Glosse: Autoindustrie, tragikomisch

Autoindustrie, tragikomisch

Eine Glosse von Erik Heinrich

Audio & Text: Erik Heinrich. Foto: SR Fernsehen   26.03.2019 | 08:45 Uhr

Dank Internet und Smartphone ist das Ende des Dino-Zeitalters der fahrenden Blechkisten für SR-Kolumnist Erik Heinrich längst angebrochen: Weder SUVs, noch Diesel-Motoren, noch E-Autos haben für ihn eine Überlebenschance. Doch für die letzten Dinos unter den Konsumenten wird es sicher eine nostalgische Lösung geben... Eine Glosse.

Wenn Dinosaurier stolpern, straucheln, taumeln, dann ist das tragisch. Und komisch. Ford, die haben was getan vor Jahren und alles richtig gemacht. Nach einer langen Qualitätskrise haben sie angefangen, tüchtige und schöne Autos zu bauen. Die etwas schickere Familienlimousine S-max, den etwas schnittigeren Kleinwagen Fiesta, den zuverlässigen Focus und für den späten Lover mit nicht genug Geld für 'n Ferrari den neuen Ford Mustang. Tragikomischer Weise hat das alles nichts genutzt; die Zeitläufte haben Ford überholt und in den deutschen Werken geht die Angst um.

Smart smart?

Das ist ja nicht nur bei Ford so. Wie versuchen die anderen sich zu retten? Daimler elekrisiert den Smart und macht eine große Werbekampagne: Kauft den alten Verbrenner-Smart, so lange es ihn noch gibt und haut CO2 raus, solange ihr noch dürft! Das ist außer tragikomisch: pervers.

Komische SUVs

Derweil zieht die Konzernmutter wie alle anderen Hersteller mit der Wunderwaffe SUV in das letzte Gefecht gegen das Klima. Dabei sind die meisten SUV auf dem Markt Windkanal-deoptimierte Klapperkisten, die im richtigen Gelände auseinanderfallen oder sich festfahren. Sie sind wie Cowboys, die zur Maniküre und zur Bartpflege gehen – und genau so sind die meisten SUV-Fahrer. Es gibt jetzt SUV von Fiat und Skoda und Citroen; das ist so, als würde Otto Waalkes einen raubeinigen Westernhelden spielen. Komisch eben.

Diesel kontra Gas

Auto mit Gastank (Foto: SR)
Auto mit Gastank

Dass der CO2-ärmere Diesel, ein Wunder deutscher Ingenieurskunst, jetzt der Sündenbock ist, ist tragisch. Wo ist eigentlich das umweltfreundliche Gas-Auto geblieben? Auf der Strecke. Tragisch. Was macht der Bundesverkehrsminister? Steht an der Wegkreuzung wie ein wildgewordener SchuPo, winkt wie von Sinnen der Industrie, gebt Gas, gebt Gas, ein Tempolimit ist gegen den gesunden Menschenverstand. Während ihm die Umweltministerin einen Vogel zeigt. Und die Industrie will auch nicht mehr so richtig mitspielen.

Doch auch die E-Mobilität ist nur ein Strohhalm, an dem sich der wankende Dino VW festhalten will. In der längst angebrochenen smarten Zeit brauchen wir das Auto, mit Benzin oder Diesel, elektrisch oder mit Wasserstoffantrieb weniger. Wir sind mobil im Netz und, hoffentlich, in den Köpfen.

Mehr Mobilität, weniger Aufwand

Wir brauchen das Auto nicht mehr, um zur Arbeit im Autowerk zu fahren. Wir werden viel mehr Mobilität mit viel weniger Aufwand haben. Für die letzten Dinos unter den Konsumenten, ja ich bin einer davon, für die das Auto ein Objekt der sublimierten Begierde ist, Freiheit und Schutzraum, Verlängerung unserer Extremitäten und Vehikel der Horizonterweiterung, Fluchthelfer und Haustier, für uns verbliebene Dinos werden sicherlich in 20 Jahren zwei, drei Hersteller retro-romantische Kisten bauen, mit denen wir ganz unautonom und tragikomisch durch die Gegend tuckern.


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Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 26.03.2019 auf SR 2 KulturRadio .

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