Glosse: Und ewig lockt das Netz...

Und ewig lockt das Netz...

Glosse zum Thema Datenschutz in Internet

Erik Heinrich  

Diese Woche macht sich unser Kolumnist Erik Heinrich Gedanken über allzu menschliches Verhalten im Netz. Warum tun wir Dinge wider besseren Wissens? Und weiß eigentlich irgendjemand wirklich, was mit seinen Daten im Netz so alles passiert?

Menschen tuen dummes Zeug wider besseres Wissen. Wir sind so. Wir können der Frikadelle nicht widerstehen, obwohl wir die Bilder von der industriellen Aas-Verwurstung kennen. Wir gucken uns Bullshit im Fernsehen an, zum Beispiel Sahra Wagenknecht in einer Kochshow, obwohl wir wissen, dass wir enttäuscht sein werden und wir haben wider besseres Wissen einen Account bei Facebook oder WhatsApp.

Das heißt, ich nicht. Lange Zeit dachte ich, ich wäre der letzte Mensch ohne Facebook. Meine Kinder sagten: Papa, das ist unverantwortlich, wir wissen nicht wie wir dich erreichen sollen. Ich: Häh?Telefon? Email? Reden von Mensch zu Mensch? Die Kinder winkten ab. "Papa schreibt eine SMS" wurde so eine Art running gag in der Familie. Ich fühlte mich einsam. Dann kam der Facebook-Skandal. Die Kinder und andere junge Leute dachten: haben wir user vielleicht, indirekt, dazu beigetragen, dass Trump Präsident wurde? Plötzlich hieß es, äh, Facebook, das ist doch so retro. Sagar die Facebook-Tochter WhatsApp wurde in Frage gestellt. Mein Großer fragte: Sag mal, du bist doch bei diesem safen Messenger-Dienst mit Server in der Schweiz, kostet das was? Kost' ganz wenig, sagte ich. Tatsächlich hatte ich innerhalb weniger Wochen lauter neue alte Bekannte in der Kontakteliste dieses Anbieters.

Aber es gibt auch Ahnungslose. Eine Mutter berichtete stolz, nach „Zuckerberggate“ habe sie Facebook den Rücken gekehrt und sei jetzt bei Instagram. Instagram gehört Facebook. Und es gibt Bekannte, die sich auf die altbewährte piepegal-Haltung zurückziehen. Ein Freund meint sogar: Datenschutzmäßig ist Facebook harmloser als das neue bayerische Polizeigesetz. Na ja, ganz von der Hand zu weisen ist diese Argumentation nicht.

Nun kommt Mark Elliot Zuckerberg nach Brüssel und trifft sich mit ausgewählten EU-Abgeordneten. Sogar öffentlich. Hat doch nichts zu verbergen. Er wird ihnen und uns vermutlich treuherzig erklären, dass er der gute Junge mit dem Plan einer besseren, vernetzten Welt ist und selbst ganz verblüfft darüber, welche Dose der Pandorra er aufgemacht hat. Ich glaube ihm diese Attitüde sogar. Warum er trotzdem Facebook-Chef bleibt? Und warum facebook trotz allem weltweit immer mehr Nutzer findet? Weil wir Menschen dummes Zeug wider besseres Wissen machen.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 22.05.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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