Glosse: Wahlkampf

Wahlkampf

Eine Glosse von Erik Heinrich   21.05.2019 | 08:40 Uhr

Diese Woche wird im Saarland gewählt. Neben den Europawahlen stehen am 26. Mai auch die Kommunalwahlen an. Die Wahlwerbung fällt dabei "erfrischend" aus. Meint zumindest unser Kolumnist Erik Heinrich.

Was haben die Parteien im Europawahlkampf zu bieten? Gute, alte Hausmannskost.  Das Highlight im CDU-Spot ist ein – beim Stichwort Nationalismus - furzender Hund; ansonsten Wohlstand, Sicherheit, Zukunft und ein Kandidat, der etwa so lebhaft daherkommt wie eine elektische Heizdecke. Die SPD führt immerhin ein schwules und ein lesbisches Paar beim Knutschen vor.

Dazu eine schmucke Katarina Barley. Aber, oje, was ist auf den Plakaten passiert – die Ärmste grinst ja, als wäre die Auto-Lächel Funktion von Photoshop völlig ausgerastet! Oh my God, dieses Grinsen macht Angst! Die Grünen wollen immerhin dem Patriarchat in den Hintern treten, die Linken Europa solidarisieren und Jörg Meuthen von der AfD macht seinen Job als Volksverführer leider verflucht gut.

Doch am Wochenende wird ja nicht nur das Europaparlament gewählt, sondern in zehn Bundesländern finden auch Kommunalwahlen statt und da ist der Wahlkampf bei uns in der Gegend, hm, ich sag mal: erfrischend?

Da sieht man nicht nur den Vertreter der Tierschutzpartei mit Federvieh kuscheln oder sieht die Leutchen, die man aus dem Chor oder dem Kirchenkreis kennt, mit ganz neuer Brille, erschreckend! Da schmunzelt den nichtsahnenden Passanten auch ein Kandidat an, der auffällige Ähnlichkeit mit Jesus von Nazareth hat und ruft dir vom Plakat zu: mach keinen Scheiß mit deinem Kreuz!

Sie finden diesen Kalauer befremdschämenswert? Wie dann erst diese Fäkal-Weisheit des Vertreters einer anderen Splitterpartei: "Schick'ste Scheiße – krieg'ste Scheiße!"? Verstanden? Da wird der Wahlkampf zum Witzkrampf. Man könnte wahnsinnig werden in diesen Wahlkampfzeiten? Da ist ein Einzelkandidat aus einem kleinen Wahlkreis in Brandenburg ganz Ihrer Meinung: Er ließ sich in Zwangsjacke ablichten, der Slogan dazu: "Mehr Wahnsinn wagen!"

Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, … Sie wissen schon. Ich verstehe, die Menschen sind verunsichert und zugleich übersättigt, da braucht's schon ein paar Kracher, um sie Sonntag vom Grill an die Urne zu locken.

Aber wenn ich mir diese Wahl-Comedy der Kommunalliga so reinziehe, kann ich der biederen Vernunft der Europa-Wahlkämpfer durchaus etwas abgewinnen. Oder möchten Sie sich die Barley vorstellen in Zwangsjacke oder den Weber als Jesus – "mach kein' Scheiß mit deinem Kreuz"? Bei Jörg Meuthen indes: schick'ste Scheiße, kriegs'ste Scheiße, hm, das könnte schon passen mit Blick auf seine Schwesterpartei im Nachbarland, das außer dem Großglockner auch noch echte Gipfel der Politsatire zu bieten hat.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 21.05.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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