Mikrofon auf der Bühne (Foto: IMAGO / Seeliger)

"Besser so als gar keine Kultur"

Evelyn Rosar   04.12.2021 | 08:54 Uhr

Die Auswirkungen der Coronapandemie treffen die Kulturbranche ohnehin schon besonders hart. Die Einführung von 2G-Plus in dieser Woche stellt die Szene nun erneut vor große Herausforderungen. Der SR hat sich in der Kulturszene umgehört, wie die aktuellen Entwicklungen aufgenommen werden.

Am Saarländischen Staatstheater rechnet man bereits jetzt mit einem Zuschauerrückgang. Bekannte Stücke wie der „Nussknacker“ würden sicher weiterhin recht gut laufen, bei unbekannteren Stücken werde man die Auswirkungen aber sicher zu spüren bekommen, meint Monika Liegmann, die Pressesprecherin des Staatstheaters. „Die kompletten Auswirkungen von 2G-Plus können wir allerdings noch nicht abschätzen“, sagt sie.

Doch selbst wenn es in den Vorstellungen nur eine geringe Auslastung gebe, die diese nicht rentabel machen, könnte das Haus nicht einfach schließen. Als Staatstheater ist die Kulturstätte stets an die aktuelle Coronaregelung der Landesregierung gebunden. Gilt 2G-Plus, wird 2G-Plus umgesetzt.

Viele Stornierungen

Anders ist das beim freien „Theater im Viertel“ in Saarbrücken. Auch sie stellen einen Zuschauerrückgang fest. Reservierungen werden zögerlicher, seit der Einführung der neuen Maßnahmen werden Karten storniert. Besonders für ältere Menschen sei der Testaufwand zu groß, sagt Jutta Roth, die erste Vorsitzende des Theaters. Die Bereitschaft sei da, der zeitliche Rahmen und die Fahrt zu einem Testzentrum aber ein Hindernis, so lauten viele Rückmeldungen der Theaterbesucher.

Sie könnten die Tür einfach geschlossen halten, aber das machen sie nicht. „Wir überlassen es den Künstlern, ob sie auftreten wollen oder nicht. Wenn sie möchten, dann findet die Veranstaltung auch vor kleinem Publikum statt“, sagt Roth. Selbst wenn nur ein Bruchteil des Raums mit 55 Sitzen belegt sein sollte.

Die Künstler erhalten 70 Prozent der Eintrittsgelder als Honorar. Da die Räumlichkeiten von der Stadt zur Verfügung gestellt werden, fallen für die Veranstalter zumindest diese laufenden Kosten weg. Am Betrieb des Theaters sind viele Ehrenamtliche beteiligt. Würde es sie nicht geben, wäre der Erhalt des Theaters fraglich, meint Roth.

Wenige abgesagte Veranstaltungen in Neunkirchen

Optimistischer in die Zukunft blickt Markus Müller, der Geschäftsführer der Neunkircher Kulturgesellschaft. „Wenn es so bleibt, wie es jetzt ist, bekommen wir das hin“, sagt er. Derzeit haben sie laut eigener Aussagen eine Auslastung von etwa 50 Prozent.

BIs jetzt haben sie noch keine Veranstaltungen in der Neunkircher Gebläsehalle abgesagt. Die Termine, die ausfallen, wurden von den jeweiligen Künstlern selbst gecancelt.

Mehr Zeit für Einlasskontrollen

Statt einer Stunde für den Einlass planen sie nun zwei Stunden ein. Diese Zeit benötige man, um die Impf- und Testzertifikate zu kontrollieren. „Es ist alles arbeitsintensiver, aber logistisch machbar“, sagt Müller. Die Resonanz der Gäste laute oft „besser so und sicher als gar keine Kultur“.

In Kooperation mit der Stadt erarbeiten sie jährlich einen Wirtschaftsplan, der sei dieses Jahr enger gestrickt als sonst. Aber noch laufe alles im Rahmen. Jedoch fügt er hinzu: „Wäre 2G-Plus zwei Wochen eher gekommen, wäre es knapp geworden mit dem Haushalten.“

Freie Künstler haben es schwerer

Freie Künstler wie der Zauberer Kalibo sind auf Erspartes angewiesen. „Noch reichen die Reserven von 2019“, sagt er. Zudem habe er im Sommer auftreten können. Als während der Lockdowns gar nichts mehr ging, habe er unter anderem im Testzentrum ausgeholfen. Das macht er jetzt wieder. Dabei geht es ihm nicht nur ums Geld. Er sagt: „Es ist auch gut, weil einem sonst zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.“

Normalerweise ist er zu dieser Jahreszeit gut gebucht. Auf Weihnachtsfeiern und Weihnachtsmärkten hat er immer gezaubert. Diese Auftritte fallen dieses Jahr weg. Daher blickt er jetzt lieber in seine vielleicht sonnige Zukunft. Ab März, so hofft er, soll er als Zauberer auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten. Bis dahin arrangiert er sich mit den aktuellen Coronabestimmungen. Er sagt: „Lieber 2G-Plus als wieder Lockdown und gar nicht arbeiten dürfen.“

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja