Medizinisches Personal bereitet eine Spritze mit Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus vor. (Foto: picture alliance/dpa/PA Wire | Owen Humphrey)

Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

  10.01.2021 | 21:28 Uhr

Im Saarland sind die Corona-Impfungen gestartet. Wer wird zuerst geimpft? Wo finden die Impfungen statt? Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Und darf mich mein Arbeitgeber zur Impfung verpflichten? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Wann beginnen die Impfungen im Saarland?

Am 27. Dezember haben die Impfungen in den Heimen begonnen, am 28. Dezember sind sie auch in den Impfzentren gestartet. Am 21. Dezember hat die EU als ersten Impfstoff den von Biontech und Pfizer zugelassen.


Wer wird zuerst geimpft?

Da die Zahl der verfügbaren Impfstoffe zumindest in der Anfangsphase sehr begrenzt sein wird, wird in vier Abstufungen nacheinander geimpft. Gesundheitsminister Jens Spahn hat dazu am 18. Dezember einen Corona-Impfplan vorgestellt. Zunächst sollen Pflegeheimbewohner, Notärzte und andere Menschen mit engem Kontakt zu gefährdeten Gruppen und allgemein Menschen über 80 Jahre geimpft werden. Danach folgen abgestuft weitere Altersgruppen und Menschen mit höherem Ansteckungsrisiko.

Entsprechend zur bundesweiten Regelung sollen im Saarland in einer ersten Stufe die sieben mobilen Impfteams Pflegeheimbewohner impfen, zeitgleich sollen sich Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen und Über-80-Jährige, die noch zuhause wohnen, in den Impfzentren melden können, erklärte Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling im SR-Interview.

Die zur Coronaimpfung berechtigten Personen werden im Saarland nicht angeschrieben. Vor der Impfung ist aber eine Registrierung notwendig, so Kolling. Diese kann über die Webseite impfen.saarland.de oder über die Telefonhotline 0681 501 4422 erfolgen.


Wie viele Impfdosen bekommt das Saarland?

Das Gesundheitsministerium rechnet damit, bis Ende Januar wöchentlich 9750 Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffes zur Verfügung zu haben. Die Hälfte der Dosen müsste bis Mitte Januar zurückgestellt werden, damit eine Zweitimpfung sichergestellt werden könne. Unter gleichbleibenden Bedingungen könnten bis Ende Januar laut Landesregierung insgesamt ca. 27.000 Impfungen durchgeführt und 90 Alten- und Pflegeheime sowie 9600 Mitarbeiter in der Pflege geimpft werden.


Werden auch Kinder geimpft?

Nein. Nach Angaben des RKI stehen die Impfstoffe zunächst nur für Erwachsene zur Verfügung. Der Grund dafür ist in erster Linie, dass die derzeitigen Impfstoffkandidaten bei Kindern und Jugendlichen noch nicht ausreichend auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht wurden. Alleine schon aus ethischen Gründen seien Kinder nicht für frühe Tests vorgesehen. Außerdem geht man davon aus, dass durch die Impfstoffe für Erwachsene das Infektionsgeschehen insgesamt gesenkt werde - und dadurch dann auch Kinder geschützt werden.

Zukünftig könnte es aber auch Impfstoffe für Kinder und Jugendliche geben. Das US-Unternehmen Moderna hat laut Medienberichten von Anfang Dezember eine entsprechende Studie angemeldet, die allerdings noch nicht begonnen hat und sich zudem über einen längeren Zeitraum streckt.


Welche Impfstoffe kommen zuerst zur Anwendung?

Als erster kommt der Impfstoff von Biontech/Pfizer zur Anwendung. Die Europäische Kommission hat ihn am 21. Dezember zugelassen. Auch das Unternehmen Moderna hat einen Antrag auf bedingte Marktzulassung bei der EMA gestellt. Die EMA koordiniert für den europäischen Raum und damit auch für Deutschland das Zulassungsverfahren. Die EMA gibt aber nur eine Empfehlung ab, über die Zulassung entscheidet letztlich die Europäische Kommission. Neben den beiden Impfstoffen von Biontech und Moderna befindet sich auch der Kandidat von Astra-Zeneca und der Oxford Universität in einem Prüfungsverfahren.

Das Saarland hat keine eigenen Liefervereinbarungen mit Herstellern geschlossen. Das übernehmen nach Angaben des Gesundheitsministeriums die EU bzw. der Bund. Die zur Verfügung stehenden Impfstoffe werden nach einem festen Verteilschlüssel unter den Bundesländern aufgeteilt.

Die EU hat bislang mit sechs Unternehmen Liefervereinbarungen geschlossen:

  • Biontech/Pfizer
  • Moderna
  • Astra-Zeneca/Oxford University
  • Sanofi/GSK
  • Janssen
  • Curevac

Damit es bei Impfstoffen möglichst nicht zu Lieferengpässen kommt, dürfen Transporte mit Impfstoff und Impfzubehör auch an Sonn- und Feiertagen per Lkw im Saarland transportiert werden. Das Fahrverbot ist dafür vorerst bis zum 30. Juni 2021 ausgesetzt. Unter Zubehör fallen beispielsweise Kanülen oder Desinfektionsmittel.


Kann man sich den Impfstoff aussuchen?

Nach Angaben des saarländischen Gesundheitsministerium wird es nicht möglich sein, sich seinen "Wunsch-Impfstoff" auszusuchen. Welches Medikament verimpft werde, richte sich vielmehr nach der Verfügbarkeit und einer möglichen Priorisierung.


Wo kann man sich im Saarland impfen lassen?

Im Saarland erfolgt die Impfung zunächst in drei speziell dafür aufgebauten Impfzentren sowie durch mobile Teams für Pflegeeinrichtungen.

  • Das saarlandweit größte Impfzentrum wurde auf dem Saarbrücker Messegelände eingerichtet.
  • Die Einwohner der zwei westlichen Landkreise Saarlouis und Merzig-Wadern können sich in Saarlouis, im ehemaligen Industriekomplex der Firma Braun CarTec direkt in Autobahnnähe impfen lassen.
  • Das Impfzentrum Ost befindet sich im ehemaligen Praktiker-Baumarkt in Neunkirchen-Sinnerthal.

Außerdem will die Bundeswehr in Lebach ein viertes Impfzentrum aufbauen. Es soll voraussichtlich bis Ende Januar fertiggestellt sein. Der saarländische Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling hofft zudem darauf, dass im Laufe des Jahres auch die Hausarztpraxen Impfungen übernehmen können - wenn die verfügbaren Impfstoffe "einfacher zu handhaben" sind. Der einzige bislang in der EU zugelassene Impfstoff von Biontech muss zum Beispiel bei extrem niedrigen Temperaturen gelagert werden.

Der Kreisverband St. Ingbert des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat einen speziellen Impfservice eingerichtet. Auf Wunsch übernimmt das DRK die Terminvereinbarung für die Coronaimpfung. Außerdem bietet das DRK einen Fahrdienst von der Wohnung zum Impfzentrum und zurück und auch eine Begleitung zum Impftermin an. Der Service richtet sich an Personen, die auf Unterstützung und Hilfe angewiesen sind oder sich selbst und ihre Angehörigen so wenig wie möglich belasten wollen. Den Corona-Impfservice des DRK erreichen Sie telefonisch unter 06894/1000 oder per Mail info@kv-st-ingbert.drk.de.


Sind Impfungen zuhause möglich?

Für Über-80-Jährige, die nicht in Heimen leben, aber auch nicht mehr so mobil sind, dass sie zu einem Impfzentrum kommen können, gibt es zurzeit noch keine Impfmöglichkeit.

Das Gesundheitsministerium teilte dem SR auf Anfrage mit, dass einzelne Impfungen bei Menschen zuhause aus logistischen Gründen nicht möglich seien. Erst wenn es robustere Impfstoffe gebe, die nicht so intensiv gekühlt werden müssen, könnten auch Hausärzte diese verwenden. Sie sollen dann immobile Menschen zuhause impfen.


Wie funktioniert die Terminvergabe?

Das saarländische Gesundheitsministerium hat sein Impftermin-Vergabesystem nach massiver Kritik umgestellt. Ab Montag, 11. Januar, 7.00 Uhr, ist nun der Eintrag in eine Impfliste möglich. Auf die Liste werden derzeit nur Berechtigte der ersten Priorisierungsgruppe aufgenommen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums können sich Personen aus der Priorisierungsgruppe eins im Internet auf der Webseite impfen.saarland.de selbst eintragen oder über die Telefonhotline 0681 501 4422 eintragen lassen. Direkte Terminbuchungen sind ab Montag nicht mehr möglich.

Stattdessen erfolgt nach einem erfolgreichen Eintrag eine automatisierte Benachrichtigung über die Aufnahme auf die Impfliste per E-Mail, SMS oder Brief. Über den konkreten Impftermin wird erst später informiert. Zunächst wird die Impfliste im ersten Durchlauf zwei Wochen lang – also bis zum 25. Januar – zur Eintragung offen sein.

Bei der Terminvergabe spielt der Zeitpunkt der Eintragung laut Gesundheitsministerium keine Rolle. Nach Ablauf der zwei Wochen werden die Termine nach dem Zufallsprinzip vergeben – und nicht etwa nach der Reihenfolge. Es sei daher nicht nötig, sich direkt am Montag zu registrieren. Damit soll vor allem verhindert werden, dass das System wegen der hohen Nachfrage erneut zusammenbricht.

Betroffene, deren Buchungsprozesse aufgrund technischer Probleme nicht abgeschlossen und der Termin nicht bestätigt werden konnte, können sich telefonisch bei der Hotline unter der 0681 501 4422 oder per E-Mail an info-impfen@soziales.saarland.de wenden.  


Wie läuft die Impfung ab?

In den drei saarländischen Impfzentren sollen täglich bis zu 4000 Menschen geimpft werden. Wie das genau abläuft, erklärt beispielhaft Alexander Koch, der Leiter der Stabsstelle Katastrophenschutz in Neunkirchen: Am Einlass finde zunächst eine Temperaturmessung statt. Dann werde man am Check-in registriert und in einen ersten Wartebereich geführt, von wo aus man in die Impfkabine gebeten wird.

Nach der Impfung geht es in einen zweiten Wartebereich, wo man 30 Minuten lang daraufhin überwacht wird, ob sich Reaktionen auf die Impfung zeigen. Wenn nicht, kann man am Check-out das Impfzentrum wieder verlassen.


Welche Unterlagen müssen zur Impfung mitgebracht werden?

Wer zur Impfung in eines der Impfzentren kommt, soll laut Landesregierung seinen Personalausweis, seine Versicherungskarte, seinen Impfpass und seinen Anmeldecode mitbringen. Menschen mit Vorerkrankungen sollen zudem verfügbare Unterlagen wie beispielsweise einen Allergiepass, Dialysepass, Nachsorgepass von einer Organtransplantation oder Nachweis einer bestehenden Chemotherapie mit dabei haben.


Kann mich mein Arbeitgeber zur Impfung verpflichten?

Nein, die aktuelle Corona-Impfverordnung regelt laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) nur das Recht auf eine Schutzimpfung. Eine Impfpflicht sehe die Verordnung nicht vor. Der Arbeitgeber könne auch keine Maßnahmen gegen die Mitarbeiter ergreifen, die nicht geimpft sind oder es nicht vorhaben.


Wie sicher sind die in Rekordzeit entwickelten Impfstoffe?

Normalerweise benötigt die Entwicklung eines neuen Impfstoffes mehrere Jahre - in der Coronapandemie stehen nun schon nach wenigen Monaten mehrere Kandidaten zur Verfügung. Experten betonen allerdings immer wieder, dass an der Sicherheit bei der Zulassungsprüfung nicht gespart wurde.

Dass es trotzdem so schnell ging, begründet das in Deutschland für Arzneimittelsicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut mit mehreren Faktoren. Zum einen hätten die Forscher auf früheren Forschungsarbeiten zu anderen Coronaviren aufbauen können, zudem sei der Austausch mit den Arzneimittelbehörden früh intensiviert worden, klinische Prüfungsphasen kombiniert und bereits während dieser Phasen erste Ergebnisse und Daten begutachtet worden.

Erstmals könnten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auch sogenannte mRNA-Impfstoffe zum Einsatz kommen. Die von Biontech und Moderna entwickelten Impfstoffe basieren zum Beispiel darauf. Dabei werden anders als bei vielen herkömmlichen Impfungen keine abgeschwächten oder getöteten Erreger injiziert, sondern nur eine Art Bauanleitung für Teile des Virus. Wie bei vielen medizinischen Behandlungen gibt es auch bei diesen mRNA-Impfstoffen das Risiko von Nebenwirkungen. Meist handele es sich dabei um Kopfschmerzen, Schlappheit oder Schmerzen an der Einstichstelle, erklärt der Impfstoffforscher Carlos A.Guzmán im rbb. Ernsthafte Nebenwirkungen wie etwa hohes Fieber wurden in den klinischen Tests von Biontech und Moderna in etwa zwei Prozent der Fälle beobachtet. Kurz nach dem Start der Massenimpfungen in Großbritannien mit dem Impfstoff von Biontech wurden zudem bei zwei Personen allergische Reaktionen festgestellt - beides Personen, die schon in der Vergangenheit sehr anfällig für allergische Reaktionen waren. Aus diesem Grund warnt die britische Arzneimittelbehörden derzeit vor der Impfung von Personen "mit erheblicher allergischer Vorgeschichte".

Sehr ausführlich mit der Wirkungsweise und Gerüchten rund um die neuen Impfstoffe hat sich unter anderem der BR in einem Faktenfuchs beschäftigt. Für einen schnellen Ersteindruck bietet sich auch der Beitrag des Tagesschau-Faktenfinders dazu an. Weitere Informationen zur Impfstoffsicherheit gibt es zudem hier bei tagesschau.de, hier beim NDR, hier bei BR.de und hier in einem sehr ausführlichen FAQ bei rbb24.de.


Wer sollte sich besser zunächst einmal nicht impfen lassen?

Der derzeit verfügbare Impfstoff ist für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren aktuell nicht zugelassen. Sie sollten laut RKI nicht geimpft werden. Für Schwangere und Mütter in der Stillzeit wird eine Impfung nur nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung empfohlen, da hierzu noch nicht ausreichende Erfahrungen vorlägen.

Wer akut erkrankt ist und an Fieber über 38,5 Grad leidet, sollte sich erst nach seiner Genesung impfen lassen. Eine einfache Erkältung oder leicht erhöhte Temperatur sei jedoch kein Grund, einen Impftermin zu verschieben, so das RKI.


Ab wann setzt die Wirkung des Impfstoffes ein?

Ein ausreichender Impfschutz setzt laut RKI und dem Deutschen Grünen Kreuz beim derzeit verfügbaren Impfstoff sieben Tage nach der zweiten Impfung ein. Nach bisherigen Studienergebnissen sind 95 Prozent der geimpften Personen vor einer Erkrankung geschützt. Noch nicht bekannt ist, wie lange dieser Schutz anhält und ob ggf. Auffrischungsimpfungen nötig sind.


Werden auch Grenzgänger geimpft?

Ja, unter der Voraussetzung, dass sie in Deutschland krankenversichert sind. Grenzgänger werden laut Gesundheitsministerium in diesen beiden Fällen in saarländischen Impfzentren geimpft:

  • Deutsche Staatsbürger mit Wohnsitz in der französischen Grenzregion, die in Deutschland krankenversichert sind.
  • Französische und luxemburgische Staatsangehörige, die für ein saarländisches Unternehmen arbeiten und in Deutschland krankenversichert sind.


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