Foto: Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh)

Gesund oder ungesund? Verbraucherzentrale fordert einfachere Lebensmittelkennzeichnung

Karin Mayer   24.07.2019 | 09:39 Uhr

Zutatenlisten, Nährwerttabellen – wer wissen will, was ein Lebensmittel enthält, kann viel Kleingedrucktes lesen. Ob ein Produkt gesund ist, können die wenigsten daraus ableiten. Die Verbraucherzentrale des Saarlandes fordert, deshalb eine einfache Kennzeichnung mit Ampelfarben.

Vier Modelle zur Auswahl 

 (Foto: Verbraucherzentrale Hamburg)
Nährwertkennzeichnungsmodelle

Nutri-Score: sieht aus wie das Energielabel an Elektrogeräten. Es basiert auf dem Ampelsystem und bietet fünf Stufen von grün bis rot. Grün ist gesund. Rot ist ungesund. Die Nährwerte Salz, Zucker, Fett und ungesättigte Fettsäuren werden insgesamt berücksichtigt. Außerdem werden Proteine und Ballaststoffe bewertet.  Wer mehr über die Inhaltsstoffe erfahren will, kann weiterhin die Zutatenliste und die Nährwerttabelle nutzen. Der Nutri-Score wird bereits in Frankreich, Spanien und Belgien genutzt. Die Hersteller können ihn freiwillig auf die Vorderseite der Verpackung drucken. Laut Umfrage finden 91 Prozent der Franzosen das sinnvoll. In Deutschland ist der Nutri-Score bisher nicht zulässig. 

Wabenmodell des Max-Rubner-Instituts: hier werden die Anteile von Salz, Zucker, Fett, ungesättigten Fettsäuren und der Energiegehalt in sechseckigen Feldern mit grün oder weiß gekennzeichnet. Das Gesamtergebnis ist in einer größeren Wage mit maximal 5 Sternchen abgedrückt, die ebenfalls grün oder weiß unterlegt sein können. 

Lebensmittelverband BLL-Logo: setzt auf ein Tortendiagrmm. Die Werte werden in kleinen Kreisen mit Gramm oder Prozent angegeben. Auf die Farben grün und rot wird bewußt verzichtet, weil der Verband der Auffassung ist, dass die Ampelfarben zu Fehlinterpretationen führt. 

Keyhole: in Schweden wird ein weißes Schlüsselloch auf grünem Grund auf gesunde Lebensmittel gedruckt

Verbraucherzentrale für Ampelkennzeichnung mit Nutri-Score 

Grün gleich gesund, rot gleich ungesund – für Theresia Weimar-Ehl von der Verbraucherzentrale des Saarlandes setzt auf den Nutri-Score oder die Lebensmittelampel. Er gebe beim schnellen Einkauf eine einfache Orientierung für den Kunden, so die Verbraucherberaterin. Der  Lebensmittelverband BLL lehnt die Ampel aber ab. Die Sorge ist offenbar, dass mit rot gekennzeichnete Produkte dadurch weniger verkauft werden. Verbraucherberaterin Theresia Weimar-Ehl erwartet, dass die Hersteller dann aber Anreize bekommen, ihre Produkte zu verbessern. Die Verbraucherzentralen hoffen zudem auf eine europaweit einheitliche Kennzeichnung für gesunde Lebensmittel. Außer Frankreich nutzen auch Belgien, Spanien, Portugal, die Schweiz und Luxemburg den Nutri-Score. 

 Foodwatch testet Nutri-Score

Noch ist die Ampelkennzeichnung nicht erlaubt. Die Organisation Foodwatch hat aber Grill- und Picknick-Produkte auf ihrer Internetseite mit der Ampel bewertet. Da schneiden die Produkte von grün bis rot, von A bis E sehr unterschiedlich ab. Das erkennt man auf den ersten Blick. Sehr gut möglich, dass Verbraucher mit dieser Kennzeichnung anders einkaufen würden. 

 https://www.foodwatch.org/de/aktuelle-nachrichten/2019/grill-und-picknickprodukte-im-ampel-vergleichstest/

 Umfragen zu Lebensmittelkennzeichnung

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will im September entscheiden, welches Label genutzt wird. Eine Umfrage unter 1000 Verbrauchern soll dabei eine wichtige Rolle spielen. Beteiligen kann man sich auch an der Online-Umfrage einer europäischen Bürgerinitiative Pro Nutri-Score. https://eci.ec.europa.eu/009/public/#/initiative

Weitere Informationen

www.verbraucherzentrale.de

www.lebensmittelverband.de/de/lebensmittel/kennzeichnung/ampel

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.