Eine Krankenpflegerin schiebt ein Krankenbett durch einen Flur (Foto: picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Bislang nur wenige Pflegekräfte ins Saarland gekommen

mit Informationen von Stefani Balle   05.10.2022 | 16:39 Uhr

Die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe in Saarbrücken hat eine Zwischenbilanz ihrer dreijährigen Tätigkeit gezogen. Diese fällt allerdings mager aus: Nur 85 Pflegekräfte aus dem Ausland haben sich im Saarland niedergelassen, alle in diesem Jahr.

Von 200 abgeschlossenen Verträgen in diesem Jahr sind lediglich 85 neue Pflegekräfte durch die Vermittlung der Deutschen Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa) ins Saarland gekommen.

Gleichwohl bietet die Agentur, die vor drei Jahren in Saarbrücken gegründet wurde, erst seit 2022 den kompletten Anwerbeprozess an. Vorher hatte sie lediglich die administrative Unterstützung bei Angelegenheiten wie Visa, Arbeitsgenehmigung und Anerkennung der Berufsabschlüsse im Angebot.

Das hatte keine Einrichtung im Land wahrgenommen. Die angeworbenen mexikanischen Ärzte und Pflegekräfte an der Uniklinik Homburg und dem Städtischen Klinikum Saarbrücken wurden mit Hilfe der Bundesagentur für Arbeit ins Saarland geholt.

Video [aktueller bericht, 05.10.2022, Länge: 3:06 Min.]
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Sozialminister Jung zuversichtlich

Dass weniger als die Hälfte der angeworbenen Pflegekräfte nun tatsächlich im Saarland arbeitet, trübt die Hoffnung des Sozialministers Magnus Jung (SPD) nicht. 85 im ersten Jahr seien demnach "eine gute Zahl" – immerhin biete die DeFa ihren Komplettservice noch nicht so lange an.

DeFa zieht Zwischenbilanz
Audio [SR 3, Steffani Balle/ Simin Sadeghi, 05.10.2022, Länge: 02:13 Min.]
DeFa zieht Zwischenbilanz

Um auf die 4000 versprochenen Pflegekräfte bis 2030 zu kommen, muss trotzdem ordentlich nachgelegt werden. Jung ist zuversichtlich, dass es der DeFa gelingt, künftig noch mehr Pflegekräfte aus dem Ausland zu vermitteln.

Aktuell liefen über die Agentur etwa Anwerbeverträge für den Schwesternverband Saarland und das Sankt Nikolaus-Hospital Wallerfangen.

Mehrmonatiger Sprachkurs

Im Laufe der Zeit hat man die Dauer der Verfahren von rund zwei Jahren zu Beginn auf nunmehr acht Wochen verkürzen können, berichtet DeFa-Geschäftsführer Christoph Lang. Das bedeute jedoch nicht, dass eine Pflegekraft aus Mexiko, den Philippinen oder Indien schon binnen acht Wochen in Deutschland wäre.

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Zunächst müssen die Bewerber im Heimatland ein Deutsch-Zertifikat auf B2-Niveau erlangen. Meist tun sie das das über einen mehrmonatigen Sprachkurs. Wenn sie das fachliche Niveau nachgewiesen und einen Vertrag unterschrieben haben, dann bekommen sie für die Zeit der Ausbildung bereits Gehalt.

Teilweise unseriöse Anbieter

Das sei nicht immer so. Es gebe auch unseriöse Anbieter, die den Sprachkurs als Kredit anbieten, den die Pflegekraft zurückzahlen muss, wenn sie in Deutschland ihren Job antritt. Lang nennt hierbei Summen bis zu 15.000 Euro.

Wenn eine Einrichtung diese Kosten vollständig übernimmt, ist es umso ärgerlicher, sollte die Anwerbung schiefgehen. Gründe fürs Scheitern gebe es viele, sagt Lang. Heimweh sei einer von ihnen.

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