Kolumne: (Un)wörter des Jahres

(Un)wörter des Jahres

Kolumne

Erik Heinrich   31.12.2018 | 06:40 Uhr

Das Jahr 2018 geht heute zu Ende und in Erinnerung bleiben uns Wörter,die in diesem Jahr eine besondere Rolle spielten. Unser Kolumnist Erik Heinrich hat einige seiner eigenen Wörter und Unwörter des Jahres noch einmal zusammengestellt.

Zum Jahresabschluss schönen Gruß aus der Funkloch-Republik - unser Dorf könnte Geld damit verdienen, dass man hier Ruhe vor dem on-sein-Zwang findet. Ich grüße mit einigen alternativen Wörtern des Jahres. Alternativ natürlich nicht im Sinne von alternativer Wahrheit oder Fakten, sondern bloß im Sinne von fantasievoll anders. Also so, wie Annegret Kramp-Karrenbauer, die die "Volkspartei" CDU als das letzte Einhorn Europas bezeichnete. So viel zu der Kritik, der Frau fehle es an Visionen und Fantasie. Ich meine, wer die Christdemokraten Einhorn nennt – was hat die denn geraucht? War es vielleicht so, dass AKK mitgeschnitten hat, dass Zeitgenosse Einhorn Kult bei der Jugend ist? Und wenn es schon Mütter gibt, die ihre Kinder warnen: immer wenn ein Kind sein Zimmer nicht aufräumt, stirbt ein Einhorn, dann machte sie als CDU-Aufräumerin und Einhorn-Retterin bella Figura? Wir dürfen gespannt sein, was Frau KK noch so einfällt 2019.

Ein anderes schönes Tierwort machte 2018 Karriere: Hase. "Hase, du bleibst hier!" rief die Frau im Video, das Chemnitzer zeigte, die Ausländer hetzten. Ein wenig macht es Hoffnung, dass es die Frauen sind, an deren Leine Bluthunde, bereit über Andersseiende herzufallen, zu sanften Hasen werden – auch wenn dieses Märchen leider nicht oft wahr wird.

Und Tier zum dritten: Ferkelhoden. Dass Ferkel immer noch vom Bauern unbetäubt die Eier abgeschnitten werden dürfen, zeugt davon, dass auch nach 2018 noch ein verdammt weiter Weg ist vom Wilden zum Menschen.

Apropos wild, wilde Worte bei der CSU, bei der ja nicht nur im Jahrhundertsommer, sondern im Wahlkampf, und davor und danach, seit je Heißzeit herrscht; der hitzige Dobrindt fand für Menschen, die verfolgten Menschen beim Hierbleiben helfen, das Wörtchen "Anti-Abschiebe-Industrie". Ebenso maßlose wie unsinnige Übertreibungen nur laut genug und oft genug rauszuhauen – das ankert den Begriff im Unterbewusstsein des Wahlvolks und er setzt sich fest. Nennt man so was framing? Oder vielleicht Trumpismus?

Ärgerlich auch, wie die neue Rechte und ihre Strategen den Jargon der Altlinken hacken und sich Slogans einverleiben wie "wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand Pflicht" oder "Kein Diesel ist illegal" - ich denke, geklaute Ausdrücke sollten es nicht einmal zum Unwort des Jahres bringen. Daher werde ich diese ignorieren und Ihre Aufmerksamkeit lieber auf ein Neuwort lenken, das sich nach den an FDP-Lindner gescheiterten Koalitionsverhandlungen 2017 im Laufe dieses Jahres lässig verbreitete: lindnern. Oder können Sie sich eine gelungenere Ausrede vorstellen als: "Du Schatz, ich hatte Sorge, den Müll in die falsche Tonne zu werfen: besser ich bringe den Müll nicht runter, als ihn schlecht runter zu bringen!"

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