Erzieherin beim Vorlesen im Kindergarten (Foto: dpa)

Neue Erzieherausbildung im Saarland

Kai Forst   12.02.2019 | 15:34 Uhr

Die Erzieherausbildung im Saarland soll attraktiver werden. In einem Modellprojekt bietet die Landesregierung ab August für die nächsten beiden Ausbildungsjahrgänge je 52 vergütete Ausbildungsplätze an. Finanziert wird das Projekt mit Bundesmitteln in Höhe von 2,7 Millionen Euro.

Immer längere Betreuungszeiten, immer mehr Aufgaben, doch es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal: Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen sind überlastet. Eines der großen Probleme: Die Erzieherausbildung ist unattraktiv für junge Menschen. Denn in der langjährigen Ausbildung an den Fachholschulen verdient man in den ersten Jahren nichts. Einer Studie des Bundesfamilienministeriums zufolge fehlen in Deutschland bis zum Jahr 2030 fast 200.000 Erzieher.

Träger müssen sich bewerben

Mit einem Modellprojekt will die saarländische Landesregierung nun einen neuen Weg einschlagen und Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, bei denen die angehenden Erzieher vom ersten Tag an auch etwas verdienen. „Konkret planen wir im Saarland ab dem 01.08.2019 und dem 01.08.2020 die Förderung von zwei Mal 52 zusätzlichen Ausbildungsplätzen im Rahmen einer vergüteten und praxisintegrierten Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern an Fachschulen für Sozialpädagogik“, teilte das saarländische Bildungsministerium auf Anfrage von SR.de mit. Zudem werde geprüft, ob die Förderung von je weiteren 41 Plätzen möglich sei.

Vergütung vom ersten Jahr an

Im Detail soll die dreijährige Ausbildung an drei Tagen pro Woche in der Schule und an zwei Tagen pro Woche in einer Kinderbetreuungseinrichtung stattfinden. Die Vergütung dieser dualisierten Form der Fachschulausbildung soll sich laut Bildungsministerium am „Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes - Besonderer Teil – Pflege“ orientieren. Das bedeutet: Im ersten Jahr verdienen die Auszubildenden bereits 1140 Euro, im zweiten 1200 Euro und im dritten 1300 Euro.

Die große Mehrheit der angehenden Erzieher wird ihre Ausbildung allerdings weiterhin auf dem bisherigen Weg bestreiten müssen - also ohne Vergütung. Denn den vergüteten 52 Ausbildungsplätzen stehen im Saarland insgesamt rund 1300 Azubis pro Jahr gegenüber.

2,7 Millionen vom Bund

Wo gehen die Millionen aus dem "Gute-KiTa-Gesetz" hin?
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 12.02.2019, Länge: 02:54 Min.]
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Finanziert wird das Projekt aus dem Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher“. 2,7 Millionen Euro erhält das Saarland dafür vom Bund. Träger beziehungsweise Kindertageseinrichtungen, die sich für diese Art der Ausbildung und die damit zusammenhängende Förderung interessieren, müssen sich bewerben.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft begrüßt das Modellprojekt und spricht von einem „Schritt in die richtige Richtung“. Es sei wichtig, den Einstieg in die Ausbildung zu erleichtern, „damit der Wunsch, Erzieherin oder Erzieher zu werden, nicht an finanziellen Hemmnissen wie einer Ausbildungsvergütung scheitert“, sagte die Gewerkschaftssekretärin Christel Pohl.

GEW: "Auch Arbeitsbedingungen verbessern"

Gleichzeitig mahnt die Gewerkschaft, dass die Qualitätsstandards in einer dreijährigen Ausbildung erhalten werden müssten. Zudem sei es auch wichtig, die bereits vorhandenen Fachkräfte in ihrem Beruf zu binden. „Laut einer Studie verlässt rund ein Viertel der Fachkräfte in der frühen Bildung den Bereich nach fünf Jahren wieder“, so Pohl. Die Gründe seien eine schlechte Bezahlung, hohe Be- und Überlastung sowie geringe Karrierechancen. Daher sei es wichtig, neben der Ausbildung auch die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Sollte das Modellprojekt erfolgreich sein, will die Landesregierung sich dafür einsetzen, diese Form der Ausbildung weiterhin anbieten zu können - auch für den Fall, dass es keine Anschlussförderung durch den Bund geben wird.


Video [aktueller bericht, 12.02.2019, Länge: 3:41 Min.]
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