Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Meiste Kommunen im Saarland unter 50er Inzidenz

Thomas Braun   31.05.2021 | 16:39 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen hat sich im Wochenvergleich mehr als halbiert. Die meisten Kommunen liegen mittlerweile unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50. Modellrechnungen zeigen, dass sich der Abwärtstrend selbst bei vorsichtigen Lockerungen weiter fortsetzen dürfte.

In der vergangenen Woche meldeten die saarländischen Gesundheitsbehörden 343 neue Coronafälle und damit gut die Hälfte weniger als noch eine Woche zuvor. Es ist der niedrigste Wochenwert seit Anfang Oktober. Zwar ist die Entwicklung gerade zum Wochenbeginn durch den Feiertag an Pfingstmontag etwas verzerrt - der Abwärtstrend setzte sich allerdings die ganze Woche fort.

Corona-Check: Infektionszahlen nehmen weiter ab
Video [SR.de, (c) SR, 31.05.2021, Länge: 01:05 Min.]
Corona-Check: Infektionszahlen nehmen weiter ab

Nach Berechnungen der Forschergruppe um den Saarbrücker Professor für klinische Pharmazie, Thorsten Lehr, liegt der R-Wert im Saarland derzeit deutlich unter eins. Gleich mehrere Faktoren haben aus Sicht von Lehr zu der aktuellen Entwicklung beitragen. Zum einen habe es sehr strenge Maßnahmen gegeben - bis hin zur Ausgangsbeschränkung. Aber auch die fortschreitenden Impfungen hätten einen immer größeren Effekt. Und schließlich hätten auch das bessere Wetter und möglicherweise auch die Pfingstferien einen Teil dazu beigetragen.

Rückgang in allen Altersgruppen

Die Fallzahlen sanken in der vergangenen Woche quer über alle Altersgruppen - am deutlichsten bei den Kindern und Jugendlichen. Deren Anteil an allen Neuinfektionen ging im Vergleich zur Vorwoche auch wieder spürbar zurück von über 30 auf 24 Prozent.

Drei Viertel der Kommunen unter 50

In drei Viertel der saarländischen Städte und Gemeinden lag die Sieben-Tage-Inzidenz Ende der vergangenen Woche unter 50. In gleich fünf Kommunen gab es gar keine neuen Coronafälle binnen Wochenfrist.

Eine Inzidenz über 100 verzeichneten nur noch Ensdorf, Bous und Gersheim. Diese drei Gemeinden gehören mit ihren jeweils 6000 bis 7000 Einwohnern aber zu den kleinsten Kommunen im Saarland - entsprechend verzerrt der jeweils auf 100.000 Personen hochgerechnete Inzidenzwert das tatsächliche Infektionsgeschehen dort stark. In Gersheim gab es beispielsweise nur sieben neue Fälle, in Bous waren es zehn und in Ensdorf 17 - überwiegend Ansteckungen im Familienkreis.

Testzahl und Positivrate deutlich gesunken

Spürbar gesunken ist in der vergangenen Woche auch der Anteil der positiven Tests an allen durchgeführten PCR-Tests. Im größten saarländischen Labor, Bioscientia in St. Ingbert, lag die Positivrate bei nur noch 5,71 Prozent und damit so niedrig wir zuletzt Mitte März.

Ebenfalls deutlich gesunken ist die Zahl der durchgeführten PCR-Tests. Dies hängt aber sehr wahrscheinlich mit dem insgesamt niedrigeren Infektionsgeschehen zusammen. Denn anders als bei den flächendeckend eingesetzten Schnelltests wird ein PCR-Test nur anlassbezogen durchgeführt - etwa bei Krankheitssymptomen oder bei Kontaktpersonen von bestätigten Coronafällen. Gibt es aber insgesamt weniger Fälle, dann sinkt auch die Zahl der Kontaktpersonen. Diese Entwicklung war beispielsweise in der vergangenen Woche im Regionalverband zu beobachten, wie ein Sprecher bestätigte.

Zwischen 60 und 80 Prozent mehr Kontakte möglich

Professor Thorsten Lehr rechnet damit, dass sich der Abwärtstrend weiter fortsetzt - warnt aber gleichzeitig davor, nun zu viele Beschränkungen auf einmal zu lockern. "Wir haben das mit unseren Modellen mal durchsimuliert. Und wir sehen, dass wir uns zwischen 60 und 80 Prozent mehr Kontakte erlauben können, ohne dass wir einen massiven Anstieg der Fallzahlen erwarten dürfen", so Lehr.

Allerdings sind mit dem Start der neuen Woche einige Beschränkungen weggefallen: Die Schulen sind wieder komplett im Präsenzunterricht, die Innengastronomie darf unter Auflagen öffnen und touristische Übernachtungen sind erlaubt. Weitere Lockerungen - etwa, dass man auch ohne negativen Coronatest shoppen gehen kann - sind im Gespräch. "Bei der Vielzahl der Lockerungen, die wir gerade planen, müssen wir genau überwachen, welchen Einfluss sie denn haben", sagt Lehr.

Lehr: Rückgang der Zahlen wird sich wohl abschwächen

Er geht davon aus, dass die Zahlen nicht mehr ganz so rapide absinken - zum einen wegen der Lockerungen, aber auch wegen des psychologischen Effektes in der Bevölkerung. Die niedrigen Zahlen könnten die Menschen dazu verleiten, sich nicht mehr so streng an die Regeln zu halten. "Hier müssen wir noch ein bisschen aufpassen", sagt Lehr. "Ganz über den Berg sind wir noch nicht, aber wir sind gerade auf einem sehr guten Weg dahin."

Über dieses Thema berichtete auch die Region am Nachmittag auf SR 3 Saarlandwelle vom 31.05.2021.

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