Kunden gehen mit Taschen durch ein Einkaufszentrum. (Foto: picture alliance/dpa | Markus Scholz)

Kommt es zu Lieferengpässen im Weihnachtsgeschäft?

mit Informationen von Jürgen Rinner   21.09.2022 | 19:55 Uhr

Drei Monate sind es noch bis Weihnachten, doch der Einzelhandel blickt laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts mit Sorge auf das vielleicht wichtigste Geschäft des Jahres. Viele Händler befürchteten Lieferengpässe. Im Saarland zeigt man sich zwar optimistischer - zu Engpässen könne es aber auch hier kommen. 

Die deutschen Einzelhändler machen sich vor Beginn des traditionell umsatzträchtigen Weihnachtsgeschäfts Sorgen um den Nachschub an Waren. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts. Im August klagten 77,5 Prozent der Einzelhändler über entsprechende Lieferprobleme, im Juli waren es 77,3 Prozent. „Im Moment sieht es überhaupt nicht danach aus, dass sich die Probleme in der Vorweihnachtszeit entspannen werden", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.

Video [aktueller bericht, 21.09.2022, Länge: 3:09 Min.]
Saar-Einzelhandel blickt trotz Lieferengpässen optimistisch aufs Weihnachtsgeschäft

Exemplarisch für die derzeit angespannte Lage ist die Situation bei den Fahrrädern. Zwar sind die Läden voll, aber wer ein bestimmtes Fahrrad mit spezieller Ausstattung und Farbe will, der hat wahrscheinlich Pech. Denn ein Rad besteht aus zahlreichen Komponenten und vieles davon kommt aus Fernost. Wenn ein Teil fehlt, dann kann das Rad nicht geliefert werden.

"So gut wie nichts planbar"

Planbar sei derzeit in der Branche so gut wie nichts, sagt Jochen Pollex von der Bikes + E Bikes GmbH in Saarbrücken. „Die Hersteller können uns nicht sagen, wann welche Fahrräder geliefert werden - und das über die nächsten ein bis anderthalb Jahre."

Auch bei Sportartikeln zeichnet sich ein ähnliches Bild in den Läden. Es ist viel Ware da. Und wer etwas findet, was gefällt und passt, hat Glück. Probleme kann es bei Artikeln geben, die nicht vorrätig sind und bestellt werden müssen. Das kann dauern – wenn es überhaupt geliefert wird. Denn auch im Sportartikel-Bereich kommt vieles aus Fernost. Die Produktionsprozesse sind weiter durch Corona gestört und die Lieferwege laufen nicht reibungslos.

Probleme mit dem Schiff und mit der Bahn

„Im Moment ist halt gerade ein ganz großes Problem, dass in Häfen wie Rotterdam und Antwerpen die Abwicklung ganz schwierig ist, weil zu wenige Lkw verfügbar sind. Entsprechend lang liegen die Waren in den Häfen, und bieten bei uns praktisch noch mehr Verzug, bis sie ankommen“, erklärt Stephanie Kohlen-Ciolek vom Saarbrücker Sporthaus Kohlen.

Auch der Transport mit der Bahn sei derzeit schwierig. Denn aufgrund des Ukraine-Krieges und seinen Folgen könnten Züge aus dem Osten oft nicht passieren. „Manche Hersteller wählten den Luftweg für den Transport. Das ist ideal, denn alles was per Flugzeug komme, ist pünktlich“, so Kohlen-Ciolek weiter.

Läden scheinen vorbereitet

Auch der Einzelhandelsverband Saar rechnet mit Blick auf Weihnachten in manchen Sparten wie der Elektronik mit Schwierigkeiten. Aber die Läden seien vorbereitet, weiß Fabian Schulz, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. „Die Artikel für das Weihnachtsgeschäft werden ja schon recht früh vorgeordert. Das ist ja schon geschehen, und man hat natürlich geschaut, dass man die Abrufe der Lieferung früher setzt, so dass die Geschäfte frühzeitig beliefert werden.“

Ein Problem werde aber es mit Sicherheit sein, Ware nachzuordern. Denn niemand könne derzeit versichern, dass die Ware auch rechtzeitig ankommt. Um die Weihnachts- und Geschenkezeit entspannter angehen zu können, rät Schulz zur Flexibilität. Man solle sich überlegen, ob es haargenau das Wunschprodukt sein müsse oder ob auch eine Alternative unterm Weihnachtsbaum in Frage komme.

Über dieses Thema berichtete der aktuelle bericht am 21.09.2022.

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