„Andalusisches Paredeiß“

Jochen Marmit  

Wie Saar-Pfälzer im 18. Jahrhundert in Spanien neue Städte bauten. Jochen Marmit hat sich auf die Spuren der Auswanderer begeben und dabei eine saar-spanische Familiengeschichte aufgedeckt, die er nicht für möglich gehalten hätte. Das Feature am Sonntag auf SR 3 Saarlandwelle.

Sendung: Sonntag 12.12.2021 12:30 Uhr

Ein Feature von Jochen Marmit

Auswanderung war im 18. Jahrhundert keine Seltenheit. Auch aus der Saargegend, dem Hunsrück und der Pfalz zog es Tausende zu neuen Ufern – nach Ungarn, Nord- und Südamerika. Dagegen ist weitgehend unbekannt: zwischen 1767 und 1769 wanderten rund 8.000 Menschen auch aus unserer Region ins nördliche Andalusien aus.

Land und Leute: "Andalusisches Paredeiß"
Audio [SR 3, Jochen Marmit, 12.12.2021, Länge: 26:00 Min.]
Land und Leute: "Andalusisches Paredeiß"
Ein Feature von Jochen Marmit

Karl III. von Spanien wollte die unwegsamen Gebirgszüge der waldigen Sierra Morena besiedeln und ließ im großen Stil Bauern und Handwerker aus Mitteleuropa nach Spanien holen. Er beauftragte den bayerischen Kolonialisten Johann Kaspar Thürriegel, vom Elsass aus die Menschen anzuwerben.

Mit großem Erfolg: Tausende folgten den verlockenden Beschreibungen ins vermeintlich „sonnige andalusische Paredeiß“. Die Menschen wollten auf einem Stück Land ein neues, besseres Leben beginnen. Der Exodus war so heftig, dass schon 1768 einige hiesige Gemeinden Patroullien schickten, um jede Form des sich „Davonschleichens“ zu bestrafen.

In der spanischen Realität trafen die Menschen nach Überfahrt und wochenlangem Marsch auf Wildnis und schwer bebaubare Erde. In den ersten Jahren wüteten Epidemien, durch die schlechte Organisation der „Nuevas Poblaciones“ ging der Aufbau von Siedlungen wie Guarróman und La Carolina nur schleppend voran.

Es gab Spannungen aller Art, einige starben, einige wanderten wieder zurück. Doch die Projekte, die mit „kolonialer Ausnahmegenehmigung“ weiterverfolgt wurden, brachten schliesslich 15 Gemeinden und 26 kleine Siedlungen hervor.

Auch wenn die deutschen Siedler schon nach gut 70 Jahren vollständig zu Spaniern geworden waren – die nach klar aufklärerischem Maßstab errichteten Orte mit den typischen Siedler- und Verwaltungshäusern, Familiennamen wie Hamer und Moritz und nicht zuletzt die in Spanien einzigartige Tradition des Ostereierbemalens, zeugen von der ungewöhnlichen Geschichte ihrer Entstehung.

Jochen Marmit hat sich auf die Spuren der Auswanderer begeben und dabei eine saar-spanische Familiengeschichte aufgedeckt, die er nicht für möglich gehalten hätte.

"Land und Leute" am 12. Dezember 2021 um 12.30 Uhr auf SR 3 Saarlandwelle.

Im Anschluss an die Sendung ist das Feature auch im SR 3 Podcast und auf YouTube abrufbar.


Weitere Informationen zum Thema


Nicola Veith: Spanische Aufklärung und südwestdeutsche Migration (Foto: Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde)

Nicola Veith
Spanische Aufklärung und südwestdeutsche Migration
Auswandererkolonien des 18. Jahrhunderts in Andalusien
Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde
ISBN: 978-3-927754-97
Preis: 63,90 Euro


Dr. Adolfo Hamer, Historiker Sevilla
www.nuevaspoblaciones.com
(spanisch-sprachige Seite über die Auswanderer)


Land und Leute als Podcast


Land und Leute (Foto: SR)
Land und Leute

Das SR 3-Sonntags-Feature mit seinen Geschichten aus der Region gibt es auch als Podcast.

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