Céleste Lett (Foto: SR/Lisa Huth)

Céleste Lett geht in den Ruhestand

mit Informationen von Lisa Huth   11.01.2020 | 11:57 Uhr

Im März finden in ganz Frankreich die Vorwahlen statt, auch in Lothringen. In Metz, Forbach oder Saargemünd treten die bisherigen, langjährigen Bürgermeister Dominique Gros, Laurent Kalinowski und Céleste Lett nicht mehr an. In Saargemünd geht mit Céleste Lett eine Koryphäe der deutsch-französischen Beziehungen in den Ruhestand.

Céleste Lett sitzt in seinem Eckbüro im verwinkelten Saargemünder Rathaus. Üblicherweise spricht er Französisch. Für den Saarländischen Rundfunk schaltet er aber auf Deutsch um. "Ich versuche das jetzt auf Hochdeutsch. Aber meine Muttersprache ist Platt, Lothringer Platt." Céleste Lett ist in Bliesbruck geboren. Genau das Bliesbrück von Bliesbruck-Rheinheim. Als Kind, erinnert er sich, spielte er sehr oft auf beiden Seiten der Grenze Fußball. "Ich war Fußballspieler. Als Fußballpräsident haben wir Freundschaftsspiele gegen Rheinheim und Gersheim organisiert. Das war für uns ein erster Schritt für die deutsch-französische Zusammenarbeit."

Lett wird Abgeordneter im Stadtrat

Ruhestand für Céleste Lett
Audio [SR 3, Lisa Huth, 11.01.2020, Länge: 03:01 Min.]
Ruhestand für Céleste Lett

Im Jahr 1974 zog Céleste Lett nach Saargemünd, wurde dort Abgeordneter im Stadtrat und sogenannter Adjoint au Maire. Damit war er für die Schulen in Saargemünd zuständig. Schon damals sei den Verantwortlichen in Paris nicht klar gewesen, welche Bedeutung die deutsche Sprache für den Grenzraum hatte. Also arbeitete Lett mit dem Verein ABCM vor Ort zusammen. Seitdem lernen die Schüler in den ersten sechs Klassen und mittlerweile auch fast durchgängig in der Mittelschule, dem Collège, Deutsch. Die große Besonderheit in Saargemünd ist, dass in vielen Klassen der Unterricht auch auf Deutsch gehalten wird. So wird beispielsweise Englischunterricht auf Französisch gehalten, Biologie ist auf Deutsch.

Einsatz für Saarbahnverbindung

Für die Saarbahn bis Saargemünd zeichnete Letts Vorgänger Ludwig verantwortlich. Céleste Lett musste sich dann allerdings mit den damit verbundenen Problemen herumschlagen, denn die SNCF wollte von Deutschland immer wieder horrende Summen. Da kam eine französische Besonderheit zupass, dass er nämlich auch Abgeordneter in der Pariser Nationalversammlung war. Député-Maire nannte sich das. Mit seinem Einfluss in Paris gelang es ihm jedes Mal, die erste grenzüberschreitende Straßenbahn zu retten. Auch etwa die neue Gendarmerie für mehr als 30 Millionen Euro in Saargemünd wurde Dank dieser Verquickung gebaut. Heute ist das nicht mehr zulässig. Lett findet das allerdings nicht gut: "Das ist ein großer Fehler, weil die Député heute weit weg von der Realität sind. Sie haben nicht mehr die Füße im Terrain."

Lett freut sich auf Ruhestand

Lett dagegen stand mit beiden Füßen im Terrain. Nicht nur bei den berauschend schönen Garten ohne Grenzen „Jardin des Faïenceries“, auch bei der Wirtschaft. Er setze sich ein für die Industriegebiete "Europôle 1" und 2, die Ansiedlung von Smart und zuletzt für die 500 Millionen-Investition von Mercedes in Hambach, um dort den ersten Mercedes auf französischem Boden zu bauen. Außerdem läuft derzeit noch ein Projekt, über das er zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht reden will. Gerne, sagt er, hätte er noch viel mehr gemacht – er freut sich jetzt aber auch auf seine Rente und damit ab April mehr Zeit für seine Familie zu haben.

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