Illustration: Cyberkriminalität (Foto: dpa)

Deutschland im Visier von Hackern

Florian Mayer / Onlinefassung: Kasia Hummel   15.05.2018 | 12:41 Uhr

Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Maaßen, warnte am Montag in einem ARD-Interview vor Angriffen aus dem Internet. Ausländische Geheimdienste und andere Cyberkriminelle hätten Deutschland im Visier. Deshalb müsse Deutschland selbst „Zurückhacken“ können – das ist aber gar nicht so leicht.

Die Digitalisierung macht vor nichts Halt, auch vor der Spionage nicht. Das Internet sei von Geheimdiensten längst instrumentalisiert worden, warnte Hans-Georg Maaßen am Montag im Morgenmagazin. Geht es nach ihm gäbe es verschiedene Abwehrmaßnahmen. Deutsche Informationen, die abfließen, sollten „auch von uns nachverfolgt und gelöscht werden können auf einem anderen Server“. Man sollte ausspionieren können, was "unser Gegenüber" mit diesen Daten machen will und welche Ziele verfolgt würden. Es ginge aber auch darum, im Falle eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs, den Gegner so zu schädigen, dass dieser Sabotage-Angriff nicht erfolgreich sei.   

"Hackback" extrem zeitaufwendig

Der Cyberraum als Gefahrenraum
Audio [SR 2, (c) SR - Florian Mayer, 15.05.2018, Länge: 02:04 Min.]
Der Cyberraum als Gefahrenraum

Das was Maaßen „Hackback“ nennt, ist aber gar nicht so leicht. Überhaupt erstmal zurückzuverfolgen, woher ein Angriff genau stammt, ist extrem zeitaufwendig und arbeitsintensiv – und das Ergebnis ist nicht immer zuverlässig. "Was wir relativ einfach sehen, ist der Endpunkt, an welchen Server Daten gesendet werden", erklärt Christian Rossow, Professor für Netzwerk-Sicherheit am CISPA-Helmholtz Zentrum in Saarbrücken. Man müsse sich aber bewusst sein, dass das auch nur der nächste Hopp im Internet sei. "Es heißt nicht unbedingt, wenn jetzt ein Server im Land A steht, dass auch Land A der Angreifer ist. Das ist ein Trugschluss."

Erst extrem aufwendige und minutiöse, forensische Analysen können exaktere Ergebnisse liefern. An solchen und auch neuen Methoden arbeiten Rossow und seine Kollegen am CISPA Helmholtz-Zentrum. Grundsätzlich geht es darum. Schwachstellen bei der IT-Sicherheit zu schließen.

Schwachstelle Mensch

Saarbrücker Forscher im Kampf gegen Hacker
Audio [SR 2, (c) SR - Florian Mayer, 15.05.2018, Länge: 02:58 Min.]
Saarbrücker Forscher im Kampf gegen Hacker

Eine Schwachstelle wird allerdings nie richtig zu schließen sein: der Mensch. Gehen wir fahrlässig mit wichtigen Informationen oder Daten um, kann auch die stärkste und beste Firewall nicht mehr helfen. Der Schutz vor Datendieben muss deshalb fester Bestandteil im Arbeitsalltag werden. Simpel erscheinende Maßnahmen können bereits eine große Wirkung haben: Verdächtige Mailanhänge nicht öffnen, sensible Daten nicht unverschlüsselt versenden, Bürotüren abschließen und den eigenen Rechner mit einem Passwort sperren, auch wenn man nur kurz zum Kaffeeautomaten geht.

Aber auch dann bleibt die absolute Sicherheit vor Hackern und ihren Angriffen nur ein frommer Wunsch: „Wir können natürlich versuchen, die Schwelle für den Angriff so schwer wie möglich zu machen“, erklärt Rossow. Die volle Garantie werde es aber nie geben.

Über dieses Thema wurde auch in SR 2 Der Morgen vom 15.05.2018 berichtet.

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