Kolumne: Über die "Maaßen"

Über die "Maaßen"

SR 2-Kolumnist Erik Heinrich über die Causa Maaßen in der schwarz-roten Koalition

Eine Kolumne von Erik Heinrich   25.09.2018 | 08:50 Uhr

Immer wenn in den Medien etwas zur "Causa" wird, ist doch der Rubikon eigentlich schon überschritten, um mal einen ehemaligen Bundespräsidenten zu zitieren, der auch aus dem Amt flog. "Causa" heißt doch im Klartext: Es ist so viel Mist vorgefallen, dass die Sache eigentlich nicht mehr zu ertragen ist. So ist das auch im Fall Maaßen, meint SR 2-Kolumnist Erik Heinrich.

Man entkommt diesem über alle Maßen dominanten Medienthema nicht! Und trinkt man bloß in dieser Oktoberfestzeit harmlos und maßvoll eine oder zwei, drei Maaßen, wird man bereits erinnert an die Verfassung, ihre erschreckende Verfassung und den Verfassungsschutz von dem man ja sagen muss, wer so einen Beschützer hat, braucht keine Feinde mehr.

Ein Name, Sie wissen schon, steht für einen unglaublichen, beinahe regierungsstürzenden Vorgang. Mythen, Sagen und Fake News ranken sich um diesen Namen, von denen einige völlig haltlos sind. Der Mann ist auf dem rechten Auge blind? Blödsinn, schauen Sie sich mal die Brille an – ein Wunder, wenn der überhaupt was blickt!

Die AfD ist geschockt – ihr bester V-Mann ist aufgeflogen? So ein Quatsch! Er hat, nach allem was wir wissen, Frau Petry und wer weiß wen noch, ganz honorarfrei beraten, das, Ehrensache, gehört doch zu seinem Job! Und, bei Gott und Grundgesetz, kein leichter Job, den der Fast-ex-Präsident da hatte. Es ging ja darum, V-Leute einzuschleusen in Milieus, in denen selbige V-Leute dafür sorgen mussten, dass die Milieus überhaupt erst solche wurden. Deren Arbeit ist es also, Vertrauen aufzubauen, um dieses Vertrauen zu täuschen.

Kein Wunder, dass diese Agenten manchmal so von sich getäuscht sind, dass sie selbst nicht mehr genau wissen, ob sie auf dem verminten Gebiet einer terroristischen Vereinigung, oder auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung operieren. Wie sollte das dann erst der Präsident dieser ungeordneten Behörde von jedem seiner tausenden Honorarkräfte wissen? Steck'ste doch nicht drin!

So ist Täuschung und Vernebelung zugleich Jobprofil und höchste Bürgerpflicht des Verfassungsschutzbeamten. Wer weiß, was die Nebelmaschine Verfassungsschutz und ihr Präsi, wär er im Amt geblieben, noch alles rausgepustet hätten: national befreite Zonen? Nie gehört. Reichsbürger? Ja, da gibt es Hubert S., einen harmlosen Spinner in Wuppertal. Hass, Drohungen im Web? Nö, nur ein paar deftige Meinungsäußerungen wie im Bierzelt.

So gesehen, fast bedauerlich, dass der hier namentlich nicht genannte den Schlapphut nimmt. Wünschenswert wäre jetzt eine Autobiografie, in der alles, alles, endlich ans Licht kommt, was der sogenannte Verfassungsschutz verbockt hat. Die Hintergründe über die Rolle der V-Leute beim sogenannten NSU, hätte Anis Amri gestopt werden können? Und die Wahrheit über die Männerfreundschaft mit dem sonderbaren Horst.

Vielleicht käme heraus, dass der zuletzt über die Maaßen präsente Präsident eigentlich ein Altlinker ist, dem jetzt eine Mission voll und ganz gelungen ist: endlich jedem Bürger bis in den letzten Bierzeltwinkel klar zu machen, was für eine absurde Muppets-Show der Bundesverfassungsschutz ist.

Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 25.09.2018 auf SR 2 KulturRadio.


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