Marlies Krämer (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

80-Jährige klagt gegen Sparkasse

Lisa Krauser   20.02.2018 | 07:40 Uhr

Die 80 Jahre alte Marlies Krämer klagt beim Bundesgerichtshof gegen die Sparkasse. Sie will erreichen, dass auf den Bankformularen zukünftig auch weibliche Formen verwendet werden und nicht mehr nur von Kunden, Kontoinhabern, und Sparern die Rede ist.

Die Bezeichnungen Kontoinhaber, Gläubiger, Kunde ärgere die 80-Jährige Feministin schon lange. Schon seit den 90ern streitet Marlies Krämer mit der Sparkasse über die Formulierungen. Zunächst hat sie sich direkt an die Sparkasse gewandt und ist dort auf Unverständnis für ihr Anliegen gestoßen. Vor gut zwei Jahren ist sie deshalb vors Gericht gezogen. Doch Amts- und Landgericht haben ihre Klage zurückgewiesen mit der Begründung, die männliche Form eines Wortes diene schon seit 2000 Jahren als gemeinsame Bezeichnung für Frauen und Männer.

Krämer erwirkte bereits weibliche Wetterhochs

Die Sulzbacherin kann dieses Argument nicht nachvollziehen: "Was 2000 Jahre falsch weitergegeben wurde, muss ja nicht die nächsten 2000 Jahre auch noch falsch weitergegeben werden. Das muss geändert werden endlich, dass wir Frauen sprachlich zur Geltung kommen." Zumal sie von einer Bekannten aus Schleswig-Holstein weiß, dass die dortige Sparkasse ihre gesamte Satzung feminisiert hat.

80-jährige klagt gegen Sparkasse
Audio [SR 3, (c) SR, 20.02.2018, Länge: 02:30 Min.]
80-jährige klagt gegen Sparkasse
Marlies Krämer kommt aus Sulzbach, ist 80 Jahre alt und Feministin. Heute ist sie deshalb beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe für weibliche Formulierungen in Bankformularen. Lisa Krauser hat Marlies Krämer in Sulzbach besucht und eine kämpferische Frau kennengelernt.

Die selbsterklärte Feministin kämpft aber nicht nur gegen die Sparkasse um die Rechte der Frauen. Sie hat 1996 schon daran mitgewirkt, dass die Wetterhochs auch Frauennamen bekommen: "Die Tiefs hatten ja immer nur Frauennamen und die Hochs Männernamen und das hat mir nicht mehr gefallen. Und da hab ich gedacht, wir Frauen sind eigentlich fürs Leben zuständig und nicht für die Zerstörung."

Sollte der Bundesgerichtshof der Seniorin Recht geben, könnte das auch allgemein Folgen für die Rechts- und Formularsprache haben. Nicht nur über 1600 Kreditinstitute sondern auch viele andere Institutionen und Firmen nutzen der Einfachheit halber das verallgemeinernde Maskulinum. Das Urteil wird am 13. März erwartet.


Video [aktueller bericht, 20.02.2018, Länge: 1:56 Min.]
Bundesgerichtshof: 80-Jährige klagt gegen Sparkasse

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" am 20.02.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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