Es ist soweit: Wir müssen der Türkei endlich helfen!

Es ist soweit - Wir müssen der Türkei endlich helfen!

SR 2-Kolumnist Erik Heinrich über die Lage der Türkei

Eine Kolumne von Erik Heinrich   21.08.2018 | 08:45 Uhr

Die Türkei schwächelt - Lira-Verfall, Ärger an allen Ecken und Kanten. Was also tun, um der Türkei zu helfen? Sollten wir das überhaupt angesichts der Politik von Staatschef Erdogan? Ja, findet die SPD und auch unser Kolumnist Erik Heinrich fordert: Helfen, jetzt! Eine Glosse.

Lassen wir die Türkei in ihrer schwersten Krise nicht allein! Es reicht nicht mehr, an der Ecke Döner zu kaufen und sich im Fernsehen mit langweiligen Istambul-Krimis zu quälen. Was der ewige Beitrittskandidat jetzt braucht, ist unsere praktische Solidarität.

Jetzt wird es Zeit, reizende Gastgeber und reizvolle Kulturstätten persönlich heimzusuchen! Die türkische Tourismusbehörde wird in diesen Tagen initiativ und veranstaltet ein Gewinnspiel! Hauptpreis ist eine Audienz beim ehrwürdigen Sultan, dem letzten Superhelden gegen den Donaldismus, der Trump mit dessen eigener Waffe bekämpft: galoppierendem Irrsinn.

Und wenn in der Türkei Menschen gefoltert werden, ist das nicht erst recht ein Grund, uns solidarisch foltern zu lassen - mit Pide und sogenannten Frauenschenkel-Köfte, mit siruptriefenden Baklava, mit anatolischer Volksmusik und dem Weckruf des Muezzin?

Türkische Lira  (Foto: SR)
Ein Berg türkischer Lira (Foto: pixabay / PublicDomainPictures)


Ist es nicht an der Zeit, jetzt wo die Lira so steht wie ihre italienische Namensvetterin in besten Vor-Euro-Zeiten, zu lernen, dass Hagia Sophia keine Schauspielerin ist und die original Barthaare des Propheten im Topkapi-Palast zu bewundern?

Nie waren Touristen so willkommen in der Türkei wie heute. Bitte beachten Sie unterwegs lediglich unsere 33-seitige Liste der nicht erwünschten Reizwörter von A wie Armenien über F wie Folter, K wie Kurden, Ö wie Özil, T wie Terörle bis Z wie Zensur oder Ziege.

Und sollten wir den Türken nicht gerade in diesen Tagen zeigen, wie gute Gäste sich benehmen: so, dass sich die Gastgeber freuen, wenn wir kommen und noch mehr freuen, wenn wir gehen?

Und schließlich, ganz ohne Satire: Es gibt in der Türkei so viele Menschen voller Gastfreundschaft und Herzlichkeit, dass wir Touristen sie nicht mit Erdogan allein lassen sollten! Denn jetzt, wo die Türkei schwächelt, ist es womöglich gerade recht und dazu noch recht billig, den drei Millionen Türkischstämmigen in Deutschland zu zeigen, wie wir ihre Heimat schätzen.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 21.08.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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