Der Warndtwald bei Ludweiler (Foto: Imago Images/BeckerBredel)

Fast ein Prozent des Saarlandes ist Wildnis

  28.02.2021 | 09:50 Uhr

Das Saarland hat im bundesweiten Vergleich den zweitgrößten Flächenanteil an unberührtem Wald. Fast ein Prozent der saarländischen Gesamtfläche sind laut Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland und des ZDF-Magazins "Frontal 21" Wildnisgebiete.

Definiert sind Wildnisgebiete laut Bundesamt für Naturschutz als "ausreichend große, (weitgehend) unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete" mit einer Mindestgröße von 1000 Hektar, bei Auenlandschaften 500 Hektar. Mit fast 1,6 Prozent der Gesamtfläche liegt Mecklenburg-Vorpommern bundesweit auf Rang eins.

Waldreiches Saarland

Dahinter kommt das Saarland (0,97 Prozent), das laut saarländischem Umweltministerium allein 785,73 Hektar Naturwaldzellen aufzuweisen hat, in denen die Entnahme von Holz und sonstige forstwirtschaftliche Nutzungen untersagt sind. Das Großschutzgebiet "Urwald vor den Toren der Stadt" bei Saarbrücken kommt sogar auf 1011 Hektar. Es wird seit 2002 sich selbst überlassen und nicht bewirtschaftet. Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) will auf Basis eines Gutachtens prüfen, ob der "Urwald" um weitere 1000 Hektar erweitert werden kann.

Mit einer bewaldeten Fläche von rund 39 Prozent gehört das Saarland auch zu den waldreichsten Bundesländern im Bundesgebiet. Mehr Waldanteil haben nur noch Rheinland-Pfalz und Hessen mit über 40 Prozent. Die gesamte Waldfläche im Saarland beträgt rund 93.500 Hektar. Teile davon gehören zur Biosphäre Bliesgau, zum Naturpark Saar-Hunsrück und zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

NABU will seine Projekte ausbauen

Der NABU Saarland betonte, der zweite Platz für das Saarland sei Anerkennung für alle, die sich in den vergangenen Jahrzehnten für die naturnahe Waldwirtschaft eingesetzt haben. Der Verband lobt auch die angestrebte Erweiterung des "Urwalds vor den Toren der Stadt". Der Urwald sei ein Bildungs- und Erlebnisort. Der NABU wolle seine Projekte rund um sein Waldinformationszentrum am Forsthaus Neuhaus weiter ausbauen.

Dichte Besiedlung

Dennoch hat das Saarland nicht den von der Bundesregierung angestrebten Wert von zwei Prozent Wildnis erreicht. Das saarländische Umweltministerium begründet dies gegenüber dem SR mit der geringen Flächengröße, der gleichzeitig dichten Besiedlung und hohen Landschaftszerschneidung durch Verkehrsstraßen. Nur in wenigen Einzelfällen seien die Wildnisgebiet-Kriterien zu erfüllen, so das Ministerium.

Die saarländische Landesregierung vertritt die Auffassung, dass die Flächenobergrenze von 1000 Hektar für die Ausweisung von Wildnisgebieten nicht zwingend erforderlich ist. Auch kleinere Wildnisgebiete mit deutlich weniger Fläche hätten, wenn sie in einem hinreichend dichten Biotopverbund liegen, eine hohe Bedeutung für den Biodiversitätsschutz.

Die Saar-Grünen fordern mehr Wildnisgebiete auch im Saarland. Landeschef Markus Tressel und der Grünen-Umweltexperte Klaus Borger regen dazu ein großes Waldschutzgebiet im Nordsaarland an. Zudem müsse ein Wildnisaktionsplan erarbeitet werden, um zügig neue Flächen unter Schutz zu stellen.

Schlusslicht NRW

Das gesamte Bundesgebiet erreicht nur einen Wert von 0,6 Prozent Wildnis. Das saarländische Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz, in dem der Großteil des länderüberschreitenden Nationalparks Hunsrück-Hochwald liegt, erreicht einen Wert von 0,54 Prozent.

Bundesweites Schlusslicht ist laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und dem ZDF-Magazin "Frontal 21" Nordrhein-Westfalen, das Flächenland mit der höchsten Bevölkerungsdichte. NRW kommt nur auf 0,19 Prozent Wildnis, und zwar in der Kernzone des Nationalparks Eifel.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 23.02.2021 berichtet.

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