Ein Schild mit der Aufschrift „Schwimmer“ steht am Beckenrand in einenm Schwimmbad. (Foto: picture alliance/dpa | Philipp Schulze)

So wollen die Saar-Kommunen Energie sparen

Kai Forst   23.07.2022 | 10:17 Uhr

Licht aus, Temperatur runter: Viele saarländische Städte und Gemeinden rüsten sich bereits für die durch den russischen Angriffskrieg mit verursachte Energiekrise. Denn die Preise steigen und die Sorge, das Gas könnte im Winter knapp werden, ist groß. Ein Überblick, wie die Kommunen in der anstehenden Heizperiode sparen wollen.

Die Temperaturen sind derzeit auf dem Höhenflug. Doch mitten in der heißen Jahreszeit blicken viele Städte und Gemeinden bereits sorgenvoll auf den Winter. Schon jetzt sind die Energiepreise aufgrund des Ukraine-Konflikts und der russischen Gas-Sanktionen explodiert. SR.de hat bei den saarländischen Kommunen nachgefragt, wie sie sich auf die Energiekrise vorbereiten.

Kommunen und ihre Energiesparmaßnahmen
Audio [SR 3, Marc-André Kruppa, 05.08.2022, Länge: 03:34 Min.]
Kommunen und ihre Energiesparmaßnahmen



Krisenstäbe und Notfallpläne

Viele Kommunen haben mit Blick auf die Energiekrise bereits Arbeitsgruppen oder Krisenstäbe gebildet, um schneller auf die anstehenden Herausforderungen zu reagieren. In einigen Kommunen werden bereits konkrete Notfallpläne entwickelt.

Absenkung der Bäder-Temperaturen

Als eine der ersten Maßnahmen haben einige Kommunen im Saarland die Luft- und Wassertemperatur in den Hallenbädern abgesenkt oder sind dabei dies zu veranlassen. So will die Landeshauptstadt Saarbrücken für die Hallenbäder die Temperatur von 28 Grad um bis zu zwei Grad reduzieren. Dadurch erhofft man sich Einsparungen von bis zu 25 Prozent. Auch die Gemeinde Beckingen hat die Wassertemperatur bereits um zwei Grad gesenkt.

Andere Kommunen wie Lebach oder Nonnweiler setzen die Bädertemperaturen um ein Grad herab. Auch Neunkirchen und Friedrichsthal prüfen, ob diese Maßnahme zur kommenden Hallenbadsaison umgesetzt wird. Friedrichsthal erwägt darüber hinaus sogar Einschränkungen beim Duschen mit warmem Wasser.

In der Gemeinde Marpingen gibt es sogar die Überlegung, das kleine Hallenbad im Ortsteil Urexweiler in den Wintermonaten vorübergehend zu schließen.

Sulzbach will sein Hallenbad voraussichtlich ebenfalls schließen - auf unbestimmte Zeit. Laut einem Bericht der "Saarbrücker Zeitung" war das Bad am Donnerstagabend Thema im Ausschuss für Versorgungssicherheit des Stadtrates. Demnach rechnen die Stadtwerke für das kommende Jahr mit Kosten von 580.000 Euro. Regulär würden sonst 80.000 Euro anfallen. Die Entscheidung über die Schließung soll Ende August fallen.

Temperatur und Warmwasser in Gebäuden und Hallen

Nicht nur die Badegäste müssen sich künftig auf niedrigere Temperaturen einstellen, sondern auch die Mitarbeiter der Städte und Gemeinden. Denn viele Kommunen werden in der kommenden Heizperiode die Temperaturen in den Verwaltungsgebäuden - aber auch in den Sport- und Mehrzweckhallen absenken.

Bous prüft diese Maßnahme ebenso wie Kleinblittersdorf, St. Ingbert, Friedrichsthal oder Neunkirchen. Kirkel hat diesen Schritt ab Oktober sogar schon fest vorgesehen.

Abgesenkte Schul-Temperaturen in Schwalbach möglich

Auch Schwalbach wird diesen Weg gehen und denkt darüber hinaus sogar über die Reduzierung der Raumtemperaturen in den drei Grundschulen nach.

In Kirkel wurden zudem alle Immobilien der Gemeinde erfasst und nach Priorität kategorisiert. Sollte es zu Gasengpässen kommen, soll etwa das warme Wasser in den Gebäuden nach dieser Prioritäten-Reihenfolge abgeschaltet werden. Auch in Marpingen steht neben der Temperatur-Absenkung in allen öffentlichen Gebäuden (auf 17 bis 19 Grad ) auch das Abstellen des warmen Wassers in einzelnen Liegenschaften zur Debatte.

Ebenso steht in St. Wendel neben der Temperatur-Absenkung der Verzicht auf warmes Wasser in öffentlichen Gebäuden auf der Prüfliste. Ähnlich Überlegungen gibt es in den Gemeinden Oberthal und Schwalbach.

In Marpingen wird derzeit geprüft, Hallen und Vereinshäuser zwecks Energieeinsparungen im Winter vorübergehend dicht zu machen.

Beleuchtung

Eine weitere Möglichkeit, Energie einzusparen, sehen viele Städte und Gemeinden in der Beleuchtung – sowohl von Straßen und Gehwegen als auch von Gebäuden. Viele Kommunen haben bereits mit der Umrüstung auf energiesparende LED-Lampen begonnen. Durch die Energiekrise forcieren einige Kommunen diese Pläne nun.

Umstellung auf LED

So hat Kleinblittersdorf bereits Ende Mai beschlossen, die komplette Straßenbeleuchtung auf LED umzustellen. Dadurch will die Gemeinde 30.000 Euro im Jahr an Stromkosten sparen. Zusätzlich werde derzeit die Ein-und Ausschaltzeit der Straßenbeleuchtung angepasst auf die jeweilige Tages- und Nachtzeit.

In Schwalbach wurde die Straßenbeleuchtung bereits vor geraumer Zeit auf LED umgestellt. Künftig soll auch die Innen- und Außenbeleuchtung von öffentlichen Gebäuden durch LED erfolgen.

Ähnlich sieht es in Nohfelden aus: Hier will die Gemeinde die Umrüstung auf eine LED-Straßenbeleuchtung weiter vorantreiben. Der Ortsteil Nohfelden-Eiweiler wurde bereits vor einigen Jahren komplett umgestellt.

Ist Straßenbeleuchtung überflüssig?

Wallerfangen plant, “energiefressende Natriumlampen durch intelligente LED-Beleuchtung“ zu ersetzen. Darüber hinaus sollen die Schaltzeiten der Straßenbeleuchtung verändert werden. Es werde sogar geprüft, ob Straßenleuchten vielleicht gänzlich überflüssig sind. Auch in Nalbach wird darüber diskutiert, künftig die Beleuchtung zu reduzieren.

In Überherrn ist die Umstellung der Innen- und Außenbeleuchtung auf LED nach Verwaltungsangaben bereits erfolgt. Zeitschaltuhren und Dämmerungssensoren in öffentlichen Gebäuden sollen zudem weitere Einsparungen ermöglichen.

In Wadgassen wurde die Außenbeleuchtung an den gemeindeeigenen Gebäuden wie dem Rathaus und dem Abteihof abgeschaltet. Auch die Kirchen, die ebenfalls von der Gemeinde betrieben werden, werden nicht mehr von außen angestrahlt.

Sparen in der Verwaltung durch Homeoffice

Um weitere Energie-Sparpotenziale zu erschließen, denkt die Gemeinde Bous darüber nach, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin der Verwaltung in der Heizperiode verstärkt ins Homeoffice zu schicken. Damit einher soll eine Reduzierung der Betriebszeiten in öffentlichen Gebäuden gehen. Auch die Stadt Sulzbach spielt mit dem Gedanken, die Belegschaft der Verwaltung „in der heizintensiven Phase in der kalten Jahreszeit in ein mehrwöchiges Homeoffice zu versetzen, um auch hier Energie einzusparen“.

Energetische Sanierung der Gebäude

Die aktuellen Preissteigerungen und mögliche Gasengpässe haben bei den Kommunen das Thema der energetischen Sanierungen stärker in den Fokus gerückt. Viele Gemeinden wollen bei öffentlichen Gebäuden etwa die Wärmedämmung der Liegenschaften weiter vorantreiben. Im Gegensatz zur Abschaltung von Beleuchtung oder Absenkung von Temperaturen sind das jedoch Maßnahmen, die nicht kurzfristig umsetzbar sind.

Auch die die Optimierung der Heizungs- oder Lüftungsanlagen steht bei einigen Gemeinden auf der Agenda wie etwa in Kleinblittersdorf, Kirkel , St. Wendel, Nohfelden oder St. Ingbert. In Oberthal werden die Lüftungsanlagen überprüft und – wo möglich – reduziert weiterbetrieben oder abgeschaltet.

Auch Photovoltaikanlagen sind wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Merzig will etwa die Potenziale auf den kommunalen Dachflächen prüfen und - wo möglich - kurzfristig Photovoltaikanlagen installieren.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 23.07.2022 berichtet.


24.07.2022, 12:40 Uhr

Hinweis der Redaktion: Wir haben im Teaser des Artikels einen Satz leicht angepasst. Vorher hieß es "die durch Russland verursachte Energiekrise". In der neuen Fassung heißt es "die durch den russischen Angriffskrieg mit verursachte Energiekrise", was näher an der auch im Fließtext verwendeten Formulierung liegt.

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