Spielzeug (Foto: Pixabay/sphaeroid)

Trotz Lockdown viele Kinder in den Kitas

  13.01.2021 | 07:52 Uhr

Anders als im ersten Lockdown können Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Kindertagesstätte bringen. Manche Kitas sind darum fast so voll wie im Regelbetrieb. Die Politik müsse für klare Regeln sorgen, fordert Christel Pohl von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 gab es in Kitas die so genannte Notbetreuung, etwa für Kinder von Eltern, die in bestimmten systemrelevanten Berufsgruppen arbeiten. Das ist im aktuellen Lockdown anders. Zwar sollten im besten Fall ebenfalls kaum Kinder die Kita besuchen, doch jetzt können die Eltern selbst entscheiden, ob sie ihren Nachwuchs zuhause betreuen oder doch zur Kita bringen. Und diese Möglichkeit ist nicht auf systemrelevante Berufsgruppen beschränkt.

Viele Kitas sind voll!
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Vom 10. Januar bis zum Monatsende müssen keine Kita-Gebühren bezahlt werden. Insgesamt sollen laut Bildungsministerium zwei Drittel der jeweiligen Elternbeiträge für den Monat Januar 2021 erstattet werden. Die Auszahlung soll im Februar über die Träger erfolgen.

GEW für Notbetreuung

Das führt dazu, dass einige Eltern sagen: Das Risiko ist uns zu groß, da kümmern wir uns lieber selber zuhause um die Kinder. "Und in anderen Kitas ist es so, dass die Kitas voll sind, dass das keine Notbetreuung darstellt, sondern Regelbetrieb," stellt Christel Pohl von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fest aufgrund vieler Rückmeldungen von Kita-Mitarbeitern, die ihre Sorgen und Nöte an sie herangetragen haben, weil sie sich um ihren Arbeits- und Gesundheitsschutz sorgen.

Dabei hat die GEW durchaus Verständnis dafür, dass Eltern, die ihrem Beruf nachgehen müssen und zum Beispiel keine Möglichkeit zum Homeoffice haben, oder auch aus anderen Gründen, eine Notbetreuung für ihre Kinder brauchen. Allerdings müsse die Politik auch die Voraussetzungen dafür schaffen, kritisiert Pohl. Hier bestehe noch großer Nachbesserungsbedarf. Dazu gehören, so Pohl, klare Regeln und im besten Fall eine Rückkehr zur Notbetreuung.

Denn Familien bräuchten Planungssicherheit. Es sei nicht in Ordnung, Eltern in einen Gewissenskonflikt zu stürzen. "Aufgrund des Infektionsgeschehens die Risiken abzuwägen, das können Eltern, das darf man Eltern durchaus auch zutrauen", so Pohl. "Aber man darf auch von der Politik erwarten und verlangen, dass sie sich der Verantwortung stellt und das weder auf Eltern abwälzt, noch auf die Leitungen der Einrichtungen, noch auf die Träger.

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Oft wird argumentiert, dass Kitas und Schulen keine Treiber der Pandemie sind. Doch mit den Infektionszahlen in der allgemeinen Bevölkerung stiegen auch die Einträge in Gemeinschaftseinrichtungen, erklärt Alexander Birk, der Leiter des Saarbrücker Gesundheitsamtes. Allerdings sei, so Birk, bei Kitas die Anzahl der Folgefälle eher geringer in Bezug auf die Gesamtzahl der Kontaktpersonen als zum Beispiel in Schulen, Pflegeheimen oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen. Es gebe, so Birk, zwar keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, aber starke Hinweise darauf, dass gerade kleinere Kinder aufgrund von einer geringeren Mobilisierung von Aerosolen, von Atemströmen, einfach weniger Erreger verteilen könnten.

Die GEW sieht das anders. Sie verweist auf Studien, nach denen gerade die Berufsgruppe der Erzieherinnen dem höchsten Infektionsgeschehen ausgesetzt und auch am meisten erkrankt sei. "Es geht um Kontaktbeschränkungen. Es geht darum, die Pandemie in den Griff zu kriegen. Und es geht darum, den 7-Tage-Inzidenzwert auch noch mal nach unten zu kriegen. Und da passt dieses Bild eben nicht rein, dass die Kitas mit Tendenz steigend und auch die sozialpädagogischen Bereiche an Ganztagsschulen sich immer mehr füllen und hier keine Kontaktbeschränkungen oder keine Kontaktbegrenzung mehr gesehen wird."

Pohl appelliert daher an die Politik, für Verbesserungen zu sorgen. Dazu gehörten etwa eine Reduzierung der Gruppengrößen, keine Durchmischung, klare Quarantäne-Regeln und nicht deren Lockerung, genügend kostenlose FFP2-Masken und die Möglichkeit zum Homeoffice. Bei der Erarbeitung langfristiger Strategien könne die Politik mit der Unterstützung der Erzieherinnen und Erzieher rechnen und sollte auch auf ihren fachlichen Rat eingehen.

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Auch Thema auf SR 1 am 13.01.2021 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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