Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Ein Viertel weniger neue Coronafälle im Saarland

Melina Miller   14.09.2021 | 15:32 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Saarland ist erstmals seit längerer Zeit in der vergangenen Woche wieder gesunken. Prof. Sören Becker führt das unter anderem darauf zurück, dass die Saarländerinnen und Saarländer nach Ende der Ferienzeit weniger unterwegs sind. Mit einer dauerhaften Trendwende rechnet er aber nicht.

Insgesamt 712 Neuinfektionen sind in der vergangenen Woche im Saarland gemeldet worden. Das sind knapp 26 Prozent weniger als in der Vorwoche, wie eine SR-Datenauswertung zeigt. Erstmals seit Wochen ist diese Zahl damit wieder gesunken. Prof. Sören Becker, Leiter des Landeskompetenzzentrums für Infektionsepidemiologie im Saarland, begründet das unter anderem mit dem Ende der Urlaubszeit.

Corona-Check: Die Zahl der neuen Coronafälle ist um ein Viertel gesunken
Video [SR.de, (c) SR, 14.09.2021, Länge: 01:11 Min.]
Corona-Check: Die Zahl der neuen Coronafälle ist um ein Viertel gesunken

Rückkehr zur Normalität

"Wir sehen jetzt zum Ende des Sommers eine gewisse Rückkehr zur Normalität und damit auch einen Rückgang der Mobilität. Die Menschen machen weniger Ausflüge und internationale Reisen", erklärt er. Das zeige sich auch am Anteil der Reiserückkehrer an den Gesamtinfektionen: "Die Reiserückkehrer spielen aktuell keine größere Rolle mehr. Es gibt nur noch vereinzelt Infektionscluster, die darauf zurückzuführen sind. Stattdessen sehen wir eher lokal begrenzte Fälle."

Eines dieser Cluster zeigt sich momentan in der Gemeinde Schmelz. Dort liegt die Inzidenz aktuell bei rund 174. Die Neuinfektionen seien vor allem bei Reiserückkehrern zu finden, teilte eine Sprecherin der Gemeinde mit. Bei der geringen Einwohnerzahl des Ortes wirken sich bereits wenige Fälle relativ stark auf die Inzidenz aus - genau wie vor zwei Wochen, als Schmelz ebenfalls die saarlandweit höchste Inzidenz hatte.

Anders als in der Vorwoche gibt es aktuell keine Gemeinde mehr über einer Inzidenz von 200. In rund 88 Prozent der Kommunen liegt der Wert unter der 100er-Marke.

Blick auf die Altersverteilung

Ein Blick auf die verschiedenen Altersgruppen zeigt, dass die Fallzahlen in nahezu allen Gruppen im Vergleich zur Vorwoche grob zwischen 20 und 40 Prozent gesunken sind. Eine Ausnahme bilden die 60- bis 69-Jährigen: Hier gab es eine leichte Zunahme um zwei Fälle, die sich allerdings mit normalen Schwankungen aufgrund der insgesamt geringen Fallzahl erklären lässt.

Außerdem sanken die Zahlen bei den 0- bis 9-Jährigen schwächer als im Durchschnitt. Das habe unter anderem damit zu tun, dass in dieser Altersklasse Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln nicht immer eingehalten würden, erklärt Sören Becker.

Netzwerke durch Impfung unterbrochen

Einen wichtigen Beitrag dazu, dass diese Infektionen aktuell nicht so stark weitergetragen würden, leiste die Corona-Schutzimpfung.

"Wir sehen, dass Übertragungen durch die Impfung frühzeitig gestoppt werden konnten und sich nicht weiter in anderen Netzwerken ausbreiten konnten." Sören Becker

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass auch Geimpfte das Virus weitergeben, nicht bei Null liege, sei sie dennoch um einiges geringer als bei Ungeimpften. Das bewirke, dass das Virus sich weniger häufig zwischen verschiedenen Gruppierungen, etwa mehreren Familien oder über den Arbeitsplatz, verbreite.

Wieder mehr Patienten in Krankenhäusern

Ein weiterer Impfeffekt zeigt sich auch an der aktuellen Lage in den saarländischen Krankenhäusern. Zwar werden wieder mehr Menschen wegen einer Corona-Erkrankung stationär behandelt, von der Höchstauslastung sei man aber noch weit entfernt.

"Der weitaus größte Teil der Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern ist nicht oder nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft, sodass wir auch hier sehen, dass die Impfung der beste Schutz vor einem stationären Aufenthalt ist."

Wie sich die zuletzt gesunkenen Neuinfektionen auf die Lage in den Krankenhäusern auswirken, ist laut Becker momentan noch nicht abzusehen: "Die Krankenhauszahlen hinken den Fallzahlen immer hinterher."

Becker: "Zahlen werden nicht dauerhaft sinken"

Insgesamt rechnet Becker allerdings trotz der positiven Entwicklung der Fallzahlen in der vergangenen Woche nicht mit einer grundsätzlichen Trendwende im Saarland. Gerade in Richtung Herbst sei wieder mit mehr Infektionen zu rechnen, wenn kälteres Wetter das Ansteckungsrisiko erhöhe. Darauf hatte zuletzt auch der Saarbrücker Forscher Thorsten Lehr aufmerksam gemacht.

Außerdem müsse man beobachten, wie sich das Ende der kostenlosen Schnelltests ab dem 11. Oktober auswirke. Becker rechnet damit, dass dann weniger asymptomatische Infektionen entdeckt werden, weil sich weniger Menschen testen lassen. Wie sich das auf die Fallzahlen niederschlage, müsse man abwarten.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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