Logo der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) (Foto: SR)

Hohe Durchfallquote der Meisterschule wird Thema im Landtag

mit Informationen von Karin Mayer   05.10.2021 | 08:21 Uhr

Die saarländische Meisterschule wird Thema im Landtag. Nach der SR-Berichterstattung über hohe Durchfallquoten im Metallbau will die Linke im Wirtschaftsausschuss mehr erfahren. Beim SR meldeten sich unterdessen weitere Betroffene.

Auf Antrag der Linken wird der Wirtschaftsausschuss im saarländischen Landtag sowohl die Landesregierung als auch die Handwerkskammer zu den hohen Durchfallquoten bei der Meisterschule hören. Zuletzt hatte ein kompletter Kurs der Metallbauer die Prüfung nicht bestanden.

Weitere Handwerke meldeten sich

Nach der SR-Berichterstattung darüber meldeten sich mehrere Handwerker und berichteten, dass es in mindestens zwei weiteren Jahrgängen im Metallbau hohe Durchfallquoten gab. Die Meisterschüler haben teilweise Einsicht in die Prüfungsunterlagen verlangt und berichten einstimmig davon, dass Prüfungsaufgaben nicht mit erreichten Punkten bewertet wurden. Es sei nicht nachvollziehbar gewesen, was bei einer Aufgabe richtig oder falsch sei.

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Audio [SR 3, Karin Mayer, 05.10.2021, Länge: 03:07 Min.]
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Durchfallquoten zwischen 70 und 100 Prozent

Der Handwerkskammer dürften die Probleme an der Meisterschule im Bereich Metallbau nicht entgangen sein. Seit mindestens drei Jahren liegen die Durchfallquoten bei den Metallbauern zwischen 70 und 100 Prozent. Reagiert hat die Kammer bisher nicht.

Das wollen Hauptgeschäftsführer Bernd Reis und Handwerkspräsident Bernd Wegner nun ändern. Bernd Reis kündigt im SR-Interview an, dass die aktuelle Metallbau-Klasse das Angebot erhalten soll, in eine Nachprüfung zu gehen. Die Kammer werde prüfen, ob es am Unterricht, am Prüfungsausschuss oder an der Vorbildung der Teilnehmer liege.

Schüler bestanden woanders die Prüfung

Handwerkspräsident Bernd Wegner betont aber, die Meisterschule müsse Wert auf Qualität legen. Ähnlich hat in der vergangenen Woche der Prüfungsausschussvorsitzende und Landesinnungsmeister Martin Jakob argumentiert. 

Allerdings liegen dem SR inzwischen zahlreiche Berichte von Meisterschülern vor, die im Saarland durchgefallen sind und später in Trier oder Kaiserslautern die Prüfung auf Anhieb bestanden haben. Liegt also das Problem nicht doch im Saarland?

Sondersituation Prüfungsausschuss

In der Handwerksordnung steht unter §48, dass der Ausschussvorsitzende in der Meisterprüfung nicht dem jeweiligen Handwerk angehören sollte. Bei den Metallbauern wurde diese Regel nicht eingehalten. Im Gegenteil.

Der Ausschussvorsitzende Martin Jakob ist gleichzeitig Landesinnungsmeister und besetzt damit wesentliche Positionen in seinem Gewerk. Handwerkspräsident Bernd Wegner verweist darauf, dass es wenige engagierte Menschen gebe. Zuständige Behörde für den Prüfungsausschuss ist das Wirtschaftsministerium.  

Fördergelder vom Bund 

Die Meisterschule des Saarlandes erhält pro Jahr rund eine Million Euro aus dem Landeshaushalt. Erst vor Kurzem hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier eine Förderung von 30 Millionen Euro für den Neubau der Bildungseinrichtung des Handwerks zugesagt.

Kommentar

"Unwahrscheinlich, dass in einer Klasse ausschließlich Versager sind", meint SR-Wirtschaftsredakteurin Karin Mayer in ihrem Kommentar. Dass die Kammer und die Aufsichtsbehörde hier zu lange nur zugeschaut hätten, mache sie wütend.

Über dieses Thema berichtet auch die SR 3-Rundschau am 05.10.2021.

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