Blutentnahmeröhrchen mit Aufschrift Covid-19, Symbolfoto Coronavirus (Foto: picture alliance/Bildagentur-online/Ohde)

Massentests als Lösung?

  27.03.2020 | 10:05 Uhr

Im Kampf gegen das Coronavirus wird jetzt eine neue Strategie diskutiert: Die Zahl der Tests soll deutlich erhöht werden. So wollen Experten ein besseres Bild von der Ausbreitung bekommen. Derzeit stoßen allerdings viele Auswertungslabore an ihre Grenzen - auch im Saarland.

Im Kampf gegen das Coronavirus will sich das Bundesinnenministerium jetzt am Vorbild Südkoreas orientieren. Das asiatische Land konnte mit Massentests und der Isolierung von Erkrankten die Ausbreitung des Erregers stark verlangsamen, ohne das öffentliche Leben zum Stillstand zu bringen. In einem vertraulichen Strategiepapier aus dem Ministerium, wird nach Informationen von WDRNDR und "Süddeutscher Zeitung" empfohlen, die Testkapazität in Deutschland "sehr schnell" hochzufahren.

In dem Papier wird ein Szenario durchgespielt, in dem die Testkapazitäten bis Ende April schrittweise auf 200.000 Tests am Tag erhöht werden sollen. Nur mit deutlich erhöhtem Testen und konsequenter Isolierung von infizierten Personen könne ein Worst-Case-Szenario abgewendet werden, so die Schlussfolgerung.

Saarland: Rund 4000 Abstriche pro Woche

Im Saarland werden derzeit rund 4000 Abstriche für Corona-Tests pro Woche vorgenommen. Das sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Gunter Hauptmann, auf SR-Anfrage. Das Labor, das von der KV mit der Auswertung beauftragt ist, schafft allerdings nur rund 600 Proben am Tag. Das führt dazu, dass Patienten derzeit rund sechs Tage auf das Ergebnis warten müssen. Der Saarländische Hausärzteverband geht sogar von einem noch größeren Rückstand von durchschnittlich etwa zehn Tagen aus.

Eine weitere Konsequenz: Die aktuellen Infektionszahlen spiegeln nicht das tatsächliche Geschehen im Saarland wider. Wie der Homburger Virologe Jürgen Rissland dem SR sagte, zeigen die Zahlen der Statistik den tatsächlichen Zustand von vor einigen Tagen.

Laborkapazitäten werden ausgeweitet

Kommende Woche soll das größte Auswertungslabor im Land eine neue Maschine bekommen, die deutlich mehr Proben in kürzer Zeit auswerten kann. Die Auswertung soll damit ungefähr zehn Mal so schnell werden, wie bisher.

Corona-Pandemie: Schnelltests und Medikamente dringend gesucht
Audio [SR 3, Steffani Balle, 27.03.2020, Länge: 03:38 Min.]
Corona-Pandemie: Schnelltests und Medikamente dringend gesucht

Auch KV-Chef Gunter Hauptmann plädiert für Reihentestungen auf Corona. Allerdings gebe es zurzeit noch keinen zuverlässigen Schnelltest. Dieser ist aber auch nach Meinung des Berliner Chef-Virologen und Regierungsberaters Christian Drosten dringend notwendig, damit man möglichst viele Menschen testen kann. "Wir brauchen einen schnellen Test auf das Virus selbst." Es werde derzeit mit Hochdruck an einem solchen Test gearbeitet.

Acht Prozent positive Tests im Saarland

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland haben derzeit 92 Prozent der Corona-Tests ein negatives Ergebnis. Acht Prozent fielen positiv aus. 

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 27.03.2020 berichtet.

Ausführliche Informationen:

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