Saarland als Heimat: Tobias Hans, Ministerpräsident

Heimat - mehr als ein Etikett?

SR-Sommerinterview mit Tobias Hans

  10.08.2018 | 07:00 Uhr

Was ist Heimat? Das ist die Frage, die der SR dieses Jahr in seinen crossmedialen Sommerinterviews stellt. Dabei geht es um ganz verschiedene Sichtweisen auf dieses Thema, das derzeit in der öffentlichen Diskussion und in der Politik eine immer stärkere Rolle spielt. Zum Abschluss der Gesprächsreihe hat sich Michael Schneider mit Ministerpräsident Tobias Hans verabredet – nicht in der Staatskanzlei, sondern in Münchwies. Dort ist Hans zu Hause, und dort haben die beiden während eines Sommerspaziergangs über die vielen verschiedenen Facetten des Themas Heimat gesprochen.

International dank Internet

Sommerinterview mit Tobias Hans (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Tobias Hans

Unterwegs mit Tobias Hans auf dem Spitzbubenweg hoch über Münchwies. Es ist idyllisch hier. Der Blick reicht weit über das Saarland, in der Ferne drehen sich Windräder, Pferde weiden am Wegesrand. Tobias Hans ist hier aufgewachsen, hat hier mit der politischen Arbeit begonnen, an der Klinik in Münchwies seinen ersten Job gehabt. Trotzdem glaubt der CDU-Politiker nicht, dass ihm deshalb ein wenig der Blick über den Tellerrand fehlt. Er habe schon als Jugendlicher dafür gesorgt, als einer der ersten im Ort schnelles Internet zu bekommen und darüber viele internationale Kontakte geknüpft. „Regionale Verwurzelung und Internationale Ausrichtung schließen sich nicht aus.“

Heimat darf keine Etikette werden

Heimat ist für Hans wichtig, die Verwurzelung in der Region. Doch ist das ein Gefühl, das auch die Politik sinnvoll als Thema setzen kann? Da ist Hans skeptisch – es sei ein Fehler, zu glauben, dass sich Heimat politisch definieren ließe. Er sei nie ein Freund davon gewesen, dass man „Heimat sozusagen als Etikette, als Türschild über Ministerien“ hänge.

Klingt nach einer Distanzierung von Bundesheimatminister Seehofer. Hans glaubt zwar nicht, dass sich die Bundespolitik gerade von rechten Gruppierungen vor sich hertreiben lasse. Trotzdem sei es wichtig, bei der Heimatpolitik mit Maß vorzugehen und eine, so wörtlich, „Wohlfühl-Atmosphäre“ für alle im Land zu erzeugen. Ansonsten lande man schnell da, wo „die Rechstextremen, diejenigen, die sich als Alternative bezeichnen, schon sind“. Heimat dürfe kein abgegrenzter Begriff sein, nicht die Ausgrenzung fördern.

Die SR-Sommerinterviews 2018
Die SR-Sommerinterviews: Was ist Heimat?
Was ist Heimat? Eine auf den ersten Blick ganz simple Frage, die doch gar nicht so einfach zu beantworten ist. In anderen Sprachen gibt es nicht einmal ein Wort dafür. Ist Heimat ein Ort, eine Region oder ein Land? Oder ist Heimat einfach nur ein sehr persönliches Gefühl ohne eine konkrete Ortsangabe? In Berlin kümmert sich seit vergangenem Jahr sogar ein eigenes Ministerium darum, was Heimat ausmacht und wie sie zu schützen ist.

Gleichwertige Lebensverhältnisse als Schlüssel

Und wie soll das funktionieren? Vor allem, mit Strukturförderung vor Ort, sagt Hans. Nur, wenn im eigenen Dorf die Infrastruktur, die Schulen, Straßen und Internetanbindung in einem guten Zustand sind, dann würden die Menschen auch an die Zukunft ihrer Heimat glauben. Und das sei „das größte innenpolitische Problem in Deutschland“: Dass viele sich bereits abgehängt fühlten und  der Aufschwung bei Ihnen nicht ankomme. „Wir sind in der verdammten Pflicht als Politik, dafür Sorge zu tragen, dass es diese gleichwertigen Lebensverhältnisse auch gibt“. Viel erwartet Hans dabei von der neugegründeten Kommission zur Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, die finanzielle Unterstützung auch ins Saarland spülen könnte. Aber: Mit dem neuen Doppelhaushalt sei das Land schon jetzt auf einem guten Weg, lebenswerter zu werden.


Der Interviewer


Michael Schneider (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Michael Schneider

studierte Medienwissenschaft und Niederlandistik in Marburg und Journalismus in Mainz. Sein journalistisches Volontariat absolvierte er beim SR. Heute arbeitet er in der Programmgruppe Aktuelle Landesinformation des SR Fernsehens. Er produziert Beiträge für den aktuellen bericht, vor allem über die Themen Landespolitik, Europa und Frankreich.

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