Glosse: Framing gegen rechts

Framing gegen rechts

Eine Glosse von Erik Heinrich

Erik Heinrich   12.03.2019 | 07:50 Uhr

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, eine Aussage zu treffen. Die gewählten Worte, Begriffe und Formulierungen können dabei jeweils unterschiedlich aufgenommen werden und dadurch zu verschiedenen Verhaltensweisen führen: Das ganze nennt man dann "Framing". Kolumnist Erik Heinrich hat sich darüber ganz eigene Gedanken gemacht. Eine Glosse.

Hatte die Tomatensauce aus der Bundestagskantine einen roten Fleck hinterlassen oder mein Fernseher einen Rotstich? Gaulands Lieblingskrawatte – Jagdhunde auf British Green – sah so rotgrünversifft aus! Und dann schwurbelte Beatrix von Storch in einer Talkshow und ich dachte, was labert die denn für Merkel-Sprech? Und mir wurde klar: Populisten und Rechtsaktivisten, sie lassen sich in die rechte Ecke stellen, sprachlich. Fachwort: framing.

Ich meine, Deutsche, die den Klimawandel leugnen und damit deutscher Umwelt, deutschem Boden schaden, sind das vielleicht nicht Heimatfeinde? Ja, vaterlandslose Gesellen - und Gesellinnen? Das würd man ja wohl mal sagen dürfen!

Und "besorgte Bürger", die sich mit Wut und Hass gegen Zuzug von Fachkräften, z. B. Altenpfleger aus Syrien wehren, sind die nicht Schuld am unwürdigen Vegetieren unserer Alten und werden selbst - in nicht zu ferner Zukunft - Gammelfleischdeutsche?

Rechtsgesinnte stellen sich ja gerne dar als Unterdrückungsopfer unter dem Joch der Kanzler-Diktatorin, indoktriniert von Lügenpresse und Staatsfunk. Aber, die, die öffentlich-rechtliche Anstalten abschaffen wollen, würde ich Tatort-Killer, WM-Kaputtmacher und ESC-Beseitiger nennen.

Ein aktueller Fall: Der FC Chemnitz war kurz vor dem Aufstieg – bis am Wochenende im Stadionprogramm einem verstorbenen notorischen Hooligan und Nazi gehuldigt wurde und ein Stürmer des FC ein T-Shirt hochhielt, Aufschrift "Support your lokal Hools". Sponsoren klinken sich aus. Aufstieg entfällt. Wie anders sollte man die rechten Fans des FC Chemnitz als "Aufstiegs-Bremser" bezeichnen?

Und andere "besorgte Bürger", die aus ihrer virtuellen Lügenblase in das wirkliche Leben treten, um unliebsame Theatervorstellungen zu stören oder zu sabotieren, handelt es sich bei denen um Kulturhooligans, oder könnte man hier das hübsche, alte Wörtchen Kulturbolschewiken entstauben?

Ganz übel aber spielen unserem Volk all jene mit, die aus Europa aussteigen wollen. Das sind nicht bloß Brexit-Nachäffer, sondern, das sind, das sind: Malle-Urlaub-Vermieser! - Wenn zwei das gleiche sagen, ist's noch lange nicht dasselbe, schönen Gruß vom Volksmund!

Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 12.03.2019 auf SR 2 KulturRadio .

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