Ford-Mitarbeiter demonstrieren auf der Straße (Foto: IMAGO / BeckerBredel)

Tausende Ford-Mitarbeiter demonstrierten in Saarlouis

  22.06.2022 | 18:40 Uhr

In Saarlouis haben am Mittwochnachmittag rund 2500 Menschen gegen die Entscheidung des Ford-Konzerns, seine neuen Elektro-Modelle in Valencia zu bauen, demonstriert. Die Demonstranten zogen von den Werkstoren zur B51 und zum Saarlouiser Röderberg.

In Saarlouis herrscht nach der Entscheidung für das spanische Ford-Werk in Valencia Sprachlosigkeit. Es gibt viele offene Fragen, die beteiligten Gewerkschaftsmitglieder kritisieren das Ford-Management scharf. Es habe keinen fairen Prozess gegeben.

Die Ford-Angestellten hatten viele Zugeständnisse gemacht, um die Zukunft des Standorts zu sichern. Nun herrschen Trauer, Wut und Frustration. Am Mittwoch demonstrierten deswegen rund 2500 der Saarlouiser Ford-Mitarbeiter - und auch Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) war mit dabei.

Harte Worte der Kritik gab es auch seitens Lars Desgranges von der IG Metall Völklingen: "Es gab hier nie einen fairen Bieterprozess zwischen den beiden Standorten. Es war von Anfang an ein abgekartetes Spiel." Die Annahmen seien immer wieder so verändert worden, dass es am Ende nur Valencia werden konnte. Die IG-Metall werde nun die Situation öffentlich machen.

Zugeständnisse in Valencia

Zwei Dinge habe Ford mit dem Bieterprozess vermutlich erreichen wollen: Zum einen darzulegen, dass es einen enorm hohen Abstand zwischen den Kosten in Saarlouis und in Valencia gibt. Das sei Ford jedoch nicht gelungen - aufgrund des hervorragenden Angebots des Werks in Saarlouis. Zum anderen um die Kollegen in Valenica "zu drücken". Diese hätten enorme Zugeständnisse gemacht, die der Konzern gerne mitnehme, so Desgranges.

"Und deswegen ist das, was Ford hier gemacht hat, einfach nur bieder, an Dreistigkeit nicht zu überbieten und hat in einem demokratischen Rechtsstaat und in einer sozialen Marktwirtschaft nichts zu suchen", so Desgranges.

Demonstration verlief friedlich

Die A8 Pirmasens - Saarlouis in Höhe Dillingen war wegen der Demonstration in beiden Richtungen rund um die Ford-Werke gesperrt. Aus demselben Grund war auch die Henry-Ford-Straße zwischen Dillingen und Roden gesperrt.

Laut Polizei kam es jedoch nicht zu gravierenden Verkehrsbehinderungen. Der Demonstrationszug endete mit einer Abschlusskundgebung an der Anschlussstelle Dillingen. Diese war nach Polizeiangaben gegen 17.00 Uhr beendet. Im Anschluss fand die Pressekonferenz der IG Metall im Victors Residenz Hotel in Saarlouis statt.

Sondersitzung des saarländischen Landtags

Am Donnerstagnachmittag will der saarländische Landtag wegen der Ford-Entscheidung zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Die Sitzung soll um 13.00 Uhr beginnen - der SR überträgt die Debatte live im SR Fernsehen und auf SR.de.

Die saarländische Ministerpräsidentin Rehlinger hat die Entscheidung des Ford-Managements gegen den Standort Saarlouis scharf kritisiert. Die SPD-Politikerin sagte, Ford habe sich für das wirtschaftlich schlechtere Angebot entschieden. Der US-Autobauer hatte am Dienstag mitgeteilt, seine neuen Elektroautos im spanischen Valencia und nicht in Saarlouis zu produzieren. Trotz der Absage sieht Rehlinger eine Zukunft für den saarländischen Standort.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 22.06.2022 berichtet.

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