Glosse: Das Freibad - Schule fürs Leben

Das Freibad - Schule fürs Leben

SR 2-Kolumnist Erik Heinrich über den Sehnsuchtsort der Sommerhitze

Eine Kolumne von Erik Heinrich   31.07.2018 | 06:25 Uhr

Was wäre ein Sommer in der Stadt ohne Freibad? Es wäre wohl kaum auszuhalten. Vor allem für Kinder wird die grüne Wiese und das Schwimmbecken wohl zur zweiten Heimat. Wenn man sie ließe, würden sie wahrscheinlich auch dort übernachten. Unser Kolumnist Erik Heinrich erinnert sich an seine Freibad-Zeit. Eine Glosse.

Vor ein paar Tagen fand ich einen alten Schulaufsatz von mir mit dem Thema: "Das Freibad – Schule fürs Leben": "In den Sommerferien war ich oft im Freibad und habe dabei sehr viel gelernt: Zum Beispiel habe ich gelernt, dass Uhren, auf denen steht "wasserdicht" auch wasserdicht sind, außer man lässt sie im Freibad beim Tauchen an.

Es lohnt sich nicht immer, wenn man mutig ist. Nach meinem Köpper vom Fünfer hatte ich den schlimmsten Brummschädel meines Lebens. Ich habe auch gelernt, dass jemand ziemlich doof sein kann und hängebauchig in Badeschlappen herumschlurchen und doch ein Meister ist, sogar eine Autoritätsperson, ein umumschränkter Louis Quatorze in seinem Reich: "Das Bad bin ich!"

Ich lernte im Freibad fürs Leben, dass man das Schild "Achtung Rutschgefahr" ernst nehmen muss. Und ich lernte, dass man total durchgefroren, mit Gänsehaut, blutunterlaufenen Augen, mit denen man ungeschminkt in einem Zombiefilm mitspielen könnte und mit einer Mischung aus Chlorwasser, Pommes und Majo im Bauch trotzdem einen tollen Tag gehabt haben kann. Da habe ich im Freibad vielleicht mehr gelernt als in der Schule!"

Als ich diesen Aufsatz fand, dachte ich, ich könnte mal wieder ins Freibad gehen. Und das machte ich. Das Schöne ist: Das Freibad ist genau wie früher. Außer, dass es mehr Dicke gibt und viel mehr Textil, selbst Kleinstkinder laufen schon mit langen Badehosen oder Badeanzügen herum. Aus heutiger Sicht muss ich auch leider sagen, dass der Brummschädel nach meinem Köpper vom Fünfer nicht der übelste meines Lebens blieb. Und Pommes mit Chlorwasser schmecken nicht mehr wie damals.

Aber der Bademeister heißt zwar jetzt Schwimmmeister, hat aber immer noch 'ne Wampe, uncoole Schlappen und ist der Alleinherrscher über Wasser- und Liegeflächen. Ich weiß nicht, ob ich das beruhigend finden soll.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 31.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


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