Glosse: Die Hasen sind los!

Die Hasen sind los!

Eine Glosse von Erik Heinrich

Audio & Text: Erik Heinrich. Foto: dpa/Boris Roessler   16.04.2019 | 07:55 Uhr

Der Feldhase hat sich 2018 überproportional vermehrt. Wehret den Anfängen - Schluss mit der Schonzeit, fordern die Jäger, und auch Politik hat auf das brandaktuelle Thema bereits reagiert... Eine Glosse von Erik Heinrich.

Die Hasen sind los! Wie das Agrarministerium Baden-Würtemberg meldet, hat sich der Feldhase im vergangenen Jahr überproportional vermehrt. Wir haben im deutschen Südwesten jetzt mit 16 statt vormals 12 Hasen pro Quadratkilometer zu rechnen, bundesweit immerhin mit 14.

Naturschützer wiegeln natürlich mal wieder ab, Feldhasen hätte es früher noch viel mehr gegeben und sie seien immer noch schutzbedürftig.

Aber die Jagdverbände sind alarmiert. Rechnet man die Zahlen hoch, haben wir es schon in wenigen Jahren mit einem Hasen pro Quadratmeter zu tun! Wehret den Anfängen, fordern die Jäger, Schluss mit der Schonzeit!

Politiker haben das branntheiße Thema bereits aufgegriffen, für die AfD twitterte Alice Weidel: Von wegen Artensterben! Wolf und Hase vermehren sich ungeregelt und besetzen deutschen Lebensraum!

Der Bauernverband warnt ebenfalls: Die Hasenflut bedroht unsere Möhrchen! Und wer weiß, ob nicht ein gefährliches Virus von Hasen üertragen wird, das ganze Viehbestände befallen kann.

Im Netz geht ein Video um: In einem Streichelzoo nahe Saarlouis wird ein fünfjähriges Mädchen von einem aggressiven Hasen gebissen. Das Mädchen heult und und schluchzt: Ich wollte doch nur, dass der aussieht wie der Hase bei "Keinohrhasen". Das Video wird vieltausendmal geteilt, besorgte Bürger kommentieren, so schreibt Bärli77: Nie wieder nenne ich mein Hasi Hasi! Und "Lepus-Hasser" schreibt: Problemhasen abknallen!

Die Bundesregierung hat den ressortübergreifenden Krisenstab "Hase" gebildet. Verkehrsminister Scheuer rechnet vor, welche exponenziell steigende Unfallzahl wir durch gefährliches Eingreifen von Hasen in den Straßenverkehr gewärtigen müssen. In einem mitreißenden Appell ruft er die Bevölkerung auf: Esst mehr Hasen!

An der Fakultät für Bio-Risiken der TU München ermittelt eine Forschungsgruppe im Auftrag der Regierung: Handelt es sich um ein temporär vorösterliches Phänomen oder kommt eine Hasen-Invasion auf uns zu?

Entwarnung geben jetzt mehrere Naturschutzverbände: Die Hasenpopulation konnte sich im vergangenen Sommer vor allem wegen der anhaltenden Hitze gut entwickeln. Wenn die gute Hasenvermehrung eine Folge des Klimawandels sein sollte, wäre sie wohl eines unserer kleinsten Zukunftsprobleme.

Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 16.04.2019 auf SR 2 KulturRadio .

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