Eine Frau arbeitet auf einer Tastatur mit Handschuhen. (Foto: picture-alliance / Lehtikuva | Marja Airio)

Homeoffice, damit der Arbeitgeber Energie spart?

Kai Forst   27.09.2022 | 06:18 Uhr

Seit der Corona-Pandemie hat sich Homeoffice in Deutschland etabliert. Mit Blick auf die aktuelle Energiekrise steht das Arbeiten von zu Hause nun erneut im Fokus, denn Arbeitgeber wollen dadurch Energie sparen. Doch ist das rechtlich ohne weiteres möglich? Ein Saarbrücker Arbeitsrechtler klärt auf.

Bereits im Hochsommer war Energie sparen aufgrund der aktuellen Krise in aller Munde – doch bei Temperaturen jenseits der 30 Grad noch oft theoretischer Natur. Mit dem Einzug der kalten Jahreszeit und dem Start der Heizperiode ist das Thema nun für alle greifbar.

Dadurch gerät Homeoffice, das sich bereits während Corona in Deutschland etabliert hat, verstärkt in den Fokus. Allerdings nicht mehr nur mit der Motivation, das Infektionsgeschehen einzudämmen, sondern vor allem damit die Arbeitgeber Energie sparen können.

Wie ist die Rechtssituation?

Auch einige Kommunen im Saarland – darunter Bous und Sulzbach – hatten bereits angekündigt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung im Herbst und Winter verstärkt ins Homeoffice zu schicken. Doch wie ist die rechtliche Situation? Schließlich spart zwar der Arbeitgeber Energie und Geld, für die Arbeitnehmer kann das mit Blick auf die stark angestiegenen Energiepreise aber sehr teuer werden.

Homeoffice nur im Einvernehmen möglich

Der Saarbrücker Arbeitsrechtler Marwin Roth betonte im SR-Gespräch, dass Homeoffice generell nur in beidseitigem Einverständnis möglich sei. „Das heißt, wenn der Arbeitgeber gerne Homeoffice verordnen will, um Energie zu sparen, geht das nur mit dem Einverständnis der Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber kann Homeoffice nicht auf eigene Faust durchsetzen, es ist auch arbeitsrechtlich nicht erzwingbar“, erklärte Roth.

Das gelte auch umgekehrt, wenn ein Arbeitnehmer verstärkt oder ganz von zu Hause arbeiten will. „Auch damit muss der Arbeitgeber einverstanden sein oder es muss im Arbeitsvertrag geregelt sein.“

Zudem sei eine permanente Homeoffice-Tätigkeit mit recht hohen Auflagen verbunden. Die Schreibtischhöhe müsse ebenso stimmen wie ein passender Stuhl oder ein korrekt eingestellter Bildschirm. Das müsse vom Arbeitgeber gewährleistet sein, so Roth weiter.

Wer zahlt für die Energie im Homeoffice?

Doch selbst, wenn sich beide Seiten auf eine verstärkte Homeoffice-Tätigkeit einigen, bleibt die Frage: Wer zahlt eigentlich die Mehrenergie, die beim Arbeiten zu Hause verbraucht wird und den Aufpreis, der insbesondere durch die enorm gestiegenen Energiekosten auf die Verbraucher zukommt? Derzeit können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch fünf Euro pro Arbeitstag steuerlich geltend machen – allerdings begrenzt auf 120 Tage im Jahr. „Die 600 Euro sind in jedem Fall nicht ausreichend“, so Arbeitsrechtler Roth.

Jüngst wurde dieser Satz von maximal 600 Euro verteilt auf 120 Tage von der Bundesregierung auf 200 Tage und 1000 Euro angehoben. Greifen soll die Änderung ab Januar 2023.  Allerdings: Die Pauschale zählt zu den Werbungskosten, für die allen Steuerzahlern ohnehin 1200 Euro angerechnet werden. Nur wer mit Homeoffice-Pauschale und anderen Ausgaben über diesen Betrag kommt, profitiert.

DGB fordert 1500 Euro Pauschale

Dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) reicht die Anhebung allerdings nicht aus. Er fordert, die Homeoffice-Pauschale auf 1500 Euro zu erhöhen. Ohnehin sieht DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel die Idee skeptisch, dass Unternehmen Energie sparen, indem Beschäftigte, die Energie zu Hause verbrauchen.

„Homeoffice zu nutzen, um Kosten für Arbeit – dazu gehört das Heizen der Arbeitsstätten – auf die Beschäftigten zu verlagern, ist ein No-Go“, sagte Piel unlängst. „Wer wirklich Energie sparen will, kann Potenziale energetischer Sanierung für Arbeitsstätten ausschöpfen und bei der Arbeitsorganisation nachsteuern“.

Wie ist der Zustand der Gebäude?

Ein Punkt, den auch der Arbeitsrechtler Marwin Roth anbringt. Denn es stelle sich die Frage, inwieweit der Arbeitgeber überhaupt die Möglichkeit hat, Energie einzusparen. „Gerade bei öffentlichen, älteren Gebäuden muss man hinterfragen, ob überhaupt die baulichen Voraussetzungen gegeben sind, um Energie einzusparen.“

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