Gedenkstätte für die verstorbenen Polizisten im Fall Kusel (Foto: SR)

Jahrestag der Polizistenmorde von Kusel

  31.01.2023 | 17:46 Uhr

Genau ein Jahr nach der Ermordung von zwei Polizeibeamten nahe Kusel hat am Dienstag eine polizei-interne Gedenkfeier stattgefunden. Der Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft fordert unterdessen einen Gedenkort für im Dienst verstorbene Kolleginnen und Kollegen.

Für viele Polizistinnen und Polizisten deutschlandweit ist der 31. Januar seit 2022 ein Tag, der nur schwer zu ertragen ist: Vor genau einem Jahr wurden eine 24-jährige Polizeianwärterin und ein 29-jähriger Polizeikommissar aus dem Saarland bei einem Einsatz nahe Kusel in den frühen Morgenstunden kaltblütig ermordet.

Video [aktueller bericht, 31.01.2023, Länge: 2:44 Min.]
Gedenken an bei Kusel ermordete Polizisten

Jost für harte Strafen

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) rief dazu auf, Gewalt gegen Polizeibeamte und andere Repräsentanten des Staates niemals hinzunehmen. „Diejenigen, die uns schützen, verdienen selbst unseren Schutz. An jedem Tag und überall“, schrieb Faeser bei Twitter.

Der saarländische Innenminister Reinhold Jost (SPD) rief bei einer Gedenkveranstaltung im rheinland-pfälzischen Hahn unter anderem zu einer „harten und unmittelbaren Bestrafung bei Gewalttaten gegen Einsatzkräfte“ auf.

Schock sitzt tief

Auf dem Campus Hahn der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz gedachten Vertreter der Polizei aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland der getöteten Polizisten. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte, es sei gut, dass am Jahrestag in der Polizeidienststelle in Kusel und auch an der Hochschule der Polizei der beiden Getöteten gedacht werde. "Der dortige Gedenkstein erinnert nun auch an den grausamen Mord in Ausübung ihres Dienstes. Ihrer zu gedenken ist unsere Aufgabe", so Dreyer.

Saar-Innenminister Jost betonte, der Schock und die Trauer über den Verlust der beiden Polizeibeamten, Kollegen, Freunde und Familienmitglieder sitze auch heute noch sehr tief. "Diejenigen, die ihnen am nächsten standen, haben durch diese schreckliche Tat unermesslichen Schmerz erfahren. Wir empfinden tiefes Mitgefühl für sie."

Jahrestag der Polizistenmorde von Kusel
Audio [SR 3, (c) SR, 31.01.2023, Länge: 00:36 Min.]
Jahrestag der Polizistenmorde von Kusel

Die Polizei Kaiserslautern veröffentlichte am Dienstagmorgen um 4.20 Uhr, dem damaligen Tatzeitpunkt, ein bewegendes Video von Sicherheitskräften, die die Anfangsbuchstaben der Namen der beiden Getöteten formen und weiße Ballons steigen lassen. „Wir denken jeden Tag an sie und behalten sie in unseren Herzen“, hieß es dazu bei Twitter.

Polizeigewerkschaft fordert Andenken

Um der 24-jährigen Polizeianwärterin und des fünf Jahre älteren Polizeikommissars – sowie aller anderen im Dienst getöteten Polizistinnen und Polizisten – zu gedenken, fordert der Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) zudem ein Andenken im Saarland, mit dem ein "dauerhaftes Zeichen des Erinnerns" gesetzt werden soll.

In Rheinland-Pfalz gibt es bereits wenige hundert Meter vom Tatort entfernt eine Gedenkstätte, die von einem ehemaligen Polizisten auf einem Parkplatz angelegt wurde. "Ich weiß von etlichen, die da hingehen", so der Bürgermeister der Stadt Kusel, Jochen Hartloff (SPD). "Man sieht auch, dass da oft frische Blumen sind." Neben vielen weißen Engeln und Blumen flackern hier auch Laternen mit Kerzen.

Zwölf Monate nach der schrecklichen Tat seien viele Kolleginnen und Kollegen noch immer fassungslos, wie der DPolG-Landesverband mitteilt. Das Geschehene werde in trauriger und mahnender Erinnerung bleiben. Man sei an diesem schwierigen Tag in Gedanken bei den Angehörigen und Freunden der beiden Opfer, die den Rest ihres Lebens mit den Folgen dieser unbegreiflichen Tat klarkommen müssten.

Zum Jahrestag der Morde hat der SWR mit der Polizei und einer Hinterbliebenen darüber gesprochen, wie das zu bewältigen ist.

Lebenslange Haft für Andreas S.

Zwar ist das Urteil gegen den Täter Andreas S. am 30. November vergangenen Jahres gesprochen worden – der 39-Jährige ist wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass S. die beiden Polizisten mit Kopfschüssen getötet hat. Mit den Morden habe er gewerbsmäßige Jagdwilderei verdecken wollen, hieß es in der Begründung.

Doch hat die Verteidigung von Andreas S. Anfang Dezember Revision eingelegt. Sollte der Bundesgerichtshof das Urteil kippen, müsste der Prozess erneut vom Landgericht Kaiserslautern verhandelt werden – dann allerdings von einer anderen Kammer. Davor erwartet S. aber erst noch ein weiteres Verfahren wegen Jagdwilderei vor dem Amtsgericht Neunkirchen.

Video [aktueller bericht, 30.11.2022, Länge: 2:57 Min.]
Rückblick auf den Polizistenmord in Kusel
Am Morgen des 31. Januar 2022 wurden zwei junge, aus dem Saarland stammende, Polizisten in der Pfalz erschossen aufgefunden. Der Tatverdächtige Andreas S., ein Bäckermeister aus Spiesen, wurde am Mittwoch wegen zweifachen Mordes verurteilt. SR-Reporterin Barbara Spitzer schaut auf die Tat, die Ermittlungen und den Prozess zurück.

Das kriminelle Geschäft mit der Wilderei

Vor dem Mord an den beiden jungen Polizisten wurde Wilderei oft als Kavaliersdelikt gesehen. Dabei steigen die Fälle von Jagdwilderei in Deutschland rasant. Durch moderne Nachtsichtgeräte und Schalldämpfer machen die kriminellen Schützen viel leichter Beute als früher.

Der SR und SWR haben die Hintergründe der Tat von Kusel und der Wilderer-Szene in einer Ko-Produktion aufgearbeitet. Am Mittwoch läuft die 45-minütige Dokumentation "betrifft: Krieg im Forst – Die gnadenlose Welt der Wilderer" um 20.15 Uhr im SR-Fernsehen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 31.01.2023 berichtet.


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