Glosse: Exit vom Brexit

Exit vom Brexit

Kolumne

Erik Heinrich   10.12.2018 | 17:59 Uhr

Die Meldung, Großbritannien könne die Brexit-Austrittserklärung einseitig widerrufen, hat die Vorstellungskraft unseres Kolumnisten befeuert. Was wäre, wenn es sich die Briten doch nochl anders überlegten? Erik Heinrich hat seiner Fantasie freien Lauf gelassen.

Das ganze Spektakel um den Brexit kommt mir vor wie eine Serie aus der Hand der britischen Komikertruppe Monty Python's. In der ersten Staffel brilliert John Cleese, einst beim Ministerium für alberne Gangarten, als durchgeknallter Populist. Es gelingt ihm, die Bürger so aufzuputschen, dass sie für den Abtritt der Inseln stimmen. Er selbst wird Minister für den Abtritt; aber kaum ist er's, tritt er selber ab. Zitat: „Erst ordentlich Druck auf das Schlauchboot bringen und dann den Stöpsel ziehen – hui, ab geht’s!“ Irres Lachen. Ende erste Staffel.

In der zweiten Staffel sind alle Monty Pythons dabei: Eric Idle gibt den ewigen Prinzen, Terry Gilliam und Michael Palin spielen die Corgy-Hunde der Königin. Und in der Gast- und Hauptrolle sehen wir den wunderbaren Mr. Bean als Regierungschefin. Für die Rolle brauchte Mr. Bean fast gar nicht geschminkt zu werden. Tragikomisch: je mehr Mr. Bean als Regierungschefin sich bemüht, desto tiefer rasselt sie in das Fiasko.

Auftakt dritte Staffel: Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass die Briten auch sagen dürfen: ätsch, wir treten doch nicht aus. Aktuell tüfteln die Drehbuchautoren daran, wie's weitergeht. Zwei Szenarios sind im Gespräch:

Erstens: Die Insel tritt ab ohne deal und entwickelt sich zu einem vorindustriellen Agrarstaat, einer Insel der Glückseligen, auf der schrullige Menschen eng verbunden mit Pferden und Schafen leben und auch so aussehen, zum Frühstück Haferschleim löffeln und nicht nur auf der Fuchsjagd alberne Hüte tragen. Der einzige geduldete Ausländer ist Jürgen Klopp, der bei Porridge und Ale gefangen gehalten wird.

Das zweite Szenario sieht ganz anders aus: Die Briten stimmen erneut über den Brexit ab. Im Vorfeld machen Bürger aus ganz Europa Reklame für den Verbleib in der EU. Es kommt zu rührenden Szenen. Eine Künstlegruppe aus Bordeaux rollt einen roten Teppich über den Ärmelkanal. Eine Delegation aus Prag kommt mit gutem Bier auf die Inseln, um die Briten zu überzeugen. Und eine WhatsApp-Schwangerengruppe aus Bielefeld teilt mit, dass ihre Kinder bei EU-Verbleib der Inseln Elisabeth oder Charles heißen sollen. In Pups all over Britain singen Polen, Griechen, Deutsche, Briten gemeinsam „Should ol acquaintance be forgot...“

Aus dem Off hört man die strenge Stimme von Evelyn Hamann: „Von Nether Addlethorpe über Middle Frithm bis North Cothelstone, dem Landsitz von Lord und Lady Hesketh- Fortescew verbreitet sich ein neuer, europäischer Geitht …“ Es heißt, die Drehbuchautoren sind sich über den Fortgang der Serie gestern abend so in die Haare geraten, dass sie sich in einem Pub in London-Wandsworth prügelten wie die Irren.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 11.12.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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