François Mitterrand und Helmut Kohl (Foto: dpa/Egon Steiner)

Das vergessene Abkommen

 

Meistens wird die Öffnung der Grenzen mit dem Schengener Abkommen von 1985 in Verbindung gebracht. Was kaum jemand präsent hat: Schon ein Jahr zuvor wurde das Saarland zu einer europäischen Modellregion – als die deutsch-französische Grenze ein wenig durchlässiger wurde. Als das Saarland europäische Geschichte schrieb - ein Feature von Michael Schneider. Sonntag ab 12.30 Uhr auf SR 3 Saarlandwelle.

Sendung: Sonntag 29.12.2019 12.30 Uhr

Ein Feature von Michael Schneider

Offene Grenzen in Europa, das ist für viele heute fast selbstverständlich. Gerade die Saarländer haben sich daran gewöhnt, im Nachbarland einzukaufen, zu arbeiten oder sogar zu leben. Doch der Weg dahin war lang.

Am Anfang der Idee standen zwei Männer, die unterschiedlicher kaum hätten sein können: Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident François Mitterrand. Doch über alle politischen Differenzen hinweg verband beide eine Vision: Der Abbau der Grenzkontrollen zwischen ihren beiden Ländern. Gegen die Widerstände ihrer eigenen Regierungen starteten sie einen Versuch – der noch europäische Geschichte schreiben sollte. Denn das Saarbrücker Abkommen von 1984 war ein Meilenstein bei der europäischen Integration.

deutsch-französische Grenze (Foto: SR)

An der Goldenen Bremm bei Saarbrücken kamen Reisende erstmals in den Genuss des Grenzübertritts ohne Zollkontrollen. Das hatte weitreichende Auswirkungen, auch für die Grenzbeamten. Ihre Arbeit veränderte sich schlagartig, Kompetenzen gingen verloren, die Arbeitsplätze schienen plötzlich in Gefahr. Im Gespräch mit ehemaligen Zöllnern wird klar, wie widersprüchlich die Empfindungen rund um die Grenzöffnung waren.

Aber auch auf internationaler Ebene hatte die Neuerung große Strahlkraft. Ohne Saarbrücken wäre Schengen wohl kaum denkbar gewesen. Gleichzeitig aber hatte das Abkommen auch Konstruktionsfehler – die sich heute, 35 Jahre nach dem Festakt in Saarbrücken, immer noch rächen.

Und dann stellt sich die Frage: Wo sind die europäischen Visionen heute? Sind solche kühnen Schritte, wie sie damals unternommen wurden, überhaupt noch denkbar? Und in welche Richtung steuert eigentlich das deutsch-französische Tandem?

Für das Feature „Das vergessene Abkommen – als das Saarland europäische Geschichte schrieb“ hat Michael Schneider mit Zeitzeugen gesprochen, politische Wegbegleiter aufgespürt und auch einen Blick auf den Zustand Europas heute geworfen. Er erinnert damit an ein fast vergessenes Kapitel der Saar-Geschichte, dessen Erbe heute noch spürbar ist.

Das „Land und Leute“-Feature am Sonntag, 29. Dezember, um 12.30 Uhr auf SR 3 Saarlandwelle. Im Anschluss als Podcast.


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Land und Leute (Foto: SR)
Land und Leute

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