Glosse: Dienstwagen-Check!

Dienstwagen-Check!

SR 2-Kolumnist Erik Heinrich über den Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe

Eine Kolumne von Erik Heinrich   14.08.2018 | 08:45 Uhr

SR 2-Kolumnist Erik Heinrich sähe es lieber, wenn die Würdenträger aus Politik und Kirche mit gutem Beispiel voran gingen und umweltfreundlichere Fortbewegungsmittel nutzten, anstatt sich in ihren tonnenschweren, PS-starken Panzer-Limousinen chauffieren zu lassen. Eine Glosse zum Tag des Dienstwagen-Checks der Deutschen Umwelthilfe.

Ein Bundes-Dienstag wie jeder andere. Wie jeder andere? Die Bundeskanzlerin fährt zu einem Vortrag beim Bundesverband der Industrie vor – in einer Elektro-Limousine von Tesla. Von Journalisten befragt, erklärt sie: Wenn unsere amerikanischen Freunde das klimafreundlichere Auto bauen, fahre ich als Bundeskanzlerin voraus und lasse meinen dicken Audi eben mal stehen.

Außenminister Heiko Maas fährt zum Empfang in der chinesischen Botschaft an der Jannowitzbrücke in Berlin ebenso klimaneutral wie elegant auf Inline-Skatern vor, umringt von Blut und Wasser schwitzenden Sicherheitsleuten. Ursula von der Leyen nutzt als Dienst-KFZ gern und häufig einen auf Brennstoffzellen umgerüsteten Bundeswehr-Geländewagen. Gesundheitsminister Spahn nutzt für den kleinen Dienstweg mit sichtlichem Vergnügen einen Tretroller. Andreas Scheuer zeigt gerne, dass er als Verkehrsminister für alle Verkehrsmittel steht und steigt zu Amtsterminen mitsamt Entourage häufig aus der Straßenbahn.

Als Umweltministerin ist sich Svenja Schulze ihrer Vorbildfunktion bewusst und tritt sogar Fernreisen per Flixbus an, schnell und bequem findet sie das. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, stets dem feinen Stil und ihrer Klientel verpflichtet, lässt anspannen, je nach Anlass zwei- oder vierspännig; es heißt, der Kutscher hält immer ein gutes Fläschchen Riesling unter dem Bock bereit.

Was den Bundespolitikern recht ist, ist Verantwortungs- und Würdenträgern landauf und -ab billig: So wurde Kardinal Woelki auf einem Hollandrad gesehen, natürlich mit Helm statt Scheitelkäppchen. Und Ministerpräsident Kretschmann, das Cleverle, fährt einen e-Smart und wird so zugleich seiner Partei und dem Industrieland Baden-Würtemberg gerecht; passt dem Daimler-Konzern nicht so recht, kann Zetsche aber nix sagen.

So ein Dienstag könnte das sein in Deutschland. Nur geträumt. Die Wirklichkeit: Heute gibt die Deutsche Umwelthilfe e.V. wieder ihren Dienstwagen-Check heraus. Mal sehen, wer heuer den dicksten CO2-Panzer fährt. Ist es noch der Vollhorst mit seinem BMW 750i x-drive, oder wurde er inzwischen von einem anderen Volksvertreter überholt?

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 14.08.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


Hintergrund

Die Deutsche Umwelthilfe stellt auf einer Pressekonferenz am 14. August bereits zum zwölften Mal ihren Politiker-Dienstwagencheck vor: Welcher Bundesminister, Staatssekretär, Ministerpräsident oder Landesminister verursacht die geringsten CO2-Emissionen? Wer sitzt hinter dem Steuer eines wahren Spritschluckers?

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