Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion aus der Luft ist innen bereits fertig, außen herum ist eine Baustelle (Foto: Alexander M. Groß/SR)

Firma Peter Gross wirft Stadt Falschinformationen vor

mit Informationen von Thomas Gerber   26.10.2020 | 12:57 Uhr

Im Streit um den Bau des Saarbrücker Ludwigsparkstadions hat die Baufirma Peter Gross der Stadt gezielte Falschinformation vorgeworfen. Anlass ist eine Pressemitteilung von Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) im Anschluss an eine Sondersitzung des Aufsichtsrats der städtischen Wirtschaftsförderung GIU. Darin hatte GIU-Chef Martin Welker Gross vorgeworfen, zwei Millionen Euro mehr abgerechnet zu haben als beauftragt gewesen sei.

Lupa-Streit
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 26.10.2020, Länge: 01:10 Min.]
Lupa-Streit

Auf der vierseitigen Pressemitteilung hatte Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) am Wochenende nicht nur das hohe Lied auf den ausgezeichneten und unermüdlichen Baustellenmanager Martin Welker gesungen, die Pressemitteilung war vielmehr auch eine Abrechnung mit der Arbeit der Firma Peter Gross. Besonders gravierend war Welkers These, dass Gross zwei Millionen Euro mehr abgerechnet habe als beauftragt gewesen sei. Diesen nahezu unverhohlenen Betrugsvorwurf weist Firmenchef Philipp Gross aufs Heftigste zurück und schließt eine Strafanzeige nicht aus. Die von Welker angeführten "gravierenden Baumängel" seien allenfalls Peanuts. Es gebe keine Probleme mit der Betonqualität, sondern lediglich "Verfärbungen", die mit etwas "Betonkosmetik" behoben werden könnten.

Sorgenkind Rasen

Ob es sich bei alledem um übliche Differenzen bei einer Großbaustelle handelt, oder ob wie von Welker unterstellt getrickst und getäuscht wurde, das kann letztlich wohl nur die Staatsanwaltschaft klären. Dass im eiligst fertiggestellten Ludwigspark erheblicher Nachbesserungsbedarf besteht, wurde am Sonntag allerdings deutlich. Auf schwammigem Untergrund geriet das Spitzenspiel gegen Verl zur Rutschpartie. Auch mit dem Rasenbauer Kempf ist die Stadt bekanntlich im Clinch.

FDP und SPD verwundert

Die Pressemitteilung von Saarbrückens Oberbürgermeister hat auch die Jamaikakoalition aus CDU, FDP und Grünen im Saarbrücker Stadtrat ins Schlingern gebracht. So sieht FDP-Fraktionschef Helmut Isringhaus keineswegs sämtliche Zweifel an Welker ausgeräumt und ist vorerst nicht bereit, Conradts Wunschkandidaten nächste Woche zum Baudezernenten zu wählen.

Höchst verwundert zeigen sich auch die Mitglieder der SPD im Aufsichtsrat der städtischen GIU über die Pressemitteilung des Oberbürgermeisters. Das Pressestatement gebe die "persönliche, bekanntermaßen sehr wohlwollende Auffassung" von Conradt als Aufsichtsratsvorsitzendem wieder, und sei in keinster Weise mit den Aufsichtsratsmitgliedern abgestimmt gewesen, so Susanne Commerçon-Mohr. Es sei richtig, dass der Aufsichtsrat auf Grundlage von Welkers Bericht zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Anlass für eine Rüge oder die Feststellung einzelner Pflichtverstöße gesehen hat. Eine Gesamtbewertung sei aber erst nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen möglich.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 26.10.2020 berichtet.

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