Glosse: Breakfast at Downing Street

"House of Breakfast"

Glosse

Erik Heinrich   22.01.2019 | 08:50 Uhr

Seit Monaten ist der Brexit Dauerthema in den Parlamenten in Brüssel und Großbritannien. Aber auch gut zwei Monate vor dem geplanten Austritt der Briten aus der EU ist noch kein Konzept erkennbar. Unser Kolumnist Erik Heinrich hat sich dazu am (englischen) Frühstückstisch seine Gedanken gemacht.

Der Vorhang hebt sich, ganz Europa blickt gebannt auf die Bühne. Brexit, 3. Akt, das hätte Shakespeare gefallen – es ist eine Tragödie und zum Schreien komisch. Die Bühne: das ehrwürdige Unterhaus. Zugleich ein Teller mit English Breakfast.

Da ist die May, eine Portion Porridge – zäh wie Bärenkot, und egal, wie sich die Form verändert, bleibt es unzerstörbar. Da ist der Corbyn, als doppelt gebranntes Toastbrot, steinhart. Und sieh da, the honourable Member of the Parliament, Mr. Johnson, er kommt als gebratenes Würstchen auf die Bühne – sieht genießbar aus, macht sich aber im Magen ganz schön fett. Und hier, louder than the rest, the … speaker! John Bercow, von sich selbst begeistert, tritt er als Portion Bohnen auf – immer gut für einen schrägen Knalleffekt.

Auf dem Programm: Britische Schicksalsfrage! Milk in first oder tea in first? That's the question. Oder war es Spiegel- oder Rührei? Oder harter, oder weicher oder doch kein Brexit? Irrungen, Wirrungen. Binnen Kürze Touhouwabou auf der Bühne, die zu klein ist, um alle Statisten zu fassen.

Es ist zum Verzweifeln! Stöhnen, Seufzen, abgekaute Fingernägel im Publikum. Warum erklärt nicht irgendjemand diesem Haufen Zutaten, dass mit Einfuhrzöllen auf Orangen, Zitronen, Limetten bald Marmelade knapp werden könnte – welch Damoklesschwert!

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 22.01.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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