Glosse: Montagsmaler-Revival!

Montagsmaler-Revival!

SR 2-Kolumnist Erik Heinrich über eine neue alte Show im SWR Fernsehen

Eine Kolumne von Erik Heinrich   28.08.2018 | 08:45 Uhr

Die "Montagsmaler" haben den Weg zurück ins Wohnzimmer gefunden - übers SWR Fernsehen. Sie wissen schon: Die Show, in der einer einen Begriff zeichnet und die anderen aus Verzweiflung erst mal "Hund, Katze, Maus!" rufen. Unser Kolumnist Erik Heinrich ist davon begeistert... Eine Glosse.

Mal angenommen, Sie möchten, aus welchem sinistren Grund auch immer, eine Beziehung sabotieren. Da gibt es eine Methode, so sicher wie das "Prost" in der Kneipe: Das beliebte Malerspiel. Einer zeichnet einen vorbestimmten Begriff, der andere muss ihn erraten.

Ein befreundetes Paar hatte die nette Idee, den Abend dergestalt zu verbringen. Ich sollte eine Seegurke zeichnen. Meine Freundin: Bratwurst? - Nein! - Zeppelin? - Nein! - Zutschini? - Nein, das heißt Zuchini! - Besserwisser! Stinkefinger? - Nein! - Kackwurst? - Nein! Nein! Bist du blind? Guck, Wasser, Fische und darin DIES! - Ah, eine Bratwurst, die ins Wasser gefallen ist? - ARGHH!…

Es gab lang anhaltende Verstimmungen, die sich erst Tage später bei einem Tanztheater-Besuch legten. Da ist es doch viel angenehmer, zuzuschauen, wie Promis sich gegen Kinder beim Gekritzel-Gerate blamieren. Und andere Teams der Fersehsteinzeit mit Frank Elstner bei den Montagsmalern zu sehen, zum Beispiel Dalli Dalli gegen Klimbim mit Ingrid Steeger. Oder Sendungen der 80er mit Sigi Harreis. Muskelmänner gegen Schönheitköniginnen oder Marktfrauen gegen Kabarettisten.

Einige der schönsten Fremdschäm-Augenblicke deutscher TV-Geschichte gehen auf das Konto der 22 Jahre lang ausgestrahlten Montagsmaler. Und auch die wunderbare Sendung, in der der Mal-o-mat ausfiel und Frank Elstner live eine Spontan-Talkshow draus machte. Und nun, Trommelwirbel, sind die Montagsmaler auferstanden aus den Kulissen-Ruinen und - unter der ulk-kundigen Leitung von Vielzweck-Quasselstrippe Guido Cantz, der kann's - wieder da!

Und vielleicht ist es ja genau das, was der junge Rezipient bildgebender Medien sucht, wenn er alle Netflix- und HBO-Serien durchgeschaut hat, alle on- und offline Rollen- Gruppen- und Ego-Shooter-Spiele durchgezockt, wenn ihn die Bachlorette und das Dschungelcamp bis zum Erbrechen verstrahlt haben: Vielleicht sehnt er sich nach der guten, alten, preiswert, doch liebevoll gemachten kleinen Neandertalfernsehen-Vorabendshow wie dem WWF-Club mit Lippi oder Geh aufs Ganze mit Joerg Draeger.

Ach so, gibt es ja schon: Quiz-Duell, Wer weiß denn sowas, Gefragt-gejagt! Na, dann hat uns aber eins gerade noch gefehlt, dringend: Und – hier – ist – dein – Herzblatt! Meine Freundin und ich, wir wären dabei!

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 28.08.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

Artikel mit anderen teilen