Friseurin bei einem Herrenschnitt (Foto: dpa/Carsten Rehder)

Ärger über Billigfriseure ohne Meisterbrief

Thomas Braun mit Informationen von Norman Striegel   10.02.2019 | 09:07 Uhr

Zehn Euro für einen Herrenhaarschnitt: Auch im Saarland gibt es zunehmend Friseurgeschäfte und Barbershops, die sich mit Billigangeboten preislich unterbieten. Alteingesessene Friseure klagen über Wettbewerbsverzerrung - auch, weil offenbar die Meisterpflicht längst nicht überall eingehalten wird.

Sechs Salons betreibt Friseurmeister Werner Lieb im Saarland - bei ihm kostet ein Herrenhaarschnitt beispielsweise in Saarbrücken mindestens 28 Euro. Er bezweifelt, ob bei der Konkurrenz, die die gleiche Leistung für etwas mehr als ein Drittel des Preises anbietet, immer alles korrekt läuft. "Keiner von uns weiß: Wie sind da die Löhne? Werden die Umsätze offiziell angegeben? Und all die ganzen Dinge. Das heißt, werden diese Betriebe einfach korrekt und fair geführt", sagt Lieb.

In der Regel muss in jeder Filiale ein Meister arbeiten, was den Betrieb aufgrund des höheren Lohns natürlich teurer macht. Aber wird das auch überall eingehalten? "Es ist natürlich die entscheidende Frage: Haben sie wirklich einen Meister, der immer vor Ort ist oder ist es ein Papiermeister", sagt Lieb. Auch Meister seines Unternehmens seien schon angefragt worden, einfach ihren Namen für eine Anmeldung herzugeben.

"Regelrechte Betriebsleiterbörsen im Internet"

Dass das offenbar häufiger vorkommt, bestätigt auch die Friseurinnung im Saarland: "Wir haben Kenntnisse erlangt, dass es im Internet auch regelrechte Betriebsleiterbörsen gibt, wo Leute ihren Namen auf dem Papier zur Verfügung stellen", sagt Innungsgeschäftsführer Mirko Karkowsky. "Das ist so nicht zulässig. Ein Betriebsleiter muss mindestens 40 Stunden pro Woche anwesend sein.“ Auch eine Stichprobe bei mehreren Billigfriseuren in Saarbrücken zeigte: In keinem Betrieb war der Meister vor Ort.

Problematisch an der ganzen Sache ist aus Liebs Sicht auch, dass zu wenige Kontrollen stattfänden. Zuständig dafür ist die Handwerkskammer. Die erklärt, dass es zwar durchaus Kontrollen gebe - sie aber zunächst einmal überhaupt die Information bekommen müssten, wenn irgendwo ein neuer Betrieb eröffne. Da seien auch die jeweiligen Ämter vor Ort gefordert. "Und wir müssen uns das Zusammenspiel mit den Ämtern sicher auch noch mal anschauen an dieser Stelle", sagt Arnd Klein-Zirbes, Geschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes.

Preise kritisch hinterfragen

Friseurmeister Lieb sieht aber nicht nur die Behörden in der Pflicht, sondern letztlich auch den Verbraucher. Gerade Dumpingpreisen sollte er etwas kritischer gegenüberstehen - und eben nicht nur den Preis sehen, "sondern auch die Menschen, die da arbeiten."

Preiskampf – Das Geschäft mit dem billigen Haarschnitt
Video [Wir im Saarland - Das Magazin, 07.02.2019, Länge: 05:22 Min.]
Preiskampf – Das Geschäft mit dem billigen Haarschnitt

Über dieses Thema wurde auch in "WimS - Das Magazin" im SR Fernsehen vom 07.02.2019 berichtet.

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