Eine Wespe sitzt auf einem Marmeladenbrot (Foto: dpa/Peer Grimm)

Mit Wespen leben, statt sie zu entfernen

Sandra Schick   20.06.2019 | 08:30 Uhr

Wer ein Wespen- oder Hornissennest im eigenen Haus oder Garten entdeckt, hat zunächst reflexartig oft nur einen Gedanken: weg damit. Wespenexpertin Wega Kling rät im Gespräch mit SR.de dazu, sich lieber mit den Tieren zu arrangieren, statt sie zu vertreiben.

"Wespen und Hornissen sind geschützt, sie erfüllen wichtig Aufgaben für das Ökosystem," sagt Wega Kling, die Wespenexpertin des NABU Saarland. Was viele Leute nicht wissen: Wespen sind ebenso wie Bienen fleißige Bestäuber. Im Gegensatz zu Bienen fliegen Wespen, Hornissen und Hummeln sogar bei kühlem Wetter und bestäuben selbst bei Wind und Regen. Gleichzeitig dienen sie Vögeln als Nahrung und vertilgen selbst auch Insekten, die Menschen lästig werden können.

Hornissen sind nicht gefährlich

Das alles seien Gründe, warum man bei einem Wespennest „immer genau abwägen“ sollte, ob eine Entfernung wirklich notwendig ist, so Kling. Auch wenn sich die weitaus größeren Hornissen in der Nähe niederlassen, sollte man Ruhe bewahren. „Hornissen sind sehr friedlich“, so Kling.

Interview: "Wespen sind relativ harmlos, wenn man sie in Ruhe lässt"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 09.08.2019, Länge: 02:36 Min.]
Interview: "Wespen sind relativ harmlos, wenn man sie in Ruhe lässt"

Sie seien sehr zielstrebig und flögen eigentlich nur in gerader Flugbahn zwischen ihrem Nest und den Nahrungsquellen. Solange man nicht ihre Flugbahn kreuze, gebe es wenig Probleme. „Sie kommen eher nicht zu Besuch an die Kaffeetafel wie man das von Wespen kennt“, sagt Kling. Zudem seien ihre Stiche auch nicht gefährlicher. „Hornissengift ist sogar schwächer als das der Honigbiene.“

Um mit den Tieren zu leben, kann man ein paar Tricks beherzigen, rät die Expertin:

  • Wespen stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Deshalb hektische Bewegungen vermeiden und zu den Nestern Abstand halten, Erschütterungen vermeiden und die Flugbahn zum Nest nicht versperren

  • Bestimmte Gerüche ziehen Wespen an. Dazu gehört Angstschweiß aber auch Parfum und Cremes sowie Möbelpolitur. Lavendel und zerdrückter Knoblauch hingegen schreckt die Tiere ab.

  • Getränke und Essen abdecken. Getränke am besten mit Strohhalm trinken. Kindern nach dem Essen den Mund abwischen.

NABU berät zur Entfernung der Nester

Wer dennoch nicht mit den Tieren leben kann, weil sie sich zum Beispiel einen besonders ungünstigen Platz für ihr Nest ausgesucht haben, kann sich an den NABU wenden. „Wir beraten ausführlich und unsere Experten nehmen auch Umsiedlungen vor“, sagt Klein.

Allerdings würden bevorzugt Hornissen umgesiedelt. Wespen seien viel schwieriger umzusiedeln. Das Beste sei, sich einfach mit ihnen zu arrangieren. Von Entfernung in Eigenregie oder mit Gift rät die Expertin ab. Die Gifte seien meist auch für andere Lebewesen schädlich.

Einen Trost hat die Expertin: Spätestens im Herbst sterben die Wespen und das Nest ist verlassen. Dann kann es auch gefahrlos entfernt werden. Im Normalfall bauen Wespen auch nicht an gleicher Stelle wieder.

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