Michael Wollny Trio (Foto: Joerg Steinmetz)

Jazz live with friends: Michael Wollny Trio

 

Termin: 07.11.2018 19:30 bis 21:30

Ort: Illipse, Burgweg 4, 66557 Illingen

Eintrittskarten: 25,00 / 22,00 Euro

Der sympathische Wuschelkopf Michael Wollny hatte 2015 als Illingens Artist in Residence die Herzen des Jazzpublikums erobert. Am Mittwoch, 7. November kommt er zurück in die Illipse. Dieses Mal mit seinem aktuellen Trio, mit Eric Schäfer am Schlagzeug und Christian Weber am Bass.

Ein Ausnahmepianist

In den vergangenen drei Jahren ist viel passiert: Nach Illingen wurde Michael Wollny Artist in Residence bei den renommierten Rheingau Musik Festspielen und in diesem Jahr auf dem Hamburger Festival Elbjazz. Er gilt als absoluter Ausnahmepianist, ist achtmaliger Echo-Gewinner und der wichtigste Improvisator des jungen Deutschen Jazz.

Superlative

Die Süddeutsche Zeitung nennt Michael Wollny einen Musiker, der "aus jeder nur erdenklichen Musik ein Erlebnis machen kann, das einem den Atem nimmt". Für die FAZ ist er der "vollkommene Klaviermeister", für das Hamburger Abendblatt "die stärkste Jazz-Musikerpersönlichkeit, die Deutschland seit Albert Mangelsdorff hervorgebracht hat". Nicht nur füllt er selbst die großen Konzertsäle, er ist auch bei den namhaftesten europäischen Kollegen als Partner gefragt.

Immer in Bewegung

Der 1978 in Schweinfurt geborene Pianist gilt zweifellos als einer der wichtigsten europäischen Jazzmusiker seiner Generation. Dabei ist er alles andere als ein typischer Jazzpianist. Wenige bearbeiten den Flügel so körperlich wie Wollny. Geistig wie physisch ist er immer in Bewegung. Oft geht es dem Instrument an die Eingeweide. Seine Inspiration kann dabei von Franz Schubert oder Gustav Mahler kommen, von Björk oder Kraftwerk, von japanischen Gangsterfilmen oder Horrorstories: Sein Spiel ist so grenzenlos, wie seine Suche nach dem bisher Ungehörten. Der Ausdruckskraft, die sich aus dieser Energie, gepaart mit unerschöpflichem Einfallsreichtum und überragender Technik, ergibt, kann man sich nicht entziehen.

Anfänge

Mit fünf Jahren hatte Wollny ersten Unterricht an Klavier und Geige, ein wichtiger Einfluss war seine ebenfalls Klavier spielende große Schwester, die ihm vor allem die klassische Romantik nahebrachte. So war für ihn "Klavierspielen immer beides – Improvisation und Bach oder Schumann spielen", wie er erzählt.

Als er mit 16 als Gasthörer ans Herrmann-Zilcher-Konservatorium in Würzburg geht, wird er vom Pianisten und Hochschullehrer Chris Beier entdeckt. Er erkennt Wollnys Talent und nimmt ihn als Jungstudenten an der Würzburger Hochschule für Musik unter seine Fittiche. Die nächsten Stationen heißen BundesJugendJazzorchester (BuJazzO), das erste eigene Trio und ein Duo mit dem Saxophonisten Hubert Winter. Ab 2001 wird Wollny immer wieder als Pianist für das hr-Jazzensemble eingeladen. Hier kann er mit den Granden des deutschen Jazz arbeiten: Albert und Emil Mangelsdorff, Christof Lauer und nicht zuletzt Heinz Sauer. Der Saxophonist ist begeistert von dem jungen Mann am Klavier und lädt ihn ein, mit seinem Sextett beim 32. Deutschen Jazzfestival in Frankfurt aufzutreten. Es ist der Startschuss für eine bis heute bestehende musikalische Partnerschaft über die Generationen hinweg, die durch vier preisgekrönte Duo-Alben dokumentiert ist.

Engagements

Dass Wollnys Interpretation des Jazzidioms in der europäischen Musiktradition verwurzelt ist, lässt sich nicht überhören. So buhlen auch verstärkt die klassischen Institutionen um seine Kreativität und Popularität: Das Konzerthaus Dortmund widmet Michael Wollny gleich eine ganze Reihe von Abenden. Das Rheingau Musik Festival ehrt ihn durch eine "Residency", mit verschiedenen Projekten über die gesamte Saison hinweg. Die Alte Oper Frankfurt beauftragt ihn für das Musikfest 2015 erstmals anlässlich des damaligen Bach-Schwerpunkts mit einer Interpretation der Goldberg-Variationen, woraus eine alljährliche Tradition erwächst, die sich erst mit einer Adaption von Claude Debussys "Nachmittag eines Fauns", dann mit einem Beitrag zu Schuberts Winterreise und aktuell mit György Ligetis Atmosphères fortsetzt.

Passion fürs fantastische Kino

Dazu passt ein Lieblingsprojekt Wollnys, das seine Leidenschaften fürs Kino, für Gothic und für die klassische Moderne bündelt: Mit Eric Schaefer am Schlagzeug und dem vom norwegischen Bigband-Revolutionär Geir Lysne geleiteten Norwegian Wind Ensemble (Det Norske Blåseensemble) vertont er Friedrich Wilhelm Murnaus Filmklassiker "Nosferatu" aus dem Jahr 1922 live. Diese fruchtbare und umjubelte Zusammenarbeit vertieft sich, als Wollny kurzentschlossen das Orchester zu den Studioaufnahmen für das neue Trio-Album in den berühmten Osloer Rainbow-Studios einläd. Eine Woche nach den Aufnahmen Anfang September 2017 tritt das Trio dann gemeinsam mit Emile Parisien als Gast beim Festkonzert auf der Eisenacher Wartburg zum 25. Jährigen Jubiläum von ACT auf – eine weitere Aufnahme entsteht. Statt eines ergeben sich nun völlig ungeplant zwei im März 2018 erscheinende Alben des Michael Wollny Trios: "Oslo" und "Wartburg".

Michael Wollny  (Foto: Jörg Steinmetz/ACT)
Michael Wollny (Foto: Jörg Steinmetz/ACT)

Jazz ist immer wieder anders. In jedem Moment kann sich die Stimmung, die Melodieführung oder der Rhythmus ändern. Das wird bei keinem Musiker so deutlich wie bei Michael Wollny. Er setzt sich mit seinen abenteuerlichen Improvisationen jedem Risiko aus und macht so jedes Konzert zu einem einmaligen, spannungsvollen Erlebnis. Das Zeitmagazin nannte ihn den "Popstar unter den Jazzmusikern", aber in der Popmusik wird heutzutage kaum noch etwas dem Zufall oder dem spontane Einfall überlassen. Anders bei Michael Wollny. Er verfügt über ein ausserordentlich breites Spektrum an Ideenmaterial, auf das er in jedem Moment Zugriff hat. Wie er das kombiniert, was ihm spontan darüber hinaus einfällt, das ist das große Wunder seiner schier unerschöpflichen Kreativität. Was davon er beim Wiedersehen mit dem Illinger Publikum spielen wird, das wird er derzeit wahrscheinlich selber noch nicht wissen.

Eine Konzert in Kooperation mit SR 2 - Jazz live with Friends


"Jazz live with friends"

"Jazz live with friends" - das sind Jazzkonzerte mit in der Regel einer regionalen und einer überregionalen Jazzformation. Regulärer Veranstaltungsort ist das Studio Eins im Funkhaus Halberg in Saarbrücken; die Jazz-Redaktion ist aber auch oft und gerne im Sendegebiet unterwegs.

SR 2 KulturRadio schneidet die Auftritte in der Regel mit und sendet sie dann an ausgewählten Sonntagabenden auf dem Sendeplatz von "JazzNow".

Kontakt: jazz-live@sr.de

Verantwortliche Redakteurin: Gabi Szarvas

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