Demonstrierende stehen in Saarlouis für die Zukunft von Ford (Foto: Yvonne Schleinhege/SR)

Über 3000 Ford-Beschäftigte demonstrierten in Saarlouis

Mit Informationen von Yvonne Schleinhege   14.09.2021 | 18:02 Uhr

In Saarlouis sind am Dienstag über 3000 Ford-Beschäftigte auf dem Großen Markt zusammengekommen. Sie forderten Klarheit für ihr Werk auch nach 2025. Auch die jungen Ford-Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft und kämpfen um ihre Jobs.

Der Große Markt in Saarlouis war am Dienstagnachmittag komplett gefüllt. Mehr als 3000 Menschen waren gekommen, um für den Erhalt der Arbeitsplätze im Ford-Werk Saarlouis auch nach 2025 zu demonstrieren. Mit einer Plakataktion „Jugend braucht Zukunft“ machten sie auf ihre Situation aufmerksam.

Thal: Weggang von Ford wäre „Katastrophe“

„Die Veranstaltung ist auch ein Zeichen in die Region“, so Ford-Betriebsratsvorsitzender Markus Thal. „Ford ist über 50 Jahre hier in der Stadt und hat die ganze Region geprägt. Wenn das wegbricht, ist das eine Katastrophe für Saarlouis und das ganze Saarland, aber auch für die Politik. Dann ist das das erste Zeichen, dass der Strukturwandel nicht funktioniert.“

Video [aktueller bericht, 14.09.2021, Länge: 3:22 Min.]
Ford-Beschäftigte demonstrieren in Saarlouis

Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Völklingen, Lars Desgranges, sagte dem SR, die Belegschaft sei in Vorlage getreten. „2400 Jobs wurden sozialverträglich abgebaut, um eine Zukunftsperspektive hier zu haben.“ Für ihn wäre es „eine Schande, wenn in einer Zeit, in der so viel politisches Kalkül aus dem Saarland in Berlin sitzt, eine Entscheidung kommt, dass Ford Saarlouis nicht bleibt“.

Sorgen um die Zukunft

Die letzten zwei Wochenenden war Leon Schmitt schon unterwegs. Er hat, wie viele andere Ford-Mitarbeiter und IG Metall-Mitglieder, Unterschriften für den Erhalt des Ford-Werks gesammelt.

Seit drei Jahren ist der 21-jährige bei Ford in Saarlouis. Im Januar hat er seine Ausbildung als Elektriker abgeschlossen und arbeitet seitdem in der Produktion. Er sei damals zu Ford gegangen, weil er dachte, in diesem großen Unternehmen seien die Jobs sicher. Doch kurz nach Ausbildungsbeginn musste er erfahren, dass die Zukunft des Werkes in Gefahr ist. „Das einem nun nach drei Jahren immer noch niemand sagt, wie es weitergeht, ist enttäuschend“, sagt Leon Schmitt.

Video [aktueller bericht, 14.09.2021, Länge: 3:25 Min.]
Wirtz-Nentwig: „Leute sind zurecht beunruhigt“

Was kommt nach 2025?

Noch bis 2025 wird der Ford Focus in Saarlouis gebaut – diese Zusage gibt es von der Unternehmensführung. Außerdem sind bis dahin betriebsgedingte Kündigungen ausgeschlossen. Jobs werden trotzdem weiter abgebaut. Das Werk in Saarlouis spiele eine wichtige Rolle für das Europa-Geschäft, heißt es auf SR-Anfrage von Ford. Mehr habe man zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen.

Ford-Aktionstag in Saarlouis
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 14.09.2021, Länge: 03:38 Min.]
Ford-Aktionstag in Saarlouis

Doch die Mitarbeiter wünschen sich eine Perspektive für ihr Werk. Seit Monaten fordern der Betriebsrat und die IG Metall den Einstieg in die Elektromobilität. Die Mitarbeiter hätten bereits ihren Beitrag geleistet, um den Standort zu halten. Seit 2010 seien rund 2400 Jobs abgebaut worden, heißt es bei der IG Metall.

Die Entscheidung ob und was künftig im Werk hergestellt wird, soll Mitte 2022 fallen, sagt Kai Girlinger. Der 23-Jährige ist Ausbildungs- und Jugendvertreter bei Ford. Er spüre gerade bei den jungen Ford-Mitarbeitern, die sich an ihn wenden, eine große Verunsicherung.

Plakataktion „Jugend braucht Zukunft“

Auch deshalb hatten die Auszubildenden für die Kundgebung am Dienstag auf dem Großen Markt in Saarlouis eine große Plakataktion geplant, sich auch abends getroffen und an einem Aufsteller gebastelt. Die Aufschrift: „Der Jugend eine Zukunft geben“. „Wenn ich in meine Lebensplanung reinschaue, dann komme ich halt bis 2025, und dann sind da riesengroße Fragezeichen“, sagt Girlinger.

Für Sebastian Borchart  ist diese Ungewissheit noch greifbarer. Er ist jetzt 31 Jahre alt und wollte eigentlich ein Haus kaufen. Doch in der jetzigen Situation wisse er nicht, ob er in vier Jahren die Kredite noch zahlen kann. „Die Zukunftsplanung ist jetzt erst einmal auf Eis gelegt.“

Demonstration von Ford-Beschäftigten in Saarlouis am 14.09.2021 (Foto: SR/Yvonne Schleinhege)
Demonstration von Ford-Beschäftigten in Saarlouis am 14.09.2021

Zukunft im Saarland fraglich 

Vor der großen Kundgebung am Dienstag, zu der sich natürlich auch die Politik angesagt hat, haben die Beschäftigten rund 14.000 Unterstützerunterschriften gesammelt, auf Marktplätzen, vor Supermärkten und auch in anderen Unternehmen. Er sei schon überrascht gewesen, die viele Menschen sich für ihre Situation interessieren würden, berichtet Leon Schmitt. „Das freut einen natürlich selbst.“

Ford-Jugend kämpft in Saarlouis für ihre Zukunft
Audio [SR 3, (c) SR 3 Yvonne Schleinhege, 14.09.2021, Länge: 02:22 Min.]
Ford-Jugend kämpft in Saarlouis für ihre Zukunft

Denn klar ist auch, an den 5000 Jobs bei Ford hängen Jobs in der ganzen Region, nicht nur beim Supplier-Park. Sollte, im schlimmsten Fall, das Ford Werk schließen, sehen die drei jungen Männer, die sich auch bei der IG Metall engagieren, ihre Zukunft nicht unbedingt mehr im Saarland.

Er würde dann vielleicht gerne ein Studium machen, sagt Leon Schmitt aus Orscholz. Aber dafür müsse er dann das Saarland verlassen, vielleicht nach Luxemburg oder Nordrhein-Westfalen ziehen. Und auch für Sebastian Borchart steht fest, ohne Ford hat er keine Zukunft im Saarland.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten am 14.09.2021.

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