Ein elektrisches Heizgerät steht in einem Zimmer. (Foto: IMAGO / Robert Poorten)

Blug: Heizlüfter „unökologisch und teuer“

  12.09.2022 | 16:00 Uhr

Droht im Winter ein Blackout durch zu viele Heizlüfter? Die Warnung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes teilt der Verband der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes zwar nicht. Verbandschef Blug rät allerdings vom Einsatz von zu vielen Heizlüftern ab. Das sei teuer und unökologisch.

„Die Gefahr eines Blackouts ist gegeben“, hatte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Gerd Landsberg der „Welt am Sonntag“ gesagt. Wenn die 650.000 in diesem Jahr bundesweit verkauften Heizlüfter eingeschaltet würden, drohe eine Überlastung des Stromnetzes.

Gebrauch auf ein Minimum beschränken

Klaus Blug, Geschäftsführer des Verbandes der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes (VEW Saar), sagte dazu im SR-Interview, er könne Landsbergs Aussage von der Gefahr eines Blackouts nicht widerlegen. „Das ist eine technische Aussage, die gilt immer. Ich würde aber sagen: Er ist nicht sehr wahrscheinlich. Und um es noch klarer zu sagen: Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist nicht höher als sonst auch im Jahr.“

Video [aktueller bericht, 12.09.2022, Länge: 4:23 Min.]
Ärger um explodierende Fernwärmepreise

Blug schränkt allerdings gleich wieder ein, dass es im kommenden Winter Ausnahmesituationen geben könnte. „Es wird dunkel, es wird kalt, und die Leute sind verunsichert.“ Deswegen habe der VEW schon früher darauf hingewiesen und empfohlen, den Gebrauch von Heizlüftern auf ein Minimum zu beschränken. „Aber wenn in Häusern und Straßenzügen ein, zwei Heizlüfter dazugeschaltet werden, dann wird das dem Netz nichts ausmachen.“

Teure Alternative

Wie viele Heizlüfter das Stromnetz aushält, kann Blug nicht sagen. Die Netzbelastung hänge auch von anderen starken Stromverbrauchern wie zum Beispiel Grills oder Waschmaschinen ab.

VEW: "Wer mit Strom statt mit Gas heizt, hat mit Zitronen gehandelt"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 12.09.2022, Länge: 04:10 Min.]
VEW: "Wer mit Strom statt mit Gas heizt, hat mit Zitronen gehandelt"

Eine Alternative zum Heizen mit Gas ist der elektrische Heizlüfter für den Verbandschef ohnehin nicht. Exzessives Heizen damit „ist unökologisch, teuer und macht auch keinen Sinn“.

Heizen mit Gas günstiger

Blug empfiehlt einen Blick auf die tagesaktuellen Preise an den Strombörsen. „Wenn man sich die Strompreise zurzeit anguckt, auch die Strompreise, die schon für nächstes und übernächstes Jahr aufgerufen werden, dann sind die deutlich höher als die Gaspreise. Das heißt: Wer mit Strom heizt anstatt als gesicherter Kunde auf Gas zurückzugreifen, der hat mit Zitronen gehandelt.“

Eine gute Nachricht gibt es unter dessen von den Gasspeichern. „Wir haben Stand heute, 13.00 Uhr, einen Speicherfüllstand von 87,95 Prozent“, so Blug. „Das ist deutlich mehr als das, was wir vor drei, vier, fünf Wochen erwartet haben.“ Gleichzeitig appelliert er aber an jeden Einzelnen, „dort zu sparen, wo er sparen kann, um kritische Situationen überhaupt nicht aufkommen zu lassen“.

Auch Fernwärme kann teurer werden

Feindliche Hackerangriffe auf die Stromnetze seien nicht auszuschließen, so Blug. „Wir hatten in den vergangenen Wochen durchaus Hackerangriffe auf kritische Infrastruktur, auch im Energieversorgungsbereich.“ Diese Gefahr sei aber immer virulent. Außerdem hätten diese Angriffe auch dazu geführt, dass die Energieversorger ihre Sicherheitssysteme noch einmal überprüft und angepasst hätten.

Und die Fernwärme? Dort könnten die Preise steigen, wenn die Fernwärme in Gaskraftwerken erzeugt wird. „Wenn der Gasbetreiber teures Gas einkaufen muss, dann wird zwangsläufig auch sein Erzeugungsprodukt, die Fernwärme, teurer“, sagt Blug. Der Verbandschef verweist da aber auf die jetzt diskutierten Schutzschirmregelungen der Bundesregierung. „Das haben die im Blick. Und die müssen und werden dafür sorgen, dass der Endverbraucher, was Strom, Gas und Fernwärme angeht, nicht im Regen stehen gelassen wird.“

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 12.09.2022 berichtet.

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