachlose einzahlt.


Barbara Meyer-Gluche, Bündnis 90/Die Grünen Saarland (Foto: Wolfgang Klauke)

Barbara Meyer-Gluche (Bündnis 90/Die Grünen)

Die Grünen, aktuell im Saarbrücker Stadtrat mit der SPD in einer Koalition verbunden, haben auch eine eigene Kandidatin aufgestellt: Barbara Meyer-Gluche. Die Volkswirtin und Politologin will von dem aktuellen bundesweiten Höhenflug der Grünen profitieren. Dass das bisher im Saarland nicht so recht funktioniert hat, ficht sie nicht an. Mutiger und radikaler als bisher müssten Rat und Verwaltung die Dinge angehen - vor allem in der Verkehrspolitik - sagt sie.


Laleh Hadjimohamadvali, AfD Saarland (Foto: Stephan Beckmann/AfD)

Laleh Hadjimohamadavali (AfD)

Die AfD hat die Deutsch-Iranerin Laleh- Hadjimohamadvali zur Kandidatin bestimmt – einstimmig. Als besonderes Anliegen hat sie nach ihrer Wahl die Schul- und Familienpolitik in der Landeshauptstadt genannt.


Otfried Best (NPD) (Foto: Foto Porst Völklingen)

Otfried Best (NPD)

Für die NPD tritt Otfried Best an. Er hatte im Wahlkampf in Völklingen vor allem dadurch für Wirbel gesorgt, weil er die arabischen Hausnummern abschaffen wollte.


Michael Franke, Die PARTEI Saar (Foto: Pressefoto)

Michael Franke (Die Partei)

Ähnlich skurril der Politikansatz von Michael Franke, der die Partei DIE PARTEI vertritt: Statt Stadtmitte am Fluss macht er sich stark für die Stadtmitte im Fluss – eine geflutete Innenstadt ohne Verkehrslärm und mit Außenausschank vom Steg vor den Kneipen.

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