Glosse: 30 Jahre Microsoft Office!

30 Jahre Microsoft Office!

Eine Glosse

Erik Heinrich   01.08.2019 | 08:50 Uhr

Wer hat nicht schonmal mit Word einen genialen Text geschrieben oder mit Excel eine aufwändige Tabelle erstellt und musste dann fassungslos erleben, wie Text oder Tabelle im Daten-Nirvana verschwanden? Zum Jubiläum "30 Jahre Microsoft Office" huldigt SR-Kolumnist Erik Heinrich der marktbeherrschenden Bürosoftware auf seine Weise... Eine Glosse.

Dieser verzweifelte Hilferuf auf einem Computerforum ist nur eines von unzähligen Beispielen: "hallo leute brauche eure hilfe bei einem office2003 problem und zwar ist meine frau auf irgendein eine kombination oder so gekommen jetzt wenn ich in office was schreiben möchte kommt als erstes schon mal ein zeichen das aussieht wie phi und auch so macht es zwischen jedem wort einen Punkt - wie bring ich das wieder weg?"

Studiogespräch: Vor 30 Jahren kam Microsoft Office auf den Markt
Audio [SR 2, Jochen Marmit / Florian Mayer, 01.08.2019, Länge: 04:56 Min.]
Studiogespräch: Vor 30 Jahren kam Microsoft Office auf den Markt

Das ist ja noch ein kleines Problem! Doch wer hat nicht schonmal mit Word einen genialen Text geschrieben oder mit Excel eine aufwändige Tabelle erstellt und musste dann fassungslos erleben, wie Text oder Tabelle im Daten-Nirvana verschwanden?

Wer hat nicht erlitten, wie sein Vertrauen in Gott und die digitale Welt bis in das letzte bite erschüttert wurden bei einem Systemabsturz? Absturz, ein sehr treffendes Wort, es ist wie den Boden unter den Füßen verlieren. Und wer wurde nicht mit wachsendem Grauen Zeuge, wie der herbeigeflehte Systemadministrator dann kopfschüttelnd vor dem Rechner saß und murmelte: "Kann ich mir gar nicht erklären."

Aber das war früher, Digi-Tertiär. Die modernen Office-Programme von Microsoft, die etwa 80 Prozent des Weltmarktes beherrschen, sind äußerst komplex. In der Abo-Version haben sie Cloud-Speicher, Word kann Texte vorlesen oder sich diktieren lassen, ist rechtschreiboptimiert. Excel prunkt mit üppigen Diagrammen.

All das geht natürlich nur voll vernetzt, Office verlinkt sich beim Start mit dutzenden Microsoft-Servern, ob der Nutzer will oder nicht – was die Fachnerds vom Chaos Computer Club auf einem Niveau mit Spyware sehen. Und wenn etwas schiefläuft mit Microsoft 2019, dann richtig. So beklagt der Schmierstoff-Mittelständler Liqui Moly, dass er aufgrund von Stress mit den Programmen des Software-Giganten im ersten Halbjahr 2019 einen Schaden von etwa zehn Millionen Euro hatte.

Da waren die Abstürze von 1989 doch geradezu niedlich. Und die Fehlermeldungen, bei denen Franz Kafka assistiert haben könnte! Ein paar Proben: "Ein Fehler ist aufgetreten, aber wegen eines weiteren Fehlers kann die Fehlermeldung nicht angezeigt werden." Oder: "Hilfe und Support kann nicht geöffnet werden. Starten Sie Hilfe und Support, um das Problem zu beheben." Und schon damals gebot uns Office Demut in unserer Beschränktheit im Angesicht von Raum und Zeit: "Kopieren von Datei. 14.316.515 Minuten verbleiben."


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 01.08.2019 auf SR KulturRadio.

Artikel mit anderen teilen