Nicht gepflegter Streifen zwischen Bous und Schwalbach-Elm (Foto: Helmut Dörr)

Das sind Ihre Radweg-Probleme im Saarland

Marc-André Kruppa/Linda Grotholt/Niklas Resch   13.07.2021 | 14:30 Uhr

Die SR-Recherchen über den schleppenden Ausbau des Radwege-Netzes im Saarland haben zu zahlreichen Reaktionen geführt. Per Mail, Facebook oder Instagram haben die Saarländerinnen und Saarländer vor allem den schlechten Zustand vieler Radwege und den hohen Anteil an Gefahrenstellen kritisiert.

Wo sind die Problemstellen für Radfahrende im Saarland wollten wir wissen - alle Rückmeldungen haben wir in einer interaktiven Saarland-Karte für Sie zusammengefasst:

zur Problemliste in Saarbrücken


Radwege, die plötzlich enden, die zu schmal oder in schlechtem Zustand sind. Ampelphasen, die nicht auf Fahrradfahrer abgestimmt sind. Autofahrer, die zu wenig Abstand halten und zugeparkte Radwege.

Dazu vor allem im ländlichen Bereich Radwege-Lücken zwischen Orten, die nur die Fahrt über die gefährliche Landstraße als Alternative lassen. Die gemeldeten Probleme decken die gesamte Bandbreite des Radfahrens ab.

In einigen Fällen hat der SR auch Fotos von ausgewählten kritischen Stellen erhalten, etwa vom Radweg entlang der L140 zwischen Schwarzenholz und dem Kurhofer Kreuz, an dem ein Großteil des Weges einfach zugewuchert und daher schlecht befahrbar ist.

Reaktion auf SR-Radwege-Schwerpunkt
LfS will Saar-Radwege verbessern
Die Situation für Radfahrer im Saarland soll sich in den nächsten Jahren deutlich verbessern. Darauf hat der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) nach einer SR-Mitmachaktion hingewiesen. Dabei wurden mehr als 150 Mängel im Radwegenetz gemeldet.

Kritik an Schutzstreifen – von allen Seiten

Einer der häufigsten Kritikpunkte saarlandweit sind Schutzstreifen, die am Rande der Autospur markiert sind. „Entweder der Radstreifen ist zugeparkt oder man wird fast von einem Bus überfahren, der einfach auf den Radstreifen herüberzieht“ heißt es in einem Kommentar bei Instagram.

1,50 Meter müssen Autos beim Überholen von Radfahrern einhalten. Das ist aufgrund der engen Straßen vielerorts kaum möglich. Deswegen werden die Schutzstreifen auch von Autofahrern und Autofahrerinnen kritisiert. Nach dem Motto: Wer sich an die Regeln hält und hintendran bleibt, ist nur langsam unterwegs und behindert den Verkehr.

Gegenseitige Vorwürfe von Verkehrsteilnehmern

Es ging bei den Rückmeldungen aber nicht nur um Mängel in der Infrastruktur, sondern auch um das Verhalten von Verkehrsteilnehmern. Fußgänger bemängelten, dass Radler zu schnell und gefährlich auf Gehwegen unterwegs wären.

Autofahrerinnen und Autofahrer mahnten an, dass auch Radfahrer sich an Straßenverkehrsregeln halten müssen. „Radfahrer scheinen mittlerweile sakrosankt zu sein in diesem Land. Dabei erlebe ich täglich, wie sich sehr viele als Könige der Straße zu fühlen scheinen und sich dementsprechend benehmen“, schreibt ein Nutzer bei Facebook.

Ein mehrfach geäußerter Vorwurf: Radfahrer würden vorhandene Radwege nicht nutzen und auf der Straße fahren.

Radfahrer weisen in diesem Kontext darauf hin, dass die Wege neben Straßen häufig nicht gesäubert würden, dort Glasscherben und Unrat lägen. Hinzu kommen Vorwürfe an Autofahrer, trotz Engstellen mit großer Geschwindigkeit zu überholen.

Die Diskussionsfronten scheinen hierbei ziemlich verhärtet.

Meiste Probleme in der Landeshauptstadt

Aus dem Raum Saarbrücken sind mit Abstand die meisten Mängel oder Gefahrenstellen gemeldet worden. Das ist nicht weiter verwunderlich, da hier auch die meisten Menschen leben und das Potenzial fürs Radfahren am größten ist. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die schwierige und unübersichtliche Lage auf der Wilhelm-Heinrich Brücke sowie mangelhaft ausgebaute Radwege Richtung Dudweiler, Universität, St. Ingbert oder Fechingen.

Hier wünschen sich viele Saarbrücker deutlich breitere Radwege und mehr Sicherheit im Zusammenspiel mit den Autos. Hier haben wir die gemeldeten Stellen zusammengefasst. Aufgrund der Vielzahl von Meldungen haben wir diese teils gekürzt beziehungsweise zusammengefasst.

Die gemeldeten Stellen in Saarbrücken

  • Wilhelm-Heinrich Brücke – unübersichtliche Spuren, Gefahr durch Autofahrer
  • Mainzer Straße zwischen Römerkastell und Bismarckbrücke – nur eine Spur je Fahrtrichtung, Fahrradstreifen nicht breit genug
  • Dudweiler Straße – Radwege sind ständig zugeparkt und zu schmal
  • Preußenstraße – Radwege sind zugeparkt und hören teilweise an Fahrbahnverengungen einfach auf
  • Meerwiesertalweg Richtung Uni und St. Ingbert – kein Radweg, Gefahr für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer wegen schnell vorbeiziehender Autos
  • Dr.-Vogeler-Straße – Radweg ist schlecht gepflegt, uneben und unter niedrigen Bäumen
  • Abzweigung Bismarckbrücke/Franz-Josef-Röder-Straße Richtung St. Arnual – Autofahrer kreuzen Radfahrer Richtung St. Arnual
  • Landstraße Fechingen – Ensheim - Neubau der Strecke aber ohne Einplanung von Fahrradweg
  • Von der Goldenen Bremm kommend endet der Radweg entlang der Metzer Straße an der Kreuzug Zeppelinstraße/Metzer Straße praktisch im Nichts
  • Radweg über Bismarckbrücke Richtung Mainzerstr. ist sehr eng, da LKW/Busse scharf schneiden und man nicht auf den Fußweg ausweichen kann,  weil der Bürgersteig sehr hoch ist
  • Die Strecke von Saarbrücken Ostbahnhof (Höhe Römerkastell) hoch zur Universität, primär über die Kaiserslauterer Straße und vorbei am Rotenbühl ist gefährlich: Radstreifen endet am Holzbrunnen und beginnt erst am Ilseplatz, außerdem ist die Kaiserslauterer Straße stark und schnell befahren und daher gefährlich für Radfahrer
  • Hauptstraße von Gersweiler in die Saarbrücker Innenstadt ist gefährlich wegen Schlaglöcher und Autofahrer, die zu dicht und schnell vorbeifahren
  • Der Gehweg und Radweg der Metzer Straße unterhalb der Einmündung Forbacher Straße wird regelmäßig zum Parken genutzt
  • Gefährlicher Radweg von Saarbrücken-Gersweiler Richtung Forbach bis zum Aschbacher Weiher
  • Kein Radweg vom Messegelände zum Eingang des DFG
  • Pfaffenkopfstraße Burbach: Fahrradweg nur auf einer Seite, viel zu schmal und gefährlich, hört plötzlich auf.
  • Von der Scheidter Straße kommend durch die Martin-Luther-Straße ins Nauwieser Viertel: Fahrradfahrer müssen zwei Fahrspuren komplett kreuzen, Autos fahren zum Teil sehr schnell
  • Von der Wilhelm-Heinrich-Brücke kommend, am Theater vorbei, Abbiegen in die Bleichstraße: Eine Spur muss im fließenden Verkehr gekreuzt werden
  • Dudweiler Beethovenstraße, an der Auf- und Abfahrt zur L252: Autofahrer oder Busse übersehen an den Einmündungsbereichen regelmäßig Radfahrer auf dem Geh- und Radweg, trotz roter Fahrbahnmarkierung
  • St. Arnual: Fahrradstreifen im Einmündungsbereich der Feldstraße in die Saargemünder Straße regelmäßig zugeparkt
  • Großherzog-Friedrich-Straße von Arndstraße in Richtung Kaiserstraße: Radspur fehlt, Autos überholen schnell und ohne Sicherheitsabstand
  • Burbach-Hochstraße oberhalb der Saarterrassen. Radweg führt auf Gehweg, wird dort zu eng für Fußgänger und Radfahrer. Im weiteren Verlauf gefährlich, wieder auf Straße zu fahren.
  • Rund um den Landwehrplatz schlecht zu fahren, auch für Fußgänger problematisch geregelt.
  • Gefährliche Situation entlang der Lebacher Straße (enger Radweg, Schutzstreifen neben parkenden Autos etc.), außerdem kaum Radwege auf dem Rodenhof
  • Dudweilerstraße: Radstreifen viel zu eng, stellenweise fehlende Radstreifen; stadteinwärts Radfahrende zwischen parkenden Autos und Autospur eingeklemmt; stadtauswärts Radweg oft zugeparkt.
  • Dudweiler Landstraße: stadteinwärts neuer, unzureichend breiter Radstreifen, Gefahrenstelle: plötzliches Ende; stadtauswärts enger Radweg - Überholen durch Autos mit Abstand 1,5m eigentlich gar nicht möglich (also wird zu eng überholt); beidseitig kein Radstreifen unter der Brücke;
  • Das Wohngebiet am Homburg ist schlecht angebunden, in der Straße "Am Homburg" werden Radfahrer häufig von Autos "bedrängt"
  • Martin-Luther-Straße in die Scheidter Straße: Engstelle und häufig zugeparkter Radweg.
  • Keine Verbindung von Bübingen an den Leinpfad. Kein Radweg nach Güdingen, Bürgersteig zu eng und meist zugeparkt.
  • Paul-Marien-Straße in Richtung Bismarckbrücke: Schutzstreifen endet vor Bushaltestelle, Radfahrer müssen sich an stark befahrener Straße in den Verkehr eingliedern
  • Fehlende Radschutzstreifen am Beginn der Feldmannstraße
  • Fehlende Markierung an der Bahnunterführung  „Am Kieselhumes“
  • Lessingstraße, zwischen Großherzog-Friedrich-Straße und Mainzer Straße: Keine Freigabe der Einbahnstraße für Radfahrer
  • Rabbiner Rülf-Platz: Radspur häufig zugestellt mit (Liefer-)Fahrzeugen der Gastronomie und Geschäfte
  • Schafbrücke Kaiserstraße (Richtung Scheidt): Radweg endet plötzlich, gefährliche Engstelle
  • Scheidt Kaiserstraße (Richtung St. Ingbert): Nach der Ampel häufig zugeparkter Radweg
  • Saargemünder Straße: Neue Radschutzstreifen häufig zugeparkt


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