Gedenken an die Pogromnacht vor 80 Jahren (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

Gedenken an 80 Jahre Pogromnacht 1938

  09.11.2018 | 16:24 Uhr

Am 9. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen, jüdische Friedhöfe wurden geschändet, jüdische Geschäfte ausgeraubt, Wohnungen zerstört - auch hier im Saarland. 80 Jahre danach wurde am Freitag mit einem Mahnmarsch durch die Saarbrücker Innenstadt an diese grausame Nacht erinnert.

Die Pogromnacht im Saarland

In 30 saarländischen Orten wurden in der Reichspogromnacht Läden und Wohnungen zerstört oder stark beschädigt. 14 Synagogen wurden verwüstet oder in Brand gesetzt. In Saarbrücken waren die gewaltsamen Übergriffe am heftigsten. Am Hauptbahnhof wurden rund 150 Männer jüdischen Glaubens von den örtlichen SS-Einheiten zusammengetrieben und gedemütigt. Ziel war es, die zum Teil nur mit Schlafanzügen bekleideten Personen in die Kaiserstraße zu bringen. Dort stand die damalige Synagoge. Eine Gedenktafel erinnert heute an die Pogromnacht vom 9. auf dem 10. November 1938.

Das Saarbrücker Schloss war der Endpunkt der sogenannten „Judenaktionen“ in der Pogromnacht. Die jüdischen Männer wurden hier wieder zusammengetrieben, teilweise in das Gestapo-Gefängnis eingeliefert, teilweise zur Lerchesflur gebracht und inhaftiert.    

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Gedenken an die Pogromnacht
In Saarbrücken erinnerten die Teilnehmer des Mahnmarsches an die Reichspogromnacht 1938.

Gedenkgottesdienst und Ausstellung

"Weg des Gedenkens" durch Saarbrücken
Audio [SR 2, Patrick Wiermer, 09.11.2018, Länge: 03:44 Min.]
"Weg des Gedenkens" durch Saarbrücken

80 Jahre danach wurde am Freitag mit einem Mahnmarsch durch die Saarbrücker Innenstadt an diese grausame Nacht erinnert. Organisiert durch die Mitglieder der Landesarbeitsgemeinschaft "Erinnerungsarbeit" hatten nach ersten Schätzungen rund 800 Menschen an dem Marsch teilgenommen. Er führte mit Stationen in der Bahnhofsstraße und der Kaiserstraße zur Synagoge am Beethovenplatz.

Dort fand im Anschluss ein Gedenkgottesdienst statt. Parallel zum Weg wurde eine Ausstellung zu den Geschehnissen am 9. November 1938 auf dem Rabbiner-Rülf-Platz gezeigt.

Reichspogromnacht 1938
Nicht mit den Greimerathern!
Es ist eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, das sich am 9. November 2018 zum 80. Mal jährt: die Reichspogromnacht. Überall in Deutschland haben die Nazis und Mitläufer jüdische Mitbürger verfolgt, ihre Geschäfte geplündert und zerstört und 400 Menschen getötet oder in den Tod getrieben. In jedem noch so kleinen Dorf haben die Menschen mitgemacht - nur in Greimerath – einer kleinen Gemeinde im Hochwald - war das anders. Die Greimerather haben sich gegen den Mob gewehrt und die Juden im Ort versucht zu schützen.


Interview mit Jo Frank
Jüdisches Leben in Deutschland: "Vielfalt auf ganz vielen Ebenen"
Am 9. November 2018 jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. Die vom nationalsozialistischen Regime gelenkten Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung im gesamten deutschen Reich markieren den Übergang von der Diskriminierung zur Verfolgung der Juden im "Dritten Reich". SR 2-Moderator Steffen Kolodziej hat mit Jo Frank über jüdisches Leben und antisemitistische Tendenzen in Deutschland damals und heute gesprochen. Er ist Geschäftsführer des Ernst Ludwig Ehrlich Studentenwerks – und auch einer der Herausgeber des Buches "Weil ich hier leben will – jüdische Stimmen zur Zukunft Deutschlands und Europas".

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 09.11.2018 berichtet.

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