So fand Vermieterin Assmann ihre Saarbrücker Mietwohung vor. (Foto: SR/Caroline Uhl)

Jährlich rund 600 Fälle von Mietprellerei

Niklas Resch / Caroline Uhl   25.05.2020 | 08:00 Uhr

Im Saarland sorgen Mietpreller seit Jahren für große Probleme. Allein 2019 haben Gerichtsvollzieher fast 600 Mal den Auftrag erhalten, eine Wohnung zu räumen, etwa wegen säumiger Mietzahlungen. Für Vermieter stellen solche Situationen eine große Belastung dar.

Die Vermieterin Rita Assmann hat mit ihren letzten Mietern richtig Pech gehabt. Erst zahlten diese monatelang keine Miete. Und als sie schließlich raus waren, wurde klar: Die Wohnung ist in einem desolaten Zustand.

Video [aktueller bericht, 25.05.2020, Länge: 3:08 Min.]
Albtraum Mietprellerei

Der SR hat Assmann beim ersten Wiederbetreten ihrer Wohnung in Saarbrücken-Malstatt begleitet: In vielen Ecken liegen Dreckhaufen, Türen und Wände sind teils beschädigt – und im Kühlschrank Lebensmittel, bis zur Unkenntlichkeit verschimmelt. Für die 75-jährige Vermieterin ist das ein Schock. Sie zwingt sich, in die Zukunft zu schauen: "Das wird jetzt alles entsorgt und gereinigt. Das ist ja nicht nur putzen. Teilweise müssen neue Fußleisten hin und die ganze Wohnung muss man neu streichen. Das ist ja eine Grundsanierung."

Fünfstellige Schäden keine Seltenheit

Assmann schätzt ihren Gesamtschaden auf rund 20.000 Euro: Fast ein Jahr Mietausfall und dann noch die Kosten für Entrümpelung und Renovierung. Was hinter dem Verhalten der Mieter steckt, ist unklar. Sie haben auf eine Anfrage des SR nicht reagiert.

Video [aktueller bericht, 25.05.2020, Länge: 3:33 Min.]
Interview mit Norbert Behle von Haus und Grund Saarland über Mietprellung

Mietpreller-Fälle wie der von Rita Assmann sind im Saarland keine Seltenheit, sagt der Vorsitzende des Eigentümerverbands Haus&Grund Saarland, Norbert Behle. Die Schäden könnten da leicht fünfstellige Höhen erreichen, ein Problem vor allem für private Vermieter: "Das kann existenzbedrohend sein. Wir haben schon private Vermieter erlebt, die die Motivation verloren haben, weiter zu vermieten." Denn die Auseinandersetzung sei immer eine enorme Belastung, ob mit oder ohne Gerichtsverfahren.

Viele Fälle landen vor Gericht

Mietprellerei in Malstatt
Audio [SR 3, (c) SR Caroline Uhl, 25.05.2020, Länge: 02:05 Min.]
Mietprellerei in Malstatt

Wenn es keine Einigung gibt, bleibe für Vermieter als letzter Weg oft nur eine Räumungsklage vor dem Amtsgericht, sagt Behle. Bei einer erfolgreichen Klage kommt der Gerichtsvollzieher ins Spiel. Er erhält einen Räumungsauftrag und soll den säumigen Mieter endgültig der Wohnung verweisen. Manchmal verlassen die Mieter die Wohnung daraufhin von alleine.

Wie das Justizministerium dem SR mitteilte, wurden 2019 im Saarland 595 solcher Räumungsaufträge erteilt. In den vergangenen Jahren waren die Zahlen ähnlich hoch. 2018 gab es besonders viele Räumungsaufträgen, und zwar über 660.

Bezogen auf 100.000 Einwohner liegt das Saarland damit zwar unter dem Bundesschnitt, wie eine Auswertung der deutschlandweiten Zahlen ergab. Das liegt wohl allerdings auch daran, dass die Quote der Eigenheimbesitzer im Saarland nach wie vor sehr hoch ist – es also insgesamt weniger Mieter gibt als anderswo.

Kaum Hoffnung, das Geld wiederzusehen

Für Rita Assmann ist klar: Obwohl sie einen rechtlichen Anspruch hat, wird sie ihr Geld wohl nicht wiedersehen. Im Nachhinein denkt sie, dass ihre Mieter sie getäuscht haben. "Die hatten von vorne herein nichts und sind mit dicken Autos vorgefahren. Sie haben erzählt, dass die Eltern eine Villa oberhalb von Saarlouis im Park hätten. Das war alles gelogen. Und ich bin’s halt noch gewohnt, aus meiner Generation, dass man glaubt, was einem gesagt wird.“

Trotz aller negativen Erfahrungen will Rita Assmann die Wohnung nach der Sanierung wieder neu vermieten – aber künftig ganz genau prüfen, wer sie bekommen soll.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung Guten Morgen auf SR3 Saarlandwelle vom 25.05.2020 berichtet.

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