Grenzüberschreitende Stahlkonferenz in Dillingen: F. Metzken, T. Hans, F. Timmermans (Foto: Dillinger)

"Ein Handelskrieg kennt nur Verlierer"

Yvonne Schleinhege / Onlinefassung: Anne Staut   12.03.2018 | 16:56 Uhr

Rund 130 Mitarbeiter, Führungskräfte und Betriebsräte von Dillinger Hütte, Saarstahl und Arcelor Mittal haben sich am Montag zu einer grenzüberschreitenden Stahlkonferenz in Dillingen getroffen. Dabei ging es insbesondere um die Zukunft der Stahlindustrie in Europa. Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermanns zeigte sich optimistisch und warnte zugleich vor einem Handelskrieg.

Hinter verschlossenen Türen diskutierte Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermanns mit Beschäftigten der Stahlindustrie. Vor den Mikrofonen der Presse war seine Botschaft danach eindeutig. "Ich bin für die europäische Stahlindustrie eher optimistisch. Wir sind wettbewerbsbereit, wir können auch mitmischen, wir sind auch bei den Investitionen ganz gut dran, auch bei den Innovationen ganz gut dran", sagte der Vize-Präsident der Europäischen Kommission gegenüber der Presse.

EU-Kommission setzt auf Dialog

Europäische Stahlindustrie fürchtet weniger die US-Zölle als deren die Folgen
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 12.03.2018, Länge: 02:52 Min.]
Europäische Stahlindustrie fürchtet weniger die US-Zölle als deren die Folgen

Die EU-Kommission werde sich deshalb auch für die Stahlindustrie in Europa einsetzen. Daran wollte der Kommissionsvize keinen Zweifel lassen. Er bekräftigte die Haltung der Kommission, sich gegen die Importzölle von US-Präsident Trump zu wehren: "Seine Rhetorik ist seine Rhetorik, wir bleiben ruhig in Europa. Wir sind uns einig als Europäer, Kommission und Mitgliedsstaaten. Wir stehen ein für den freien Handel, das ist das beste. Ein Handelskrieg kennt nur Verlierer. Das kann keiner gewinnen, dann werden alle verlieren. Ich hoffe, es kommt ein Tag, dass der Herr Trump das auch einsieht."

Hans will Handelskrieg vermeiden

Video [aktueller bericht am Sonntag, 12.03.2018, Länge: 3:28 Min.]
Stahlkonferenz in Völklingen

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans sagte am Rande der Stahlkonferenz, Ziel müssten faire Wettbewerbsbedingungen sein. Er werde bei der anstehenden Ministerpräsidentenkonferenz gemeinsam mit den Regierungschefs der anderen Stahlländer (Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen) eine Erklärung dazu abgeben. Weiter sagte Hans: "Es geht jetzt darum für fairen und freien Handel einzutreten. Und es ist im Ende glaube ich auch nicht im Interesse der Abnehmer in Nordamerika, wenn sich diese Zölle Trumps durchsetzen sollten. Ich glaube am Ende leiden alle unter einem Handelskrieg, der dann entstehen könnte und das gilt es zu verhindern."

Die EU-Kommission setzt weiterhin auf Dialog. Als enger Verbündeter der USA soll Europa von den angekündigten Zöllen ausgenommen werden. Doch dass die Geduld der Kommission dabei endlich ist, auch das betonte Frans Timmermanns, eine Politik des Nachgebens, das werde bei US-Präsident Trump wohl nicht zielführend sein. Die Welthandelsorganisation lasse es zu, dass Gegenmaßnahmen genommen werden. Dazu gehörten Maßnahmen gegen die Amerikaner, aber auch Maßnahmen um Europa vor Parallelimporten zu schützen, wenn es soweit kommen würde.

Gefahr durch Folgen der Importzölle

Stahlproduzenten unter Druck
Audio [SR 2, Karin Mayer, 13.03.2018, Länge: 02:21 Min.]
Stahlproduzenten unter Druck

Die Liste für mögliche Gegenmaßnahmen, Zölle etwa auf Whiskey, Jeans und Erdnussbutter, hat die Kommission schon vorgelegt. Aber vor allem der zweite Punkt hat die Stahlmanager im Saarland aufhorchen lassen. Denn die Gefahr geht aus Sicht der Branche nicht unbedingt von den Importzöllen direkt aus, sondern den möglichen Folgen: einer Flut von Billigstahl aus Fernost in Europa.

Hier müsse die EU im Zweifelsfall schnell handlungsfähig sein, betonte Fred Metzken, Vorstandssprecher von Dillinger Hütte und Saarstahl.  "Wir wissen, dass wir heute 13 Millionen Tonnen Stahlimporte in die USA haben, die werden andere Märkte suchen und mit der Situation müssen wir dann kämpfen und umgehen", so Metzken. Deshalb sei es wichtig, dass die Handelsinstrumente, die zur Verfügung stehen, falls es keine Einigung gibt, Wirkungen entfalteten. Dafür gebe es genügend Maßnahmen. Die WTO habe auch einen Instrumentenkasten, die Safeguards, dort sei genau beschrieben, was wann zu tun sei, man müsse sie nur scharf schalten.

Anti-Dumping-Zölle etwa auf chinesischen Stahl, das könnte ein mögliches Instrument sein, das die EU in der Vergangenheit schon häufiger genutzt hat. Mit einem Versprechen verabschiedete sich Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermanns schließlich aus dem Saarland: Wir bleiben im Dialog, die EU wird die Stahlindustrie stärken.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 12.03.2018 und vom 13.03.2018 berichtet.

Artikel mit anderen teilen