Symbolbild: Illustration von Corona-Viren auf einer Saarlandkarte, Hintergrund: Laborsituation (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

Mehr Corona-Neuinfektionen auch im Saarland

  31.07.2020 | 21:30 Uhr

Bundesweit nehmen die Coronainfektionen wieder zu. Im Saarland steigen die Fallzahlen derzeit ebenfalls an. Die meisten Neuinfektionen gibt es aktuell im Regionalverband Saarbrücken und im Landkreis Merzig-Wadern.

Im Vergleich zum Vortag gab es laut Robert Koch-Institut in Deutschland 870 Neuinfektionen mit dem Coronavirus (Stand 31.07.2020 00:00 Uhr). Nach Angaben des RKI stecken sich die Personen derzeit nahezu überall an – sei es bei Familienfeiern, am Arbeitsplatz oder auch in Altenheimen. Infizierte Reiserückkehrer seien derzeit noch in der Minderheit. Die meisten Menschen hätten sich in Deutschland angesteckt.

Unachtsamkeit mit dem Coronavirus
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 31.07.2020, Länge: 02:02 Min.]
Unachtsamkeit mit dem Coronavirus

Das RKI äußerte sich am Dienstag besorgt. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen, aber es könne sein, schätzte RKI-Präsident Lothar Wieler die Situation ein.

Leichter Anstieg auch im Saarland

Im Saarland ist zurzeit ebenfalls ein leichter Anstieg der Fallzahlen zu erkennen. Das Gesundheitsministerium hat in den vergangenen Wochen wieder mehr Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet.

Nachdem die Infektionszahlen ab dem 11. Juni bei nur noch sechs Neuinfektionen in sieben Tagen lagen, steigen sie seit Anfang Juli wieder an. Zuletzt gab es innerhalb von sieben Tagen 31 Corona-Neuinfektionen – die meisten davon im Regionalverband Saarbrücken (9) und im Landkreis Merzig-Wadern (7).

Familenfeiern spielen keine große Rolle

Insgesamt gab es im Regionalverband seit Anfang Juli 22 bestätigte Erkrankungsfälle. Im Juni waren es hingegen nur acht Fälle gewesen, im April 760. "Die Anzahl an Neuinfektionen ist noch weit weg vom Höhepunkt im April, jedoch durchaus leicht ansteigend", sagte ein Sprecher des Regionalverbandes.

Bei rund der Hälfte der neuen Fälle handele es sich um offizielle Kontaktpersonen bereits bekannter Fälle. Familienfeiern, bei denen sich bundesweit viele Menschen anstecken, spielen im Regionalverband hingegen bislang keine große Rolle beim Infektionsgeschehen.

Allerdings hat hier die Zahl der erkrankten Reiserückkehrer zugenommen (3 Fälle). Weitere drei Fälle stünden mit dem Infektionsgeschehen in Luxemburg im Zusammenhang. Es gebe aber auch immer wieder Patienten, die nicht wüssten, wo sie sich angesteckt haben könnten.

Infektionsketten unterbrochen

Im Landkreis Merzig-Wadern sind die Infektionszahlen nach Angaben des Kreises derzeit auf einem niedrigen Niveau. Seit Juli wurden dort zwölf Neuinfektionen festgestellt, sieben davon in den vergangenen sieben Tagen. Die meisten Fälle konnten laut Landkreis nachverfolgt werden. Ausnahmen seien einzelne Zufallsbefunde im Rahmen von Krankenhausaufnahmen.

Die betroffenen Personen im Landkreis hätten sich während der Arbeit oder im familiären Umfeld angesteckt. Außerdem gab es Fälle unter den Personen, die aus Risikogebieten und Nichtrisikogebieten ins Saarland eingereist seien. Vereinzelt seien auch Fälle registriert worden, die sich in Luxemburg infiziert hätten. Auch hier habe man die Infektionsketten ermittelt und unterbrochen.

Gesundheitsämter für zweite Welle gerüstet?

Angesichts der bundesweit steigenden Zahlen zeigte sich der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) besorgt. Die Gesundheitsämter in Deutschland seien für eine zweite Pandemiewelle viel zu knapp besetzt, erklärte die Vorsitzende des BVÖGD gegenüber den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe.

Ähnlich schätzt auch der Sprecher des Regionalverbands die Situation ein. Insgesamt sei der Öffentliche Gesundheitsdienst für Herausforderungen wie die Bewältigung der Coronapandemie nicht gut genug aufgestellt. Deshalb habe Regionalverbandsdirektor Peter Gillo im Mai einen Fünf-Punkte-Plan zur Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes vorgestellt. Darin forderte er unter anderem, dass Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst wie ihre Kollegen in Krankenhäusern bezahlt werden.

Trotzdem könnte der Regionalverband nach eigener Einschätzung bei einer möglichen zweiten Coronawelle von seinen Erfahrungen aus der ersten Welle profitieren. Die Mitarbeiter seien bereits eingearbeitet. Außerdem könnten Netzwerke und Strukturen schneller abgerufen werden.

Nachverfolgung von Infektionsketten schwieriger

In Merzig-Wadern bereitet sich das Gesundheitsamt laut Landkreis auf eine zweite Welle vor. "Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung werden derzeit neu geschult. Unterstützer aus der ersten Welle erhalten eine Nachschulung", so ein Sprecher des Landkreises.

Generell sei die personelle Besetzung im Gesundheitsamt sehr knapp bemessen. Dadurch könnten bei einer zweiten Welle wie auch bereits bei der ersten nicht alle Aufgaben in der Regelarbeitszeit erfüllt werden. Durch die Lockerungen in allen Bereichen sei es in den letzten Wochen bereits schwieriger geworden, Infektionsketten nachzuverfolgen.

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